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Fall Celine«Mit der Pille bin ich vorsichtig»

Die Antibabypille Yasmin hat aus der charmanten 16-jährigen Celine einen schweren Pflegefall gemacht. Eine Strassenumfrage zeigt: Das Thema wühlt junge und ältere Frauen auf. Und: Viele wussten nicht, wie gefährlich die Pille sein kann.

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Mathieu Gilliand / Annette Hirschberg

«Ich nahm an, dass die Einnahme der Pille gewisse Gefahren birgt; als ich aber sah, wie das im Einzelfall aussieht, war ich schockiert», sagt Dragi Topalovic. Die junge Frau redet vom Fall Celine. Das fröhliche Mädchen erhielt Ende 2007, sie war damals 16, von ihrem Frauenarzt das Rezept für die Antibaby-Pille Yasmin. Nach vier Wochen erlitt sie eine schwere Lungenembolie, der Atem setzte aus, das Herz stand still und das Hirn wurde schwerstgeschädigt. Seither ist die junge Frau behindert und braucht rund um die Uhr Betreuung.

Nun ist Celine Gesprächsstoff Nummer eins bei den jungen Frauen. «Ich habe heute morgen durch meine Freundinnen davon gehört», erzählt Fabienne Häni. Für sie und ihre Kolleginnen Laura Hofmann und Violeta Muji ist der Fall alarmierend, sie haben aber keine Angst davor, mit der Antibabypille zu verhüten. «Es nehmen ja viele die Pille und ich kenne niemanden, der deswegen Probleme hat», sagt Muji. Viele haben aber auch keine Ahnung von den möglichen schweren Nebenwirkungen. «Ich habe lange die Pille genommen und wusste nichts davon», sagt Kim Hedrich. Besonders besorgt sind Mütter von Mädchen. «Ich würde meinen Kindern nur den Pariser empfehlen, der schützt sicher vor allem und hat keine gefährlichen Nebenwirkungen», sagt Luisa Rossi.

Swissmedic klärt Risiko ab

Das Thromboserisiko bei der Verhütungspille «Yasmin» wird von Swissmedic derzeit «intensiv diskutiert». Ein Rückruf dieser Antibaby-Pille steht aber nicht zur Debatte, wie Swissmedic- Sprecher Joachim Gross auf Anfrage sagte.

Ein grosser Teil der gemeldeten Thromboembolien in der Swissmedic-Datenbank betrifft zwar «Yasmin», wie das Schweizerische Heilmittelinstitut in einer Medienmitteilung schreibt. Daraus könnten aber «keine Schlüsse auf eine erhöhte Häufigkeit» gezogen werden. Der Zürcher Fall sei «ein tragischer Einzelfall», ergänzte Gross.

«Yasmin» gehört zur vierten Antibabypillen-Generation. Bei diesen Kontrazeptiva ist das Thromboserisiko geringer als jenes bei Produkten der dritten Generation, wie Gross erklärte.

Mindestens ein Todesfall seit 2005

Seit 2005 wurden laut Swissmedic bei 49 Frauen, die ein hormonelles Verhütungsmittel einnahmen, Thromboembolien registriert (31 Lungenembolien und 18 Venenthrombosen). In einem Fall verlief die Lungenemobile tödlich. Bei einem weiteren unklaren Todesfall fehlten weitere Angaben. (sda)

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