Ab Ende 2022 – Schneller nach Mailand – SBB will Halt in Chiasso streichen
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Ab Ende 2022Schneller nach Mailand – SBB will Halt in Chiasso streichen

Der Eurocity von Zürich nach Mailand soll in Zukunft nicht mehr an der Grenze zu Italien halten. Das hat auch Auswirkungen auf die illegale Migration.

von
Florian Osterwalder
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Bisher hielt der Euro-City von Zürich nach Milano sieben Minuten in Chiasso.

Bisher hielt der Euro-City von Zürich nach Milano sieben Minuten in Chiasso.

Tio/ 20 minuti
Während des siebenminütigen Halts konnten die Grenzwächter jeweils stichprobenartige Personenkontrollen durchführen. Dies würde in Zukunft wegfallen. 

Während des siebenminütigen Halts konnten die Grenzwächter jeweils stichprobenartige Personenkontrollen durchführen. Dies würde in Zukunft wegfallen.

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Die Grenzwache würde dann die Personen im Zug kontrollieren. Vorgesehen ist die Kontrolle zwischen Lugano und Como.

Die Grenzwache würde dann die Personen im Zug kontrollieren. Vorgesehen ist die Kontrolle zwischen Lugano und Como.

Police cantonale valaisanne

Darum gehts

Der Bahnverkehr auf der Nord-Süd-Achse erfreut sich einer Zunahme von Passagieren. Dies unter anderem auch, weil die Eröffnung der Neat 2016 die Fahrzeit deutlich verkürzte. Geht es nach der SBB, soll die durchschnittliche Reisezeit noch einmal verkürzt werden, wie die «NZZ» schreibt. Das Bahnunternehmen möchte zwischen 12 und 17 Minuten einsparen. Somit könnte man innerhalb von drei Stunden von Zürich in der italienischen Modemetropole Mailand sein. Angepeilt wird diese Verkürzung auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2022.

Früher mussten die internationalen Züge an Grenzbahnhöfen anhalten, um das Stromsystem zu wechseln. Dies ist mit der heutigen Technik und den moderneren Betriebssystemen nicht mehr nötig, der Wechselvorgang erfolgt heutzutage während der Fahrt. Im Tessin soll dieser automatische Übergang ab Dezember 2022 möglich sein. Somit fällt der siebenminütige Halt in Chiasso weg. «Somit kann zwischen Chiasso und Milano eine frühere Fahrlage genutzt werden», sagt SBB-Sprecher Patrick Walser gegenüber der «NZZ». Somit könne noch einmal mehr Zeit eingespart werden. Die Rede sei von bis zu 15 Minuten, so Walser weiter.

Auswirkung auf die Arbeit der Grenzwacht

Durch den Halt der Euro-City hatten die Grenzwächter bis jetzt immer sieben Minuten Zeit, um Personenkontrollen durchzuführen. Wer also illegal in die Schweiz einreisen will, kann zurzeit schnell zurückgeführt werden. Doch ab Dezember 2022 wäre das nicht mehr möglich. Dann müssten die Grenzwächter die Kontrollen im fahrenden Zug zwischen Lugano und Como erledigen. Laut der Sprecherin der eidgenössischen Zollverwaltung (EZV), Nadia Passalacqua, könne dies logistisch und organisatorisch eine Herausforderung werden.

Wird durch dieses Vorgehen also in Zukunft weniger kontrolliert in den Zügen die die Grenze nach Italien überqueren? «Wir werden weiterhin gründlich kontrollieren und das wird sich auch rasch herumsprechen», so Passalacqua. Viele Migrierende nützten die Schweiz sowieso nur als Durchreiseland, somit sei auch an der grünen Grenze nicht mit einem Ansturm zu rechnen, wie die EVZ-Sprecherin weiter sagt.

Migrierende stellen meistens kein Asylgesuch in der Schweiz

In den letzten Monaten wurden vor allem in der Ostschweiz vermehrt illegale Grenzübertritte registriert. Denn die St. Galler Behörden greifen seit dem Sommer an der Landesgrenze illegal einreisende Migrantinnen und Migranten auf, die meisten von ihnen stammen aus Afghanistan. Viele sind 2020 nach Griechenland gereist und reisen nun via Österreich und die Schweiz weiter nach Frankreich und Grossbritannien.

Rund 2500 Personen wurden seit dem 1. Juli an der Landesgrenze aufgegriffen, wie die St. Galler Behörden am Mittwoch an einer Medienkonferenz sagten. Es seien bis zu 60 an einem Tag. Viele dieser Migrantinnen und Migranten stellen aber gar kein Asylgesuch in der Schweiz. Obwohl die illegalen Grenzübertritte auch im Tessin zugenommen haben, stellen auch diese Migranten und Migrantinnen selten ein Asylgesuch in der Schweiz.

2016 sammelten sich in der italienischen Grenzstadt abgewiesene Migranten und Migrantinnen. Die Schweiz musste damals vonseiten Italiens harsche Kritik einstecken. Der Sprecher des Staatssekretariats für Migration (SEM), Reto Kormann, schätzt das Risiko eines solchen Szenarios als gering ein. Um dies zu vermeiden, müssten die Eurocity-Züge doch einen Nothalt einlegen können in Chiasso? Bei entsprechender Migrationslage sei dies durchaus eine Option, lässt SBB-Sprecher Walser verlauten. Eine solche Entscheidung würde dann die Zollverwaltung in Absprache mit der SBB fällen.

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