Turbofolk-Konzert: Mit der Coiffeuse statt dem Bodyguard
Aktualisiert

Turbofolk-KonzertMit der Coiffeuse statt dem Bodyguard

Jetzt ist es sicher: Die umstrittene serbische Popsängerin Ceca tritt am Samstag in Rümlang auf. Der Konzertveranstalter Simo Pavlovic erwartet keine Probleme.

von
Joel Bedetti

Alle Jahre wieder: Schon zum fünften Mal in Folge tritt die Turbofolk-Sängerin Ceca Raznatovic gegen Jahresende in der Rümlanger Balkan-Disco Grodoonia auf. Ceca ist die Witwe des mutmasslichen serbischen Kriegsverbrechers Zeljko Raznatovic alias Arkan, der vor acht Jahren in Belgrad ermordet wurde. Bis vor kurzem war noch nicht sicher, ob die «Madonna des Balkans» dieses Jahr tatsächlich auftreten würde. Sie hatte laut dem Eidgenössisches Amt für Auswärtiges noch kein Einreisevisum beantragt.

Alle Jahre wieder auch für Grodoonia-Besitzer Simo Pavlovic: Wie immer muss er sich, wenn er den serbischen Popstar in seinen Club lädt, den Fragen der Presse stellen. Schliesslich war Ceca im Milosevic-Regime eine national gefeierte Pop-Ikone und machte nationalistische Stimmung, während ihr Mann mit seinen berüchtigten Tiger-Paramilitärs eine blutige Spur durch die Kriegsgebiete zog.

Keine Bodyguards, dafür eine Coiffeuse

Pavlovic bestätigt, dass der Auftritt stattfindet: «Ceca kommt!» Und holt gleich aus zu einer ausschweifenden Erklärung, dass er Ceca bereits vor ihrer Hochzeit mit dem «Schlächter vom Balkan» gekannt habe, dass ihr Mann jetzt ja seit acht Jahren tot sei, und dass sie einfach nur eine populäre Sängerin sei. Es kämen nicht nur Serben, sondern auch Kroaten und Bosnier an ihre Konzerte. Mit serbischem Nationalismus habe Ceca nichts zu tun. «So lange sie Leute bringt, lade ich sie ein», sagt Pavlovic.

Der Grodoonia-Chef erwartet keinen Massenauflauf: «Wenn sechs- bis siebenhundert Leute kommen, bin ich glücklich.» Dass das Konzert just am Nationalfeiertag des ehemaligen Jugoslawiens stattfindet, sei Zufall, versichert Simo Pavlovic. Er habe das erst bemerkt, als der Termin bereits vereinbart war. Trotzdem werde er als «alter Hase» einige Vorkehrungen treffen und einige zusätzliche Türsteher aufbieten, sagt Pavlovic. Ceca selbst werde nicht, wie der Blick vor ihrem Konzert 2005 berichtete, mit einer riesigen Entourage und eigenen Sicherheitsleuten einreisen. «Sie kommt mit sechs Musikern, ihrem Manager und ihrer Coiffeuse!», stellt Pavlovic klar. Zuhause betreibe sie nämlich einen Coiffeursalon.

«Thompson» kam nicht

Weniger Glück hatte der kroatische Sänger Marko Perkovic alias Thompson, bekannt für seine nationalistischen, teilweise anti-serbischen Texte und martialischen Videoclips. Im Mai sollte er in Dietlikon auftreten. Die Gemeindebehörden zogen aber die Bewilligung zurück, weil Thompsons Liedtexte gegen das Anti-Rassismus-Gesetz verstossen würden und die öffentliche Sicherheit gefährdet sei. Bei einem Auftritt von Thompson in Luzern 2007 war es zu Schlägereien zwischen Serben und Kroaten gekommen.

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