Richtigen Velosattel finden: So schmerzt dein Füdli nicht mehr
Schmerzen im Gesässbereich werden beim Velofahren häufig durch einen ungeeigneten Velosattel ausgelöst.

Schmerzen im Gesässbereich werden beim Velofahren häufig durch einen ungeeigneten Velosattel ausgelöst.

Ergonbike
Publiziert

Der perfekte SitzMit dem richtigen Velosattel schmerzt dein Füdli nicht mehr

Damit die Velofahrt nicht zur Tortur wird, ist ein ergonomisch angepasster Velosattel wichtig. Dabei haben Frauen und Männer unterschiedliche Ansprüche.

von
Isabelle Riederer / A&W Verlag

Viele Velofahrer und Velofahrerinnen kennen das Problem: Nach einer langen Velotour schmerzt irgendwann der Po. Das ist nicht nur unangenehm, sondern auch ungesund. Beim Velofahren werden nämlich nicht nur die Beine beansprucht, sondern vor allem das Gesäss, die Genitalien und der Dammbereich. Der Grund: Bei Velofahrenden ruht beinahe das gesamte Körpergewicht auf einer nur wenige Quadratzentimeter grossen Fläche – dem Sattel. Umso wichtiger ist deshalb die richtige Wahl des Sattels und da gibt es erhebliche Unterschiede – auch zwischen Frauen und Männern.

Frauen sitzen aufrechter als Männer

Der Ergonomiespezialist Ergon aus Koblenz in Deutschland hat über mehrere Jahre hinweg Velofahrer und Velofahrerinnen befragt und in einer Analyse festgestellt, dass Frauen auf dem Velo vornehmlich gerade sitzen und der Druck somit weiter vorne liegt, was den Genitalbereich stärker beansprucht. Bei Männern hingegen liegt der Druck eher auf dem Dammbereich, was oftmals ein Auslöser für unangenehme Taubheitsgefühle sein kann.

Für Frauen sind Sättel mit einem weit vorne liegenden Entlastungskanal und breiten Seitenflanken geeignet.

Tim Weingarten, Brand Manager Ergon

«Hinzu kommt, dass Frauen das Becken beim Fahren anatomisch bedingt in der Regel mehr nach vorne kippen als Männer», so Ergon-Brand-Manager Tim Weingarten. Für Frauen sind deshalb Sättel mit einem weit vorne liegenden Entlastungskanal und breiten Seitenflanken besser geeignet. Bei Männer-Modellen wird hingegen der Dammbereich durch einen längeren Entlastungskanal im hinteren Sattelbereich geschont.

Unterwegs kaum zu sehen und, wenn er passt, auch kaum zu spüren – aber wenn er nicht passt, verdirbt er die ganze Tour: der Fahrradsattel.

Unterwegs kaum zu sehen und, wenn er passt, auch kaum zu spüren – aber wenn er nicht passt, verdirbt er die ganze Tour: der Fahrradsattel.

Ergonbike
Es gibt Sättel, die auf die weibliche oder männliche Anatomie abgestimmt sind. Doch nicht nur Geschlechter machen den Unterschied, auch Fahrweise und Einsatzgebiet.

Es gibt Sättel, die auf die weibliche oder männliche Anatomie abgestimmt sind. Doch nicht nur Geschlechter machen den Unterschied, auch Fahrweise und Einsatzgebiet.

Ergonbike
So in etwa ruht das Becken auf dem Fahrradsattel. Kontaktpunkte, Sattelhärte, Federung und Bezugsmaterial sind Faktoren, an denen Hersteller beständig forschen und arbeiten.

So in etwa ruht das Becken auf dem Fahrradsattel. Kontaktpunkte, Sattelhärte, Federung und Bezugsmaterial sind Faktoren, an denen Hersteller beständig forschen und arbeiten.

Ergonbike

Unbedingt ausgiebig testen

Auch Dr. Kim Tofaute, Sportwissenschaftler und Bike-Fitting-Experte ist der Meinung: «Im Sportbereich macht die Spezifität für Männer und Frauen Sinn. Je aufrechter die Sitzposition ist, desto mehr funktionieren auch universelle Designs.» Wer jetzt für den Sommer über einen Sattelwechsel nachdenkt, der sollte aber nicht zu optimistisch sein, gleich beim ersten Mal den passenden Sattel zu finden. Denn beim Sattelkauf heisst das Credo «Trial-and-Error», wobei der «Error» überwiegt. Kurzum: Fahrradsättel ausgiebig testen und Probe sitzen.

Dennoch gibt es ein paar Tipps, um die Qual der Sattelwahl ein wenig zu vereinfachen:

Trekking- und Tourenvelos: Freunde von Trekking- und Tourenvelos sollten eher breitere Sättel ausprobieren. Auf einem Tourenvelo sitzt man meistens etwas aufrechter, dadurch sitzt man etwas weiter aussen auf den Sitzknochen und das Gewicht lastet mehr auf dem Gesäss. Zudem sollten die Sättel gut gepolstert sein.

Wer den Druck im Dammbereich reduzieren will, braucht einen Stufensattel oder einen Sattel mit Entlastungskanal in der Mitte. Durch die besondere Bauweise ist der vordere Sattelbereich deutlich tiefer. Der Druck im Dammbereich wird je nach Modell um bis zu 75% reduziert.

Citybike: Noch aufrechter als auf dem Tourenrad sitzt man in der Regel auf einem Citybike, deshalb sollten die verwendeten Sättel noch etwas breiter und noch besser gepolstert sein, eventuell mit einer Geleinlage.

Ledersättel: Äusserst beliebt sind klassische Ledersättel. Sie sind robust und sehen schick aus. Doch bei Ledersätteln muss man wissen, dass es mehrere hundert Kilometer braucht, bis der Sattel sich an die Körperform angepasst hat. Hat man das aber geschafft, dann belohnt der Ledersattel den Velofahrenden mit viel Komfort und Bequemlichkeit. Wichtig: Ledersättel sollten regelmässig mit Fett oder Wachs gepflegt werden.

Die verschiedenen Sattelarten

Sorgt für eine gleichmässige Druckverteilung, bietet jedoch keine Entlastung im Dammbereich.
Klassischer Sattel

Sorgt für eine gleichmässige Druckverteilung, bietet jedoch keine Entlastung im Dammbereich.

Jumbo
Der Lochsattel hat eine Aussparung in der Mitte und entlastet so den Dammbereich, jedoch nicht die Sitzknochen. 
Lochsattel

Der Lochsattel hat eine Aussparung in der Mitte und entlastet so den Dammbereich, jedoch nicht die Sitzknochen.

Jumbo
Schmiegt sich ideal an die belasteten Stellen an und eignet sich daher vor allem für längere Strecken.
Gelsattel

Schmiegt sich ideal an die belasteten Stellen an und eignet sich daher vor allem für längere Strecken.

Jumbo

Was für einen Sattel hat dein Velo? Hast du den perfekten Sattel schon gefunden? Verrate es uns in den Kommentaren.

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