Solaranlagen-Förderung: «Mit den Chinesen werden wir nie mithalten können»
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Solaranlagen-Förderung«Mit den Chinesen werden wir nie mithalten können»

Der Bund will die finanzielle Unterstützung privater Solaranlagen kürzen. Grund dafür ist der technische Fortschritt. Aus der Branche hagelt es Kritik.

von
Florian Meier
Betreiber von Solaranlagen bekommen vom Bund finanzielle Unterstützung. Nun will der Bundesrat diese Beiträge aber kürzen.

Betreiber von Solaranlagen bekommen vom Bund finanzielle Unterstützung. Nun will der Bundesrat diese Beiträge aber kürzen.

Wer in der Schweiz eine Solaranlage auf dem Dach hat, bekommt vom Bund Geld für den damit produzierten Strom. So soll die Entwicklung alternativer Energien gefördert werden. Doch jetzt senkt der Bundesrat diese sogenannte Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) per Anfang 2015 - je nach Grösse der Anlage um bis zu 22 Prozent. Begründet wird diese Massnahme mit dem technischen Fortschritt und den damit verbundenen tieferen Preisen auf dem asiatischen Markt für Solaranlagen.

David Stickelberger, Geschäftsführer von Swissolar, versteht zwar dieses Argument. Er befürchtet aber negative Konsequenzen für hiesige Märkte. «Diese Massnahme zwingt uns, künftig nur noch Solaranlagen aus China zu importieren.» Dort werden die Hersteller staatlich unterstützt und können deshalb zu viel billigeren Preisen anbieten. «Firmen aus Europa werden aus diesem Grund nie mit den chinesischen Preisen mithalten können.»

Know-how in Europa gehe verloren

In der Schweiz selber würden zwar nur noch wenige Solaranlagen produziert, sagt Stickelberger. Aber in Deutschland gebe es noch einige grosse Hersteller. Diese seien oft beispielsweise über Forschungsprojekte mit der Schweiz vernetzt. «Indirekt wird die Schweiz also auch darunter leiden, wenn in Europa vermehrt Unternehmen, die Solaranlagen produzieren, verschwinden.» Zudem ginge wertvolles Know-how verloren.

SVP-Nationalrat Albert Rösti (BE) widerspricht: «Es kommen schon heute Solaranlagen aus Asien.» Er würde die KEV am liebsten ganz abschaffen. Sie verzerre den freien Markt und sei deshalb unnötig. «Ausserdem können wir auch bei höheren Vergütungen die Kunden nicht dazu zwingen, ihre Solaranlagen in Europa zu kaufen.»

Martina Munz, Nationalrätin der SP (SH), sieht das ähnlich. «Der Solarstrom und mit ihm die Solaranlagen sind in den letzten Jahren deutlich billiger geworden.» In solchen Fällen sei es normal, dass die Vergütungen den neuen Rahmenbedingungen angepasst würden.

Ausweichen auf Installateure aus Polen

Ein weiteres Problem für die Schweiz nennt Lukas Herzog, Geschäftsführer der Alteno AG aus Basel. Er befürchtet, dass vor allem Installationsfirmen unter der Massnahme leiden werden. Herzogs Unternehmen unterstützt seine Kunden bei der Finanzierung neuer Solaranlagen. «Heute werden neue Solaranlagen meist von Schweizer Firmen installiert. Die Nachfrage nach solchen Installationen wird in Zukunft sinken.» Dies werde dem Wirtschaftsstandort Schweiz schaden.

Das befürchtet auch Stickelberger von Swissolar. Er glaubt, dass mit der neuen Regelung bei der Installation von Solaranlagen vermehrt auf ausländische Firmen zurückgegriffen wird. Dies sei aus zwei Gründen problematisch. «Auf der einen Seite sind ausländische Installateure, beispielsweise aus Polen, häufig weniger gut ausgebildet. Auf der anderen Seite müssen sie oft unter sehr fragwürdigen Bedingungen arbeiten.»

Auch der Grünen-Nationalrat Bastien Girod findet, dass die Reduktion der KEV viel zu hoch ausfällt - jedoch aus einem anderen Grund. Er befürchtet, dass die Produktion von erneuerbaren Energien darunter leiden wird und glaubt sogar, dass die Nachfrage nach Solaranlagen künstlich reduziert wird. «Der Anreiz, Solaranlagen zu bauen, wird auf diese Weise gemindert. Das ist sicher ein Schritt in die falsche Richtung.»

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