FCB-Streller: «Mit Constantin ist es nie langweilig»
Aktualisiert

FCB-Streller«Mit Constantin ist es nie langweilig»

26 Tage nach dem Gewinn des 15. Meistertitels startete auch der FC Basel in die Saison und zur Titelverteidigung. Dominiert der Meister auch die Meisterschaft 2012/13?

von
Eva Tedesco

FCB-Captain Marco Streller äussert sich zu den Zielen für die neue Saison und die Aussichten auf die Titelverteidigung. (Video: 20 Minuten Online)

Präsident Bernhard Heusler liess es sich nicht nehmen, auf ein Kuriosum hinzuweisen: «Heiko Vogel startet zum ersten Mal als Cheftrainer in eine Saison», so der FCB-Boss, «ist aber schon der dritt-dienstälteste Trainer in der Liga.» Der Übergang vom Assistenten zum Nachfolger von Thorsten Fink ging tatsächlich dermassen reibungslos vonstatten, das man fast vergessen könnte, dass der Pfälzer erst seit dem 13. Oktober 2011 Cheftrainer ist. Ein Umstand, der einmal mehr bewiesen hat wie meisterlich der FCB nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Führungsetage arbeitet.

Während die Nationalspieler Yann Sommer, Valentin Stocker, Aleksandar Dragovic, Jacques Zoua, und Joo Ho Park die letzten Tage ihrer Ferien geniessen, konnte Vogel den Trainingsstart kaum noch erwarten und ist voller Tatendrang nach Basel zurückgekehrt. Mit dem Doublegewinn hat sich der Pfälzer gedanklich nicht mehr gross beschäftigt. «Was in der Vergangenheit war, soll man in der Vergangenheit lassen. Wir nehmen die schönen Erinnerungen und das Selbstvertrauen aus den vergangenen Monaten in die Zukunft mit. Und wenn wir dem Fussball gegenüber weiterhin mit soviel Freude und Demut auftreten, wird uns der Fussball auch das wieder zurückgeben, was die Spieler dafür investiert haben.»

Aus Basler Sicht war es nie langweilig

Über die Ziele für die Saison 2012/13 wurden bei Rotblau nicht viele Worte verloren. «Ich glaube, es wäre lächerlich, wenn ich sage, dass ich mich mit Platz vier zufrieden gebe», sagt Marco Streller an seinem 31. Geburtstag. «Natürlich wollen wir unsere Titel verteidigen». Er konnte auch nicht versprechen, dass die Meisterschaft diesmal nicht «langweilig» werden wird. Der FCB-Captain: «Aus Basler Sicht war es nicht langweilig». Im gleichen Atemzug weist Streller darauf hin, dass Sion-Boss Constantin ja einen schönen Transfer gemacht habe, der für die Liga spannend sei («mit Christian Constantin ist es nie langweilig»), Luzern habe den FCB im Cupfinal gefordert und der FCZ und YB hätten neue Trainer, was frischen Wind gäbe. Streller: «Wir werden gefordert sein».

Der Umbruch, den Abgänge wie Xhaka, Shaqiri, Huggel und auch Chipperfield notwendig gemacht haben, ist die Herausforderung für Heiko Vogel. «Es gilt Automatismen und Mechanismen schnellstmöglich zu implantieren, dass wir dann die sportlichen Aufgaben mit dem Erfolg bewältigen können, den wir uns vorstellen.» Die Personal-Planungen sind weitgehend abgeschlossen. Beim ersten Training dabei waren die Keeper Germano Vailati (von St. Gallen) und Mirko Salvi (Nachwuchs), zudem Rückkehrer David Degen (von YB), Stjepan Vuleta und Simon Grether (Nachwuchs) und der Ägypter Mohamed Salah, von dem sich die Bebbi wahre Wunder erwarten. Heusler: «Auch wenn er zuletzt keine Meisterschaft bestreiten konnte, weil in Ägypten der Spielbetrieb ruht, rate ich allen die neugierig sind, auf Youtube reinzuschauen».

Vogels Apell an Zuschauer und Fussball-Beobachter

Noch nicht in Basel ist Marcelo Diaz. Der 25-jährige zentrale Mittelfeldspieler ist noch mit Universidad de Chile engagiert und wird erst nach dem Trainingslager erwartet. Eingeplant ist mit Gaston Sauro ein weiterer Südamerikaner, der den Part von David Abraham in der Innenverteidigung übernehmen soll. Heusler: «Wir sind mit den Boca Juniors im Gespräch und sind sehr guter Dinge. Aber die Sache ist noch nicht in trockenen Tüchern und deshalb haben wir noch nichts kommuniziert.»

Bereits morgen Dienstag reist der FCB-Tross ins 10-tägige Trainingslager an den Tegernsee, wo Vogel mit dem Tuning der neuen Truppe loslegt. Anregungen holte sich der Pfälzer auch bei den bisherigen EM-Spielen. Sein Eindruck: «Der Erfolg von Chelsea im Champions-League-Final hat bei mir den Eindruck geweckt, dass viele Trainer nun auch ihr Heil in einer gut organisierten und disziplinierten Defensiv-Leistung suchen und auf Konter Akzente nach vorne setzen.»

Vogel weiter: «Aufgefallen ist mir aber auch, dass viele Spieler sehr viele Spiele mit ihren Klubs in den Beinen haben und jetzt nicht mehr an die Maximalleistung anschliessen können. Ich denke zum Beispiel an einen Cristiano Ronaldo, der sicher einer der besten ist und 60, 70 Spiele in den Knochen hat. Das ist auch für so einen Körper nicht mehr machbar. Vielleicht muss man da auch als Fan oder Fussballbeobachter gewisse Abstriche in Kauf nehmen, nicht unzufrieden sein, nicht draufhauen und nicht kritisieren, sondern verstehen, das da Menschen grad versuchen Unmenschliches zu leisten.»

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