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Trader«Mit Bitcoins könnte ich in Rente gehen»

Der Bitcoin-Kurs ist in den vergangenen Wochen explodiert – davon profitieren auch Schweizer. Vier Personen erzählen von ihren Erfahrungen mit Kryptowährungen: Über einen Autokauf, grosse Ambitionen und Immobilienträume.

von
Joel Probst
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«Von einem Teil meines Gewinns habe ich mir einen Tesla geleistet», sagt Yannick Le Guern (54).

«Von einem Teil meines Gewinns habe ich mir einen Tesla geleistet», sagt Yannick Le Guern (54).

zvg
Die Digitalwährung Bitcoin ist im Allzeithoch – und soll noch weiter zulegen.

Die Digitalwährung Bitcoin ist im Allzeithoch – und soll noch weiter zulegen.

REUTERS
«Millionär bin ich damit nicht geworden, aber alles in allem habe ich zwischen 500’000 und 600’000 Franken Gewinn gemacht», sagt Le Guern über sein Hobby.

«Millionär bin ich damit nicht geworden, aber alles in allem habe ich zwischen 500’000 und 600’000 Franken Gewinn gemacht», sagt Le Guern über sein Hobby.

AFP

Darum gehts

  • Die Digitalwährung Bitcoin ist im Allzeithoch – und soll noch weiter zulegen.

  • Kritiker warnen vor dem Platzen einer Blase und sehen den Bitcoin weiterhin vor allem als Spekulationsobjekt.

  • Vier Menschen, die in die Kryptowährung investieren, berichten von ihren Erfahrungen.

Der Bitcoin hat zu Beginn dieses Jahres die Schwelle von 30’000 Dollar durchbrochen. Manche Analysten halten noch weitere Kursgewinne für möglich – warnen aber gleichzeitig vor dem Risiko. Vier Personen berichten von ihren prägendsten Erfahrungen mit Kryptowährungen.

«Mit Bitcoins konnte ich Haus und Tesla finanzieren»

Yannick Le Guern (54), Besitzer eines Onlineshops für 3D-Zubehör

«Ich habe schon vor über 10 Jahren in Kryptowährungen investiert, als in Deutschland eine erste Kryptowährungsbörse geschaffen wurde. Als Spielerei kaufte ich mir für um die 200 Franken Bitcoins und Litecoins. Damals konnte man noch für wenige Rappen hunderttausende Bitcoins kaufen. Seither habe ich immer wieder mit Kryptowährungen gehandelt und zeitweise auch Mining betrieben. Millionär bin ich damit nicht geworden, aber alles in allem habe ich zwischen 500’000 und 600’000 Franken Gewinn gemacht. Und ich halte noch Kryptowährungen im Wert von mehreren 100’000 Franken. Vor drei Jahren habe ich mir von einem Teil meines Gewinns einen Tesla geleistet. Auch mein Haus konnte ich dank meiner Bitcoin-Erträge abzahlen. Theoretisch könnte ich dank meines Hobbys in Rente gehen. Das werde ich aber nicht tun, weil mir meine Arbeit Spass macht.»

«Meine Kryptowährungen verloren über die Hälfte an Wert»

Younes Asadi (24), Student

«Ich war noch an der Kanti, als ich begonnen habe, in Kryptowährungen zu investieren. Ich machte mir damals Gedanken, wie ich während meines Studiums mein Geld am besten anlegen kann. Mitte 2017 haben einige Kollegen und ich uns mit Videos etwas informiert und dann ein paar hundert Franken, unter anderem in Bitcoin, investiert. In den folgenden Monaten habe ich immer mehr aufgestockt und in verschiedene Coins diversifiziert. Ich wollte schnell Geld machen. Doch ich hatte Pech, ich bin genau während einer Blase eingestiegen. Innert weniger Monate verloren meine Kryptowährungen mit 2000 Franken um über die Hälfte an Wert. Das entsprach damals plus minus meinem ganzen Ersparten. Zum Glück habe ich das Geld trotzdem nicht auszahlen lassen, mittlerweile bin ich wieder im grünen Bereich. Seit Ende 2019 habe ich mir ein Grundwissen in Kryptowährungen erarbeitet und fokussiere jetzt ausschliesslich auf Bitcoin. Auch damit will ich mir nach meinem Studium eine Weltreise leisten.»

«Ich war noch an der Kanti, als ich begonnen habe, in Kryptowährungen zu investieren», sagt Younes Asadi (24).

«Ich war noch an der Kanti, als ich begonnen habe, in Kryptowährungen zu investieren», sagt Younes Asadi (24).

