Aktualisiert 09.08.2015 13:06

Neues Marketing

Mit dem Velokörbli einen Batzen verdienen

Eine junge Zürcher Firma verkauft Werbung auf Velokörbchen. Wer sich einen solchen Korb aufs Velo montieren lässt, wird dafür bezahlt.

von
Fabian Lindegger
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Geld verdienen beim Velofahren. Mit diesem Angebot wirbt die Firma Velowerbung.com zurzeit in der Stadt Zürich.

Geld verdienen beim Velofahren. Mit diesem Angebot wirbt die Firma Velowerbung.com zurzeit in der Stadt Zürich.

Velowerbung.com/City Cycles Zürich
Wer sich für den Dienst anmeldet und sich bereit erklärt, mit dem Werbe-Korb auf dem Velo durch die Stadt zu fahren, wird dafür mit 20 Franken pro Woche entlöhnt.

Wer sich für den Dienst anmeldet und sich bereit erklärt, mit dem Werbe-Korb auf dem Velo durch die Stadt zu fahren, wird dafür mit 20 Franken pro Woche entlöhnt.

Velowerbung.com/City Cycles Zürich

Mit dem Velo durch die Stadt fahren und dabei Geld verdienen. Mit diesem Versprechen wirbt die junge Zürcher Firma Velowerbung.com momentan in der Stadt Zürich. Das Geschäftsmodell ist denkbar einfach: Nach der Anmeldung auf der Website als Velowerber erhält man einen Velokorb mit Werbung und fährt mit seinem Velo – auf den gleichen Strecken wie immer – durch die Stadt. Ist die Kampagne vorbei, bringen die Teilnehmer den Velokorb wieder zurück.

Die Idee für die Werbe-Körbe ist Gründer Samuel von Rohr am Zürcher Hauptbahnhof gekommen: «Als Pendler sind mir die vielen Velos mit Körben am HB aufgefallen. Da ich im Marketingbereich tätig bin, fand ich das schon fast eine Verschwendung von Werbefläche und habe mir überlegt, wie diese Körbe genutzt werden könnten.»

20 Franken pro Woche

Die Velowerber müssen dabei mehrmals pro Woche mit ihrem Velo unterwegs sein. «Dies lässt sich zwar nur schwer kontrollieren, aber wir vertrauen den Leuten, die sich bei uns melden», so von Rohr. Wird während der vorgeschlagenen Zeit das Velo nicht benutzt oder möchte man die Kampagne einer Firma nicht unterstützen, kann auf die Teilnahme an der entsprechenden Werbeaktion verzichtet werden.

Für den Werbekorb auf dem Velo erhalten die Werbefahrer 20 Franken pro Woche. Neben Barauszahlung oder Überweisung kann man sich den erstrampelten Verdienst aber auch als Gutschein für einen Veloservice vergüten lassen oder den Betrag einer Hilfsorganisation spenden. «Wer sowieso mit dem Velo unterwegs ist, kann sich nebenbei etwas dazuverdienen oder das Geld für einen guten Zweck spenden», sagt von Rohr.

Stadt Zürich als Pilotversuch

Wer seine Werbung auf einem Velokorb sehen möchte, bezahlt pro Woche 56 Franken – mit der Differenz von 36 Franken finanziert die junge Zürcher Firma ihren Betrieb. Der finanzielle Aspekt sei allerdings nicht der Hauptantrieb: «Am Schluss bleibt ein kleiner Betrag übrig, eine goldene Nase verdient man sich dabei nicht», so von Rohr, der die Firma momentan noch in Eigenregie betreibt.

Zurzeit sei er mit vier Unternehmen über die ersten Kampagnen im Gespräch. Vorerst ist Velowerbung.com nur in der Stadt Zürich aktiv. «Die Stadt Zürich ist ein Pilotversuch. Falls wir bis September 1000 Anmeldungen erreichen, wird der Test als Erfolg gewertet und das Modell auf weitere Städte wie Winterthur, Basel, Bern, St. Gallen oder Genf ausgeweitet», wie von Rohr erklärt. Momentan sieht es danach aus, dass das Ziel von 1000 Anmeldungen bald erreicht werden könnte. Laut von Rohr haben sich innerhalb kurzer Zeit schon knapp 300 Personen bereit erklärt, einen Korb mit Werbung auf ihr Velo zu montieren, und pro Tag würden momentan über 50 Personen dazukommen.

«Potenzial bei lokalen Werbekunden»

Dass genügend Personen gefunden werden können, die mit einem Werbekorb durch die Stadt fahren wollen, kann sich Thomas Helbling, Dozent für Marketing an der Fachhochschule Nordwestschweiz, gut vorstellen. Ein Fragezeichen setzt er allerdings hinter die Nachfrage bei den Werbekunden: «56 Franken pro Woche erscheint mir eher hoch. Der Kontakt mit der Werbung ist relativ kurz, man schaut nicht allzu lange auf einen Velokorb.»

Trotzdem findet Helbling die Idee spannend: «Ich sehe vor allem für lokale Werbekunden oder solche, die spezifisch Velofahrer ansprechen möchten, ein Potential.» Zudem könnten durch diese Form von Werbung spezielle Zielgruppen angesprochen werden, die durch traditionelle Werbung nicht erreicht werden.

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