Aktualisiert 04.01.2014 16:27

Kino 2014Mit der Bibel zum Blockbuster?

Neues Jahr, neue Kinohelden. Oder doch nicht? Mit Noah, Moses und Maria in den Hauptrollen bekommt 2014 biblische Ausmasse. Sicher ist: Russell Crowe wird wieder Sandalen tragen.

von
mor

Batman, Superman, Spiderman - lange haben die Protagonisten der Marvel-Comics die Kinos gefüllt mit Prequels, Fortsetzungen oder Neuauflagen ihrer Geschichten. Der Stoff, aus dem einige Kinohelden 2014 gemacht sind, ist da älter, viel älter. Hollywoods Helden stammen aus der Bibel.

Hollywood setzt dabei auf Gesichter, die sich schon mit Monumentalem auskennen. Den Anfang macht Russell Crowe, der mit dem oscarprämierten «Gladiator» schon Erfahrungen mit Riemensandalen machte und sie als Noah im gleichnamigen Endzeitdrama wieder tragen wird. Der träumt, dass Gott die Erde mit einer Flut zerstören will und für seine Familie und den Weltzoo eine Arche baut, bevor das Wasser der korrupten Welt bis zum Hals steht. Der Deutschschweizer Kinostart soll im April sein.

Auch Christian Bale («Batman»-Trilogie) geht ins biblische Rennen. Für «Gladiator»-Regisseur Ridley Scott tauscht er in «Exodus» die Fledermauskluft gegen die Kutte von Moses, der das Volk Israel aus der ägyptischen Sklaverei führt. Konkurrenz kommt wohl von Regisseur Ang Lee, sein Moses-Film soll «Gods and Kings» heissen, befindet sich allerdings noch in der Produktionsphase.

Ein Bibel-Blockbuster könnte auch «Mary» werden. Die bisher wenig bekannte, erst 16 Jahre alte, in Israel geborene Odeya Rush spielt die Hauptrolle der Mutter Jesu. Der Film, der wahrscheinlich kurz vor Weihnachten in die US-Kinos kommt, konzentriert sich auf das beschwerliche Dasein der jungen Eltern, die ihr Kind im Reich des von Herodes durchbringen.

Erfolgreiche Mini-Serie über die Bibel

Bibelgeschichten in Kassenknüller zu verwandeln, gehört zu Hollywoods ältesten Spezialitäten. Das zeigen Klassiker wie «Die zehn Gebote» oder «Ben Hur». Zu den jüngeren Werken gehört Mel Gibsons Kreuzigungsdrama «Die Passion Christi» von 2004.

Glaubensbasierte Filme haben in den USA jüngst auch durch den Erfolg der Miniserie «Die Bibel» Auftrieb erfahren, die im US-Fernsehen lief und 2013 im Schnitt von 11,4 Millionen Menschen gesehen wurde. Auch hier unterstützten viele Glaubensgemeinschaften die Serie, Pfarrer empfahlen ihren Kirchengängern sogar das Einschalten.

Ob die Kirche von den kommenden Produktionen allerdings gleichermassen begeistert sein wird, bleibt abzuwarten. «Noah» zum Beispiel, die 150-Millionen-Dollar-Produktion des Regisseurs Darren Aronofsky («Black Swan»), sorgt allein mit dem Trailer für ein buntes Meinungsbild.

Ein Kritiker schrieb, Noah komme daher wie ein «Umweltschutz-Irrer» auf Arche-Kreuzzug. Bombastisch der Soundtrack, apokalyptisch die Bilder, und Noah ein «düsterer und komplizierter Charakter», wie der Regisseur erklärt, der sich in seinen Filmen auf vielschichtige Figuren mit angeknackster Psyche spezialisiert hat. Nach der Flut wird Noah die Schuld des Überlebenden plagen.

Lizenzfreie Vorlagen

Wie das Filmmagazin «Hollywood Reporter» unter Berufung auf verschiedene Quellen berichtet, soll es bei Testvorführungen für christliche und jüdische Gruppen zu hitzigen Reaktionen gekommen sein. Vor allem an den Stellen, an denen der Film arg von der biblischen Textvorlage abweicht. «Sie werden den Film ruinieren. Sie werden ihn entchristianisieren», schrieb etwa ein Kommentator im rechtspopulistischen Blog breitbart.com.

Doch auch ungeachtet der Unwägbarkeiten einzelner Reaktionen hat biblischer Filmstoff echte Vorteile für die Filmstudios. Immerhin sind die Charaktere dem Publikum zumindest etwas vertraut. Die potenzielle Fangemeinde ist gross - mit 90 Millionen Evangelikalen Christen allein in den USA.

Und: Biblische Vorlagen sind im Gegensatz zu beispielsweise den Verfilmungen der Marvel-Comics lizenzfrei. Urheberrechtskosten ausgeschlossen. (mor/sda/afp)

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