Aktualisiert 29.08.2010 15:19

Budget- vs. EigenmarkenMit Billigprodukten auf Kundenfang

M-Budget- und Prix-Garantie-Produkte sind nicht aus Abfallfleisch und Käseersatz hergestellt. Sie sind manchmal sogar qualitativ besser als die Eigenmarken.

von
Gérard Moinat
Sind fast halb so teuer wie das Original: M-Budget-Milchschnitten. Haben aber auch nur halb so viel Milch drin.

Sind fast halb so teuer wie das Original: M-Budget-Milchschnitten. Haben aber auch nur halb so viel Milch drin.

Spaghetti, geschälte Tomaten, Haselnüsse, Butter oder Kakaopulver: Viele Eigenmarken der Grossverteiler Migros und Coop kosten fast doppelt so viel wie die Billiglinien-Produkte und das trotz teils identischem Inhalt. «K-Tipp» hat das bereits vor einem Jahr festgestellt.

Seither haben die Preisunterschiede zwischen Budget- und Eigenmarkenprodukten aber teilweise sogar noch zugenommen. Budgetprodukte lohnen sich also noch mehr. Zum Beispiel die gemahlenen Haselnüsse von Migros: Die Preisdifferenz wuchs von 86 auf 89 Prozent. Den Preisunterschied zwischen den beiden Produkten erklärt die Migros mit kleineren, zerbrochenen Nüssen beim Budget-Produkt. Allerdings merken die meisten Verbraucher beim gemahlenen Endprodukt nichts davon. Bei den Coop-Ravioli öffnete sich die Preisschere von den vom K-Tipp ermittelten 47 Prozent auf heute 52 Prozent. Prix-Garantie hat allerdings mit 3 Prozent weniger Fleischanteil als das Eigenmarkenprodukt mit 7 Prozent Fleisch.

Gleiche Produkte fürs Doppelte

Eklatant ist jedoch der Preisunterschied auch von Produkten vom gleichen Hersteller mit gleichem Inhalt. Beim Cottage Cheese von Migros beträgt der Kostenunterschied allein wegen der Verpackung 23 Prozent. Dass der Inhalt der gleiche ist, gibt die Migros zu. Oder das Migros-Kakaopulver: Das Eigenmarkenpulver kostet 4.60 Franken. M-Budget-Kakao kostet 5.35 Franken, hat aber gemäss K-Tipp anderthalbmal so viel Inhalt und enthält sogar mehr Kakao.

Auch sind Qualité & Prix-Spaghetti von Coop fast doppelt so teuer wie diejenigen von Prix-Garantie. Für die Qualité & Prix-Version bezahlt man 1.10 Franken und kriegt nur halb so viele Spaghetti wie beim Billigprodukt für 1.15 Franken — trotz gleichem Hersteller. Der Anteil an Weizendunst sei unterschiedlich, begründet Coop. Oder geschälte Coop-Tomaten: Das Billig-Produkt kostet nur halb so viel wie die Eigenmarke, unter anderem wegen höheren Anforderungen betreffend Resthautanteil. Der K-Tipp stellt bei letzterem Produkt aber sogar mehr Resthaut fest als bei der Qualité & Prix-Version.

«Preisunterschiede sind begründet»

Wird der Konsument hier hinters Licht geführt? Nein, beteuern die beiden Grossverteiler. «Die Preisunterschiede sind immer durchaus begründet», so die Migros. Ein einheitliches Design, grössere Einheiten ohne Varietäten und «geringere Marketingkosten» seien ausschlaggebend. «Bei allen Produkten gibt es handfeste Unterschiede, teils in punkto Qualität, teils betreffend Grösse und immer auch in punkto Verpackung», sagt auch Coop.

Marketingprofessor Stefan Michel beobachtet dagegen: «Die Preisunterschiede sind grösser als die Kostenunterschiede.» Denn primäres Ziel der Billigprodukte sei nicht, Gewinn zu erzielen, sondern Kunden in die Geschäfte zu locken. Seien diese dann im Laden, möchten die Geschäfte ihnen die teureren Eigenmarken verkaufen. Für Detailhandelsexperte Gotthard Wangler ist das nicht in Ordnung: «Gleiches muss gleich teuer sein», fordert er.

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