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ItalienMit Chip aus dem Koma geholt

Die 20-jährige Greta Vannucci lag nach einem Autounfall 20 Monate lang im Koma. Nachdem man ihr einen Schrittmacher ins Hirn implantiert hatte, erwachte sie «teilweise» aus ihrem bewusstlosen Zustand. Nun diskutiert ganz Italien: Gibt es auch Hoffnung für Eluana Englaro?

Ein Team von Neurochirurgen aus Turin präsentierte diese Woche die Resultate ihrer bahnbrechenden Therapiemassnahme an der jungen Greta Vannucci. Die 20-jährige Frau war nach einem Autounfall im Dezember 2005 in ein Wachkoma gefallen. Im Juli 2007 pflanzte ein Team des Turiner Spitals einen kortikalen Stimulator in Gretas Kopf ein, zwei kleine Plättchen zwischen der Schädeldecke und der Hirnhaut, die mit einem Schrittmacher verbunden sind, der seinerseits elektromagnetische Schwingungen ans Hirn sendet.

Seit dem Eingriff liegt Greta Vannucci in einem «minimalen Wachzustand». Sie kann kauen, schlucken und aufrecht sitzen. Sie kann auch auf einfache Befehle reagieren, wie zum Beispiel einen Arm heben, berichtet ihr Arzt Sergio Canavero.

Ist Eluana Englaro eine Kandidatin für diese Therapie?

Der Zeitpunkt für die Veröffentlichung dieser experimentellen Therapie in der nächsten Ausgabe des renommierten «Journal of Neurology» kommt für Sterbehilfe-Gegner sehr gelegen. Denn nun fragt sich ganz Italien, ob man sie auch bei der 38-jährigen Eluana Englaro anwenden dürfte, die seit knapp 17 Jahren ebenfalls nach einem Autounfall im Wachkoma liegt und für die ihr Vater eine Sterbehilfe-Bewilligung vor Gericht erzwungen hatte.

«Ich kenne Eluanas Krankengeschichte nicht», sagt Canavero gegenüber der italienischen Zeitung «La Stampa», «aber theoretisch könnte diese Therapie auch ihr helfen. Eluana liegt aber schon sehr lange im Koma und ihr allgemeiner körperlicher Zustand könnte keine Anästhesie mehr vertragen.»

«Dieser Erfolg muss allerdings bei anderen Patienten bestätigt werden. Wir arbeiten zurzeit an einem zweiten Fall», warnt der Mediziner und behauptet, die Überlappung der Veröffentlichung seiner Resultate mit dem Entscheid, Eluana Englaro zum Sterben nach Udine zu verlegen, sei ein reiner Zufall: «Das «Journal of Neurology» hat entschieden unsere Arbeit jetzt zu publizieren.» Eine Botschaft an Beppino Englaro sei das nicht, versichert er den Medien. «Dem Vater von Eluana sage ich damit nichts. Ich sage nur, die Therapie ist für alle Patienten geeignet, die in einem permanenten Wachzustand liegen. Und Eluana liegt in einem permanenten Wachkoma, also wäre sie eine Kandidatin.»

(kle)

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