«Mit den Scientology-Drohbriefen könnte ich mein Zimmer tapezieren»
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«Mit den Scientology-Drohbriefen könnte ich mein Zimmer tapezieren»

Suri soll mit dem eingefrorenen Sperma des Scientology-Gründers Ron Hubbard gezeugt worden sein. Dies ist nur eine der Mutmassungen, die in Andrew Mortons umstrittener Tom-Cruise-Biografie diskutiert werden. Trotzdem sieht der Autor einer möglichen Klage des Schauspielers gelassen entgegen.

«Ich habe keine Angst», sagte Andrew Morton am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Zwar sei Cruise «berüchtigt dafür, Menschen zu verklagen, um sie davon abzuhalten, zu sagen, was sie sagen wollen». In seinem Fall müssten dann aber eine ganze Reihe Leute vor Gericht erscheinen: so etwa auch Cruises Ex-Frau Nicole Kidman oder das Oberhaupt der Scientology Organisation, David Miscavige. Morton bezweifelt, dass die Beteiligten sich für so einen «Zirkus» entscheiden werden. In einem weiteren Interview mit dem Onlinedienst welt.de sagte er: «Es gab von Anfang an Drohbriefe, sowohl von Scientology als auch von Cruise' Anwalt. Ich könnte mein ganzes Arbeitszimmer damit tapezieren. Jeden anderen hätte das eingeschüchtert, aber die Anwälte meines US-Verlages hat es bis jetzt recht unberührt gelassen.»

Interessant seien vor allem die Pressereaktionen auf sein Buch in Amerika gewesen: «Hysterie, Unglaube und Streitigkeiten um die Genauigkeit der Recherche. Bei meinem Diana-Buch war man promonarchisch und ich das Feindbild. Bei Cruise ist man proamerikanisch - und gegen mich. Das gleiche Muster. Kein US-Sender hat mich eingeladen. Ein Produzent soll sogar sofort ein Dementi rausgeschickt haben, als es hiess, ich käme in seine Show. Es herrschte richtige Angst.»

Doch der Wirbel um sein Buch hilft der Promo, denn «vor 25 Jahren wäre das Buch nicht so gelaufen. Die Verbreitung und Information des Internets hat grossen Anteil an der Aufregung.»

Scientology-Sperma für Katie?

Ob ein Grund dafür diese eine Stelle im Buch über Cruise-Tochter Suri, die mit dem eingefrorenen Sperma des Scientology-Gründers Ron Hubbard gezeugt worden sein soll?

Morton: «Obwohl das nie meine Behauptung war! Ich habe nur dieses absurde Gerücht aufgegriffen.» Auch fände Morton, Suri gleiche «haargenau ihren Eltern, Tom und Katie.»

In der am 17. Januar auf Deutsch veröffentlichten Biografie «Tom Cruise. Der Star und die Scientology-Verschwörung» behauptet Morton unter anderem, Cruise sei der zweite Mann an der Spitze der Organisation. Seinen Einfluss als erfolgreicher Hollywoodstar nutze er im «Kreuzzug einer totalitären Sekte», so Morton.

Die Allgemeinheit – zumindest in Deutschland – gibt Morton recht (20minuten.ch berichtete). In Umfrage befanden 47% Tom Cruise für 'gefährlich', gegenüber 42%, die ihn als 'ungefährlich' einstuften.

«Radikal und extrem»

O-Ton Morton: «Tom Cruise ist radikal und extrem. Aber keiner hinterfragt ihn.» Der Biograf geht sogar noch weiter: Der Film «Walküre», in dem Cruise die Rolle des Stauffenberg spielt, sei Teil einer «geplanten Deutschlandoffensive», um Scientology in Deutschland populär zu machen. «[Scientology-Chef] Miscavige hat ganz offen über die Expansion nach Deutschland gesprochen. Plötzlich eröffnet Scientology einen neuen Sitz in Berlin. Deutschland ist für die ein attraktiver Markt mit 82 Millionen potenziellen Kunden, ein reiches Land!»

Bloss hat diese Behauptung – wie viele in Mortons Buch – einen Makel: Es fehlen konkrete Beweise. Morton winkt ab: «Hey, das wären einfach zu viele Zufälle! Der Film selbst dreht sich natürlich nicht um Scientology, aber dass der Parade-Scientologe die Hauptrolle spielt, hat viel ausgelöst! Chapeau, wie schlau ist das!»

Applaus für Cruise

Trotzdem nimmt Morton den Schauspieler Cruise auch in Schutz: «Interessant an ihm ist ja, dass er, egal was Kritiker sagen, stets hart gearbeitet hat und zielstrebig war. In puncto Religion ist er der Realität entrückt, aber was seine schauspielerische Arbeit betrifft, muss man ihm applaudieren.»

Interessant ist, dass gerade in Mortons Heimat England, wo man schamlos über Sex und Tampons schreibt, sein Buch nicht erscheint: «Ja, wir drucken alles über die Royals, weil die aber auch niemals klagen. Scientology verklagt seit 50 Jahren Leute auf eine ganz harte, einschüchternde Weise. England hat die strengsten Gesetze in Bezug auf Meinungsfreiheit in der westlichen Welt. Es ist das Zentrum des Rechtstourismus. Weltweit wird unser Recht missbraucht, um Veröffentlichungen zu verhindern.»

Trotz des Erfolgs seiner Cruise-Biografie ist Morton kein Reicher Mensch geworden: «Mein Vorschuss von 100.000 Dollar deckt nicht mal meine Recherchekosten. Wenn ich reich sein wollte, wäre ich kein Schreiberling, sondern Immobilienspekulant.»

(sda)

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