Aktualisiert 09.03.2020 15:25

Gesichtserkennung

«Mit dem Gesicht findet die App alles über dich»

Recherche-Tool für Behörden und ein Spielzeug für Milliardäre: Die App Clearview sorgt für Schlagzeilen. Das musst du darüber wissen.

von
tob
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Der Schauspieler und Investor Ashton Kutcher hat während einer Youtube-Show damit geprahlt, dass er eine Beta-App teste, die «von allen herausfindet, wie sie heissen, wer sie sind und bei welchen sozialen Netzwerken sie sind.»

Der Schauspieler und Investor Ashton Kutcher hat während einer Youtube-Show damit geprahlt, dass er eine Beta-App teste, die «von allen herausfindet, wie sie heissen, wer sie sind und bei welchen sozialen Netzwerken sie sind.»

Youtube / Hot Ones
Es dürfte sich dabei um Technologie von der Firma Clearview AI handeln, wie die «New York Times» berichtet. (Symbolbild)

Es dürfte sich dabei um Technologie von der Firma Clearview AI handeln, wie die «New York Times» berichtet. (Symbolbild)

Bobby yip
Ashton Kutcher hat den Bericht nicht kommentiert. Auch andere Investoren sollen Zugriff auf die App erhalten haben.

Ashton Kutcher hat den Bericht nicht kommentiert. Auch andere Investoren sollen Zugriff auf die App erhalten haben.

Mario Anzuoni

«Es ist erschreckend», sagte der Schauspieler Ashton Kutcher im letzten September in einem Video auf Youtube. «Ich habe eine Art Beta-App auf dem Handy, damit kann ich von allen herausfinden, wie sie heissen, wer sie sind und bei welchen sozialen Netzwerken sie sind», sagt er. Es dürfte sich um die Gesichtserkennungs-App Clearview handeln, wie die «New York Times» schreibt. Kutcher könnte als möglicher Investor Zugriff auf das Tool erhalten haben. Gewiss ist dies nicht: Der Schauspieler hat den Artikel bisher nicht kommentiert.

Auch weitere Investoren sollen Zugriff auf die App erhalten haben. So soll der Milliardär John Catsimatidis Clearview genutzt haben, um in einem Lebensmittelgeschäft, das ihm gehört, die Kunden zu überwachen. Auch soll er mit der App in einem Restaurant einen Mann identifizieren haben – es war das Date seiner Tochter. «Ich wollte sicher sein, dass er kein Scharlatan ist», sagt Catsimatidis zur «NYT».

Tests mit Behörden

In weiteren Fälle wurde die App offenbar genutzt, um auf Partys anzugeben. Die Entwickler des Tools hatten allerdings stets versichert, dass nur Strafverfolgungsbehörden es nutzen dürften. «Die Fälle zeigen erneut, dass Überwachungstechnik missbraucht werden kann», schreibt die «Süddeutsche Zeitung» dazu.

Hinter der App steckt die Firma Clearview AI. Das Start-up wurde 2017 in New York vom Australier Hoan Ton-That gegründet. Die Firma ist umstritten. Anfang 2020 wurde publik, dass Clearview rund drei Milliarden Fotos gespeichert hat. Als Quellen für die Bilddatenbank dienten unter anderem öffentlich zugängliche Fotos bei Facebook und Youtube. Daraus wurde die Identifizierung von Personen mithilfe des Gesichts entwickelt. Rund 600 Behörden sollen den Dienst getestet haben. Aktuell soll Clearview bis zu 3000 Kunden weltweit zählen.

Wie mächtig ist Clearview?

Ist Clearview ein allumfassendes Überwachungstool? «Was Clearview bietet, ist eigentlich nicht spektakulär», erklärt Martin Steiger, Anwalt für Recht im digitalen Raum. Schaue man sich das Angebot nüchtern an, so handle es sich einfach um eine Rückwärtssuche von Bildern, die im Internet öffentlich zugänglich seien, sagt Steiger. Grundsätzlich wäre ein solches Tool auch bei uns legal: Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) schützt nicht vor Gesichts- und Personen-Suchmaschinen.

Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) hat mittlerweile ein Auskunfts- und Löschbegehren in den USA eingereicht. «Der EDÖB geht davon aus, dass die Anbieter von Clearview bei der Beschaffung von Gesichtsdaten die Persönlichkeit der betroffenen Personen in der Schweiz wie auch die Nutzungsbedingungen von sozialen Plattformen verletzen», heisst es vom Bund. Der EDÖB rät Nutzern von sozialen Netzwerken, in den Einstellungen unter anderem den Zugang von Fotomaterial für Suchmaschinen zu unterbinden.

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