Waffennarren vs. Präsident: Mit dem Sturmgewehr zum Obama-Auftritt
Aktualisiert

Waffennarren vs. PräsidentMit dem Sturmgewehr zum Obama-Auftritt

Die Waffenlobby in den USA macht zunehmend Front gegen Präsident Barack Obama: Befürworter liberaler Waffengesetze führten demonstrativ Schusswaffen bei einer Protestkundgebung am Rande eines Auftritts des Präsidenten mit sich.

von
Amanda Lee Myers/AP

Ein Demonstrant vor dem Kongresszentrum in Phoenix im US-Staat Arizona trug am Montag sogar ein Sturmgewehr über seiner Schulter. In dem Gebäude hielt Obama eine Rede vor Veteranen.

Die Demonstranten erklärten, sie machten lediglich von ihrem verfassungsmässigen Recht gebrauch, Waffen zu tragen. Arizona hat in dieser Hinsicht eine sehr liberale Gesetzgebung. Jeder Bürger, der die Voraussetzungen für den Besitz einer Schusswaffe erfüllt, kann diese in der Öffentlichkeit mit sich führen, solange er sie offen trägt. Nur wer versteckte Waffen mit sich führt, benötigt dazu eine besondere Erlaubnis.

Liberale Waffengesetze

Die Polizei in Phoenix hatte deshalb auch keine Handhabe gegen die Demonstranten. Es seien keine Straftaten begangen worden, und niemand sei festgenommen worden, erklärte ein Polizeisprecher. Der Mann mit dem Sturmgewehr über der Schulter sagte der Zeitung «The Arizona Republic», er führe die Waffe mit, weil er dies dürfe. «In Arizona habe ich immer noch einige Freiheiten», sagte er mit Blick auf die Waffengesetze des Staates.

«Es ist Zeit, den Baum der Freiheit zu bewässern»

In der vergangenen Woche hatte ein Demonstrant am Rande einer Bürgeranhörung mit Obama zur Gesundheitsreform im Staat New Hampshire eine Pistole umgeschnallt. Er trug ausserdem ein Schild mit der Aufschrift «Es ist Zeit, den Baum der Freiheit zu bewässern». «Das ist eine politische Aussage», sagte der Mann dem «Boston Globe». «Wenn du deine Rechte nicht in Anspruch nimmst, verlierst du sie», erklärte er. Der Mann wurde nicht festgenommen. Ein Polizist forderte ihn lediglich auf, das Schulgelände zu verlassen, wo die Veranstaltung mit Obama stattfand.

«Geradezu verrückt»

Fred Solop, ein Politologe an der Northern Arizona University, sieht die Ereignisse in New Hampshire und Arizona mit Sorge. Er habe bisher noch nie gehört, dass jemand in der Nähe eines Auftritts des Präsidenten mit einem Sturmgewehr aufgetaucht sei. «Je grösser die Waffe ist, desto bedrohlicher wird die Lage», sagte Solop.

Vier tödliche Attentate auf US-Präsidenten

Auch der Präsident der Brady-Kampagne zur Verhinderung von Gewalt mit Schusswaffen, Paul Helmke, zeigt sich entsetzt. Es sei geradezu verrückt, dass die Leute zu Auftritten von Obama Waffen mitbringen können. Mit Blick auf vier tödliche Attentate auf Präsidenten in der Geschichte der USA befürchten einige, dass dadurch das Schicksal geradezu herausgefordert wird.

Weniger besorgt zeigt sich dagegen der für den Schutz des Präsidenten zuständige Secret Service. Demonstrationen wie in New Hampshire oder Arizona hätten wenig Einfluss auf die Sicherheitsplanung, bei Auftritten Obamas, sagte Secret-Service- Sprecher Ed Donovan. Bei solchen Veranstaltungen gebe es immer eine ausgewiesene Zone für Zuschauer. «Wichtig ist nur, dass keine Leute mit Waffen in das Gebäude gelangen, wo sich der Präsident aufhält.»

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