28.05.2016 13:36

Nörglern getrotztMit dem Porsche 996 zu Spiel, Satz und Sieg

Als 1997 der Porsche 911 – intern als 996 bezeichnet – präsentiert wurde, war das für Fans ein Schock. Doch der Neue überzeugte – auch Promis wie Martina Hingis.

von
B.v.Rotz
28.5.2016
Selbst Kenner müssen zweimal hinschauen, um einen Porsche 996 von einem Boxster zu unterscheiden.

Selbst Kenner müssen zweimal hinschauen, um einen Porsche 996 von einem Boxster zu unterscheiden.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
Die traditionsbewussten Fans störten sich an den vorderen Scheinwerfern («Spiegeleier») und den verlorenen Kotflügelwölbungen.

Die traditionsbewussten Fans störten sich an den vorderen Scheinwerfern («Spiegeleier») und den verlorenen Kotflügelwölbungen.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
Die Silhouette entspricht früheren 911-Modellen, die Details aber sind neu. Der Wagen ist ausserdem deutlich länger als der Vorgänger.

Die Silhouette entspricht früheren 911-Modellen, die Details aber sind neu. Der Wagen ist ausserdem deutlich länger als der Vorgänger.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com

Die Entwickler von Porsche hatten kaum eine andere Chance: Die Zeiten der Luftkühlung waren vorbei, Lärmgrenzwerte liessen sich nur noch mit einem Wassermantel einhalten und auch wegen der geforderten Abgasgrenzwerte musste eine Neuentwicklung her. So entstand für den Nachfolger des luftgekühlten 911 ein komplett neuer Motor, wobei man bei der Sechszylinder-Boxeranordnung blieb.

Mit Vierventilköpfen, vier über Ketten angesteuerten obenliegenden Nockenwellen, Schaltsaugrohr und integrierter Trockensumpfschmierung schaffte man die Voraussetzungen für hohe Leistungsausbeute. 3,4 Liter Hubraum, 300 PS bei 6800 Umdrehungen und ein maximales Drehmoment von 350 Nm bei 4600 Umdrehungen waren das Ergebnis.

Grösser und leichter

Die grösste Änderung neben der Technik – auch das 6-Gang-Getriebe und die Vorderradaufhängung (vom Boxster übernommen) waren neu – betrafen aber Optik und Abmessungen: Um 18,5 Zentimeter war der 996 in der Länge gewachsen, in der Breite legte er um drei Zentimeter zu. Nur in der Höhe war er um wenige Millimeter geschrumpft. Trotz der grösseren Dimensionen und des damit gewachsenen Innenraums gelang den Porsche-Entwicklern das Kunststück, das Leergewicht um einige Kilogramm zu senken. Chapeau!

Beim Design musste Harm Lagaay allerdings Kompromisse eingehen. Teile des Bugs, Scheinwerfer, aber auch die Türen mussten genauso vom Boxster übernommen werden wie Teile der Innenausstattung. Das schränkte natürlich die gestalterische Freiheit ein. Und mancher Porsche-Kunde war über die Ähnlichkeit von vorne gar nicht glücklich, zumal der 996 mit sechsstelligen Franken-Preisen kein Sonderangebot war.

Prominente Besitzerin

So wehte dem neuen 911er durchaus Gegenwind entgegen, an dem auch der von 0.34 auf 0.30 reduzierte Luftwiderstand nichts ändern konnte, zumal die Querschnittsfläche ja angewachsen war. Hilfreicher waren da schon die positiven Kommentare der Auto-Tester, die dem Neuen viele Vorzüge gegenüber seinen Vorgängern bezeugten. Zumal die Fahrdynamik keine Wünsche offenliess.

Kaum war der Wagen präsentiert worden, stand er als rotes Coupé-Modell mit Vollausstattung auch am 12. Oktober 1997 bereits als Siegerpreis am WTA Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart/Filderstadt. Und dort gewann die Schweizer Weltklasse-Spielerin Martina Hingis den Final gegen Lisa Raymond mit 6:4 und 6:2. Allerdings war sie erst 17 Jahre alt und hatte noch gar keinen Führerschein. Daher wurde der Wagen im Februar 1998 dann in der Schweiz auf Hingis' Mutter Melanie Molitor zugelassen. Er ist bis heute in der Schweiz.

Ein modernes Auto

Wer sich in einen Porsche 996 setzt, würde kaum vermuten, dass dieser Sportwagen 2017 bereits seinen 20. Geburtstag feiert. Das Interieur wirkt modern, die Sitze sind bequem. Die Bedienung wirft keine Fragen auf. Und dass das Zündschloss links von der Lenksäule liegt, erstaunt wohl einzig Nicht-Porsche-Fahrer.

Einem Sportwagenmotor hätte man fast etwas mehr musikalischen Ausdruck zugetraut, aber der kommt erst ab 5000 bis 7300 U/min, dafür aber umso gewaltiger. Liebe auf den zweiten Blick?

Weitere Informationen, viele Bilder und Informationen finden sich auf Zwischengas.com.

www.zwischengas.com ist die umfangreichste Online-Plattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.