Aktualisiert 06.11.2011 00:00

SVP-AngriffMit Amstutz gegen Schneider-Ammann

Die SVP will unbedingt einen zweiten Sitz im Bundesrat. Falls Eveline Widmer-Schlumpf gewählt würde, wollen sie darum die FDP angreifen – mit Hardliner Adrian Amstutz.

von
aeg
Johann Schneider-Ammann droht Ungemach von Rechts (Adrian Amstutz)

Johann Schneider-Ammann droht Ungemach von Rechts (Adrian Amstutz)

Sollte BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf am 14. Dezember im Amt bestätigt werden, wird die SVP auch den Sitz von FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann angreifen. Dies schreiben die «Sonntags Zeitung» und «Der Sonntag» übereinstimmend.

«Wir werden in der Fraktion alle Optionen diskutieren. Und für den Fall, dass wir gegen Frau Widmer-Schlumpf keinen Erfolg haben, gehört auch ein Angriff auf die FDP dazu», sagt Parteistratege Christoph Mörgeli gegenüber der «Sonntags Zeitung» – und fügt an: «Die FDP kann sich nicht sicher fühlen.»

Dies sehen auch die SVP-Nationalräte Luzi Stamm und Rudolf Joder so. Zunächst müsse die SVP gegen Eveline Widmer-Schlumpf antreten. Scheitere dies, «müssen wir die FDP angreifen», sagt Stamm dem «Sonntag». «Einigt sich die Mitte auf Widmer-Schlumpf als ihre Kandidatin, ist die Konkordanz noch nicht gebrochen», ist er überzeugt. «Die Mitte hat mit FDP, CVP, GLP und BDP gemäss Wähleranteilen drei Bundesratssitze zu gute.»

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Amstutz wird lanciert

Für ein solches Szenario kursiert im engeren Führungszirkel der SVP auch schon der Name eines Kandidaten: Der Berner Ständerat Adrian Amstutz sei geeignet, heisst es. Mit einem Berner den Berner Vertreter Johann Schneider-Ammann anzugreifen, sei ein durchaus erfolgversprechendes Szenario.

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Namhaften SVP-Parlamentarier unterstützen die neue Strategie – auch Vertreter des gemässigten Flügels. Der Glarner Ständerat This Jenny sagt: «Mit Adrian Amstutz gegen Schneider-Ammann anzutreten ist eine ernsthafte Option.» Auch Ulrich Giezendanner ist für einen Angriff auf die FDP.

Neben Amstutz gehören der Thurgauer Ständerat Roland Eberle, der Zuger Regierungsrat Heinz Tännler und sogar SVP-Präsident Toni Brunner zu den weiteren Wunschkandidaten der SVP-Führungsriege. Brunner winkt allerdings ab. «Er dementiert das aufs Entschiedenste», dementiert Generalsekretär Martin Baltisser im «Sonntag». «Das sei absolut keine Option.»

Bäumle spielt Widmer-Schlumpf und Schneider-Ammann gegeneinander aus

Für GLP-Parteipräsident Martin Bäumle ist klar, dass die SVP Anspruch auf zwei Sitze im Bundesrat hat. «In der Mitte aber gibt es ein Problem: Entweder BDP-Bundesrätin Widmer-Schlumpf oder FDP-Bundesrat Schneider-Ammann wird es nicht schaffen», sagt Bäumle im Interview mit der «NZZ am Sonntag».

Um die Wiederwahl von Eveline Widmer-Schlumpf zu sichern, müssten CVP und BDP zusammenrücken. «Die Zusammenarbeit muss so verbindlich sein, das am Anspruch dieser beiden Parteien auf zwei Sitze kein Zweifel mehr bleibt», sagt Bäumle. Auch inhaltlich habe Widmer-Schlumpf die besseren Karten: Sie sei für den Atomausstieg und offen für eine ökologische Steuerreform. «Wäre die Bilanz Widmer-Schlumpfs so schlecht wie diejenige von Schneider-Ammann, käme ihre Wiederwahl kaum in Frage», sagt Bäumle.

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