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«Der Ertrag ging für Schulden drauf»

Stefan T.* (28), Informatiker

«Ich kam erstmals 2010 in Berührung mit Bitcoin, während meiner Ausbildung zum Informatiker. Sieben Jahre später habe ich dann angefangen, wirklich zu investieren. Der Ertrag ging dann aber für Schulden drauf: Ich verfiel der Glücksspielsucht. Dank Therapien schaffte ich es wieder zurück ins Leben – und dorthin wo ich jetzt stehe. Seit dem Corona-Lockdown bin ich wieder intensiv am Traden: Ich beschäftige mich täglich mit der Thematik, verkehre in entsprechenden internationalen Netzwerken und habe Tools zur Unterstützung programmiert. Bis zum heutigen Zeitpunkt habe ich dadurch 350'000 Franken erwirtschaftet - davon kamen 150'000 Franken seit den Festtagen dazu! Mein Ziel ist eine Million – ich werde weitermachen, bis ich das erreiche.»

Das System Bitcoin

Die Idee von Bitcoin entstand 2008, der Erfinder mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto ist bis heute ein Mysterium. Die digitale Währung funktioniert unabhängig von Staaten, Zentralbanken und der Geldpolitik. Anders als andere wird das Krypto-Vermögen und Zahlungen nicht von einer zentralen Stelle kontrolliert oder bestätigt. Doch warum steigt der Bitcoin-Wert gerade jetzt so stark an? Kurstreiber sind die grossen institutionellen Investoren, die in den letzten Monaten mit über 12 Milliarden Dollar ins Bitcoin-Business eingestiegen sind und der Zahlungsdienstleister Paypal, der seit November die Krypto-Währung als Zahlung akzeptiert. Kritiker warnen vor dem Platzen einer Blase und sehen den Bitcoin weiterhin vor allem als Spekulationsobjekt, das vor allem für Privatanleger riskant werden kann. Denn: In den vergangenen Jahren hat die Währung eine Achterbahnfahrt hinter sich – noch im März 2020 war der Kurs bei lediglich 5000 Dollar.

«Ich will meinen Immobilientraum realisieren»

Ibrahim Aslan (34)

«Vor zwei Jahren investierte ich 4000 Franken in Bitcoins - die Summe hat sich mittlerweile verfünffacht. Ich beantragte vor kurzem einen Kredit von 40'000, um zu investieren. Dieser wurde gar bewilligt - aber ich getraute mich dann doch nicht, so viel Geld auszugeben. Das bereue ich nun - obwohl ich weiss, dass man das Geld schnell in den Sand setzen kann. Im März verspürte ich Panik, als der Kurs an einem Tag um 70 Prozent sank! Aber grundsätzlich glaube ich fest daran, dass Kryptowährungen die Zukunft sind und ich weiter profitieren werde. Mit dem Geld will ich in einigen Jahren meinen Immobilientraum in der Schweiz realisieren.»

Hast du oder jemand, den du kennst, eine Spiel-, Kauf-, Online- oder eine andere Verhaltenssucht?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Spielen ohne Sucht, Selbsttest und Informationen

Safezone.ch, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

*Name der Redaktion bekannt

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227 Kommentare
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KryptoTekk

07.01.2021, 14:41

Bitcoin ist ein dezentrales Netzwerk von Rechnern. Die zugrundeliegende Technologie ist die Blockchain, eine Art verteilte Datenbank, wenn man so will. Das System agiert nach einem genau vorgegebenen Programm, dem Bitcoin-Protokoll. Ein "Bitcoin", resp. was der "Normalo" darunter versteht, ist im Grunde nur eine simple Zahl. Diese Zahl an sich hat keinen Wert. Der intrinsische Wert entsteht jedoch durch die Energie, welche aufgewendet werden muss, diese Zahl, resp. die Einheit "Bitcoin" zu "erschaffen" (Mining), im Netzwerk zur Verfügung zu stellen und dadurch gleichzeitig das Netzwerk zu sichern (Konsensus). Durch das Mining und dem zugrundeliegende Konsensusmechanismus (Proof of Work) ist die Wohl sicherste Datenbank der Welt entstanden: Die Bitcoin-Blockchain. Die Bitcoin-Blockchain anzugreifen kostet mehrere Millionen Dollar. Ein Erfolg ist da noch nicht mal gegeben. Menschen sind aktuell bereit, mehr als 38k USD für eine Einheit in diesem System zu bezahlen. Zurecht m.M.n.

Verrückte Sache

07.01.2021, 11:58

Das ist noch schlimmer wie der Börsenhandel: Da wird mit Geld gehandelt, vermehrt oder eben auch nicht, das überhaupt nicht existiert oder in irgend einer Art erwirtschaftet wird. Ich hab da absolut keine Ahnung. Aber wenn ich das recht verstehe, ist es eigentlich am schlausten, das vermehrte Geld zu investieren bevor es in einer "Blase" plötzlich weg ist. Eigentlich, rein faktisch , war das Geld ja sowieso nie existent( = erwirtschaftet), ausser durch Onlinespekulationen.

Ado52

07.01.2021, 09:43

Meine Frau und ich investierten 100 Tausend USD damals ,für 6700 USD pro Einheit ,nun können wir Frühzeitig ,in Pension gehen.