Aktualisiert 28.04.2015 19:34

Spargelstecher«Mit dem Geld will ich ein Haus in Polen bauen»

Ihr Job ist hart, aber verhältnismässig gut bezahlt. 20 Minuten war mit polnischen Spargelstechern draussen auf dem Feld.

von
Michael Fischer

Während im Frühling in so manchen Mündern Spargeln für Gaumenfreuden sorgen, winkt für Gastarbeiter aus Polen ein lukrativer Nebenverdienst. (Video: Michael Fischer/Vincent Freigang)

Jeweils im April spriessen die ersten Spargelköpfe aus dem Boden. Die Ernte erfordert viel Handarbeit: Die Felder müssen regelmässig nach Spargeln abgesucht werden, da diese in dieser Zeit bis zu zehn Zentimeter pro Tag wachsen. Für diese aufwändige Arbeit findet Spargelproduzent Jakob Schwab im Seeland nicht genug Mitarbeiter aus der Region. Stattdessen rekrutiert er jeweils zwei Dutzend Saisonniers aus Polen.

Mit den ausländischen Arbeitskräften habe die Seeländerspargeln GmbH in Kerzers FR, zu der Schwabs Hof gehört, gute Erfahrungen gemacht. Meist seien diese aufgrund des kurzen Einsatzes und des verhältnismässig vielversprechenden Lohns überaus motiviert. Nach der Spargelernte im Juni kehren die Polen jeweils in ihr Heimatland zurück.

10 Stunden pro Tag, 7 Tage die Woche

So beispielsweise Katarzyna Bojda. Seit acht Jahren reist sie jeden Frühling zusammen mit ihrem Mann nach Kerzers, um hier für einige Monate in der Landwirtschaft zu arbeiten. Die Tage sind lang: Bis zu zehn Stunden pro Tag verbringen die Hilfskräfte auf dem Feld oder in der Sortieranlage – bis zu sieben Tage die Woche.

Den Vorwurf, er nutze seine Mitarbeiter aus, lässt Schwab nicht gelten: «Sie kommen freiwillig und meist sind sie es, die zusätzliche Stunden und Tage leisten wollen.» Zum Monatslohn von 3200 Franken würden zusätzlich Überstunden ausbezahlt, womit die Gastarbeiter auf ein stolzes Gehalt im Vergleich zum in ihrem Heimatland üblichen Lohn kämen.

Suche nach regionalen Arbeitskräften aussichtslos

In der Vergangenheit habe man versucht, über das regionale Arbeitsvermittlungsamt lokale Mitarbeiter zu gewinnen, doch die Bestrebungen waren aussichtslos: «Niemand will diese Arbeit machen – den meisten Schweizern ist diese Arbeit zu streng und sie sind zu wenig motiviert.»

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