Aktualisiert 26.09.2013 09:34

Wahlkampf in GenfMit der Pornofreundin auf Stimmenfang

In zehn Tagen will Olivier Sauty von der rechten MCG wieder ins Genfer Parlament gewählt werden. Nun ist ein Politporno aufgetaucht, in dem seine Freundin die Hauptrolle spielt.

von
Christoph Bernet

Ein Helikopter landet. Ein glatzköpfiger Mann steigt mit zwei verführerischen Frauen im Arm aus. Nach einer Limousinenfahrt wird dem Mann in einer Villa Schmiergeld angeboten. Dies lehnt er ab, mit der Begründung, er sei Politiker. Dem zweiten Bestechungsversuch in Form einer schwarzhaarigen Schönheit im Negligé kann er nicht mehr widerstehen. Darauf folgen explizite Sexszenen. Die Hauptrolle im Pornofilm

«Ass, Cash & Politics» spielt Caroline Tosca. Die 38-Jährige ist die Freundin des Genfer Grossrats Olivier Sauty vom rechten Mouvement Citoyen Genevois (MCG).

Seine Freundin habe grosse Lust gehabt, einmal in einem Sexfilm mitzuspielen, sagt Sauty. Er sei stolz auf seine Freundin und habe bei den Dreharbeiten mitgeholfen, erklärt er. Eifersüchtig sei er dabei nicht geworden. Er liebe seine Freundin über alles und habe ihren Wunsch von Anfang an unterstützt.

«Eifersucht in Erregtheit umwandeln»

Natürlich frage man sich vor dem Dreh, was das für Gefühle auslösen wird, sagt Sauty: «Doch als echter Freigeist kann man Eifersucht in Erregtheit umwandeln und den Moment geniessen.» Er sei mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Produktionsfirma hat dem Paar ein paar DVDs des Films gegeben. Diese will das Paar nun an Freunde weiterverschenken, die es zum Dreh des Pornofilms begleitet haben.

Seit Ende August ist der Politporno nun online. Erhofft sich Sauty dank des Sexfilms die Wiederwahl? Die Genfer entscheiden am 6. Oktober, ob Sauty für weitere vier Jahre im Parlament sitzt. Von kalkuliertem Timing will Sauty nichts wissen. Dass der Porno nun mitten im Wahlkampf auftauche, sei nicht seine Idee gewesen. «Wir haben im Sommer gedreht, die Veröffentlichung ist Sache der Produktionsfirma.» Sauty ist überzeugt, dass es im calvinistischen Kanton Genf genügend Leute gebe, die kein Problem mit einem solchen Film hätten. «Wenn mich von den 300'000 Wählern 285'000 für einen Perversling halten, dann bleiben immer noch 15'000, die für mich stimmen. Das würde ja dann reichen.»

Doch wie reagiert seine Partei auf den Politporno? Schliesslich profiliert sich das Genfer Mouvement Citoyen Genvevois (MCG) gerne als unverbrauchte Kraft, die sich von den etablierten Parteien abhebt. «Damit die Politik wieder glaubwürdig wird, braucht es mehr ethische Aufrichtigkeit», schreibt die Partei auf ihrer Homepage. Trotzdem scheint das MCG keine Berührungsängste mit dem Rotlichtmilieu zu haben. Der frühere Parteipräsident Georges Jost verdiente sein Geld mit Telefonsex-Hotlines. Vizepräsident Pascal Spuhler, wie Sauty Mitglied des Genfer Parlaments, vermittelt als Agent «Künstlerinnen» an Cabarets und Nachtklubs.

Mehrere MCG-Politiker im Rotlichtmilieu

MCG-Präsident Roger Golay betont, dass man das Privatleben von der Politik trennen müsse: «Sauty und Spuhler machen exzellente Arbeit als Abgeordnete.» Natürlich habe die Partei keine Freude an einem Pornofilm mitten im Wahlkampf. Solange die Parteimitglieder aber nichts illegales machten, mische er sich nicht in ihre Freizeitaktivitäten ein. Golay sieht auch nichts Verwerfliches darin, im Rotlichtmilieu Geld zu verdienen. An einer Sextelefon-Hotline oder an den Nachtclubs verdiene schliesslich auch der Fiskus mit. Seine Parteifreunde hätten nie verheimlicht, was sie in ihrem Beruf oder in ihrer Freizeit machen.

Kann das MCG deshalb auf eine besonders treue Wählerschaft unter den Kunden des Rotlichtmilieus zählen? Roger Golay glaubt nicht, dass dieses Klientel überdurchschnittlich das MCG wähle. Die Genfer seien im Allgemeinen liberal eingestellt, es gebe viele Swingerclubs, Massagesalons und gegen 4000 Prostituierte im Kanton. Deshalb gelte eine Partei nicht gleich als schmuddelig, wenn ihre Exponenten ihr Geld im Milieu verdienten.

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