Berner radelt: Mit dem Velo von Moskau direkt ans Gurtenfestival
Aktualisiert

Berner radeltMit dem Velo von Moskau direkt ans Gurtenfestival

David Bürgi fährt mit dem Velo von Moskau nach Bern. Sein Ziel ist das Gurtenfestival – nur leider hat er gar kein Ticket. Doch vom Güsche gibts frohe Kunde.

von
Mira Weingartner
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Moskau-Bern: Seit dem 18. Mai 2016 ist der Berner David Bürgi (28) von Russland via Ukraine, Tschechien, Polen, Deutschland, Österreich mit dem seinem Velo in die Schweiz unterwegs.

Moskau-Bern: Seit dem 18. Mai 2016 ist der Berner David Bürgi (28) von Russland via Ukraine, Tschechien, Polen, Deutschland, Österreich mit dem seinem Velo in die Schweiz unterwegs.

Der Berner hat ein Ziel: Pünktlich zum Gurtenfestival 2016 in Bern einzutreffen

Der Berner hat ein Ziel: Pünktlich zum Gurtenfestival 2016 in Bern einzutreffen

David Bürgi
Auf seiner Tour begleitet der 28-Jährigen einen treuen Gefährten: Sein Touren-Velo, beladen mit vollgepackten Sagoschen.

Auf seiner Tour begleitet der 28-Jährigen einen treuen Gefährten: Sein Touren-Velo, beladen mit vollgepackten Sagoschen.

David Bürgi

3500 Kilometer pedalt der 28-jährige David Bürgi von Moskau nach Bern. Auf schmalen Strassen ohne Pannenstreifen durchquerte er mit seinem Touren-Velo Russland, auf holperigen Strässchen fuhr er durch die Ukraine, wartete über sieben Stunden an der streng bewachten polnischen Grenze und strampelt nun von Österreich via Deutschland in die Schweiz. Ziel: Das Gurtenfestival. Zur dieser Reise hat er sich spontan entschieden, als er mit einem Freund in Moskau weilte.

So wird David Bürgi am Donnerstagmittag in seiner Heimat einfahren – pünktlich zum Auftakt des viertägigen Events. Doch der Berner hat ein Problem: «Ich habe gar keine Eintrittskarten.» Er habe nicht damit gerechnet, bereits am 14. Juli in Bern einzutreffen. «Als ich merkte, dass ich es noch zum ersten Festivaltag schaffen könnte, habe ich doppelt in die Pedale getreten», sagt der eingefleischte Gurtengänger. Er möchte zusammen mit seinen Freunden, die er in den letzten Monaten oft vermisste, auf dem Güsche feiern. «Eine Willkommens-Party auf dem Berner Hausberg wäre ein riesiges Geschenk für mich.»

Gurten offeriert Festival-Pass und stellt Bedingung

Gurten-Leiter Carlo Bommes sagt dazu: «Wenn jemand so eine Tour auf sich nimmt, um pünktlich bei uns einzutreffen, wird er selbstverständlich eingeladen.» So würde er Bürgi am Donnerstag gleich selber in Empfang nehmen und ihm dabei das Ticket übergeben. Einzige Bedingung: «David Bürgi sollte mit seinem Velo bis auf den Hausberg fahren», sagt Bommes schmunzelnd.

Bewaffnete Soldaten und grosse Gastfreundschaft

Nach all den Abenteuern der letzten Woche wird Bürgi auch diese letzte Hürde meistern. Seit dem 18. Mai 2016 erlebt der Marketing-Fachmann, ausgerüstet mit Zelt und Regenponcho, täglich die spannendsten Geschichten auf seiner Tour. «Die Grenze zwischen Russland und der Ukraine sah aus wie in einem Kriegsfilm: Panzersperren, Stacheldrahtzäune und bewaffnete Soldaten», erzählt Bürgi. Da sei es ihm schon etwas mulmig zumute gewesen.

Gleichzeitig erlebte er auch die Gastfreundschaft der Ukrainer, verirrte sich auf Strassen, die ins Nirgendwo führten und kämpfte gegen die unterschiedlichsten Witterungen an. Auf seinem Gepäckträger flatterte dabei stets das Berner Wappen. So scheute der stolze Berner auch keine Mühe, die Young Boys in ihrem Trainingslager im österreichischen Windischgarsten zu besuchen; hierfür nahm er extra eine längere und alpinere Route in Kauf.

Neue Energie dank Ticket

Die müden Waden und das schmerzende Gesäss sind nun aber schnell vergessen: Die Nachricht über das geschenkte Gurtenticket wirkt bei Bürgi wie eine Energiespritze für den Körper: «Für die letzten Kilometer habe ich eine neue Motivation.» Der 28-Jährige strampelt nun voller Vorfreude seinem nächsten Abenteuer – dem Gurtenfestival 2016 – entgegen.

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