27.04.2016 11:18

Weltenbummler-BlogMit dem eigenen Boot auf Burmas Lebensadern

Burma öffnet sich und will neu entdeckt werden. Möglichkeiten gibt es viele – zum Beispiel den Wasserweg.

von
Claudio Sieber
27.4.2016

Minimale Pfadfinderkompetenz und bubenhafte Abenteuerlust sollten reichen, um die knapp 1500 Kilometer auf Myanmars Flusssystem zu meistern und den Ozean zu erreichen. Im nördlich gelegenen Homalin erwerben wir zu zweit ein Holzboot mit 13-PS-Motor, das gemäss dem archimedischen Prinzip schwimmtauglich zu sein scheint. Aye Aye! Nach einer Testfahrt, die mit einem unverhofften Crash in ein geparktes Boot endet, fühlen wir uns startklar.

Zwei Ausländer mit eigener Barke und asiatischen Kegelhüten scheinen rar in dieser Gegend. In stetiger Begleitung hochgezogener Mundwinkel, Handwedler und euphorischer Zurufe dümpeln wir mit durchschnittlich acht Knoten in Richtung Andamanensee. Romantisch anmutende Dörflein zieren die Ufer und motivieren zu Erkundungstouren. Aufgrund der 50-jährigen Militärdiktatur haben die Bewohner bisher nur wenige oder gar keine westlichen Besucher gesichtet. Jeden Tag werden wir reich beschenkt, sei es mit einem Teekränzchen, etwas Proviant oder einem unverfälschten Lächeln.

Begrüssungskomitee mit Macheten

Auf dem Bug der Lastkähne und Passagierfregatten kauern Bootsjungen. Sie stochern den Fluss mit Bambusrohren ab, um die unzähligen Sandbänke ausfindig zu machen. Was die Nerven der Kapitäne während der Trockenperiode strapaziert, freut die Dorfbewohner. «Nicht selten werden unsere Siedlungen von Überschwemmungen während der Monsunzeit heimgesucht, die bis in den zweiten Stock der Pfahlbauten reichen», erklärt der Primarschullehrer Ne Shi Win. Mit ambulanten Bambushütten ziehen sie von Oktober bis März auf die freigelegten Sandbänke, um zu fischen und Gemüse anzupflanzen. Einige sogar, um illegal nach Gold zu schürfen. Hobbyskippern wie uns bieten sich während der Trockenzeit etliche Campingmöglichkeiten in Flussnähe an. Die Abende am Lagerfeuer könnten kaum vielseitiger sein: Ab und zu kommt ein Mob neugieriger Bauern mit Macheten vorbei, hin und wieder fürsorgliche Fischer und nicht selten besucht uns ein Boot mit Herren der Immigrationsbehörde.

Nahe dem historischen Bagan mündet der Chindwin in den Irrawaddy, die Lebensader des Landes. Eine gute Gelegenheit, um per E-Bike die rund 2000 Pagoden zu erkunden und unseren kaputten Motor für einige Tage einem Mechaniker zu überlassen. Bagan könnte mit «Zerbrecher der Feinde» übersetzt werden. Von hier aus wurde vereint, unterjocht und besteuert. Obwohl der Theravada-Buddhismus bereits im ersten Jahrhundert ganz Myanmar überflutete, blühte er im ehemaligen Königreich Bagan erst so richtig auf. Ein Mon-Mönch konvertierte den damaligen König Anawrahta zum Buddhismus, der kurz darauf all die Schlangenkult-Priester aus der Gegend verscheuchte. Über die Jahre wurden innerhalb weniger Quadratkilometer an die 6000 Pagoden, Stupas und Gedenkstätten errichtet. Viele davon funktionierte man zu Schutzmauern um, als die Mongolen durch das Land metzelten.

Der Salzgehalt steigt, diebische Möwen lauern auf Beute,

die Gezeiten werden rauer – nach 30 Tagen auf Myanmars Wasserwegen erreichen wir planmässig das Meer und feiern ausgiebig. Für ein Abenteuer auf Burmas Flüssen muss man keinesfalls als Hobby-Skipper mit eigener Barke unterwegs sein. Als Rucksacktourist auf dem Deck eines rustikalen Personentransporters oder als Luxusgeschöpf im Schutz eines Prunkboots lässt sich das Land ganz legal und ohne Risiko erkunden.

Weltenbummler

Claudio Sieber spurtete 15 Jahre lang für die grafische Branche. Heute setzt der 33-Jährige seine Energie für sich selbst ein. Als Fotograf und Reiseblogger. Seit Januar 2014 ist der Langzeit-Nomade bereits unterwegs, um die Schönheit dieser Erde zu erkunden. Dabei lernt der Ostschweizer die vielseitigsten Menschen kennen und steigert täglich sein Bewusstsein für die Welt.

Auf seinem Blog Travelbuddy.ch und auf 20 Minuten teilt er seine Erlebnisse.

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