Anschläge auf US-Präsidenten: Mit der Röntgenkanone gegen Obama

Aktualisiert

Anschläge auf US-PräsidentenMit der Röntgenkanone gegen Obama

Radikale und Verwirrte planen immer wieder Anschläge auf US-Präsidenten. Zum Glück haben sie selten Erfolg. Ein neues Buch berichtet über die spektakulärsten Attentatsversuche.

von
sut

Amerikanische Präsidenten machen es Möchtegern-Mördern nicht leicht. Sie werden von den Profi-Leibwächtern des Secret Service lückenlos abgeschirmt. Da müssen sich Attentäter etwas Besonderes einfallen lassen.

Glendon Scott Crawford (49) und Eric Feight (54) kamen auf die Idee einer Strahlenwaffe. Das enthüllt der Autor Mel Ayton in seinem eben erschienenen Buch «Hunting the President» – Jagd auf den Präsidenten. Letztes Jahr nahmen sich die zwei Männer vor, «eine Röntgenkanone für Anschläge auf Muslime zu bauen». Ihr Plan war es, auch Präsident Obama «mit einer tödlichen Strahlendosis» zu ermorden, schreibt Ayton gemäss «New York Post».

Allzu weit kamen Crawford und Feight nicht. Sie versuchten erfolglos, bei jüdischen Gruppen und dem rassistischen Ku-Klux-Klan um Geld zu betteln. Auf ihr Treiben aufmerksam geworden, brachte sich die Bundespolizei FBI ins Spiel. Nachdem die zwei Attentatsplaner schliesslich verhaftet wurden, bestätigte der Staatsanwalt, das von ihnen konstruierte Gerät hätte tatsächlich eine tödliche Röntgendosis ausgestrahlt. Es sei aber nicht funktionsfähig gewesen, weil V-Männer des FBI fehlerhafte Bauteile geliefert hätten.

Angesichts von rund 400 ernsthaften Mordplänen seit Präsident Franklin D. Roosevelt (im Amt von 1933 bis 1945) ist es erstaunlich, dass nur zwei lebensgefährliche Anschläge gelangen: 1963 fiel der drei Jahre zuvor gewählte John F. Kennedy dem Kommunisten Lee Harvey Oswald zum Opfer. Der wahrscheinlich als Alleintäter handelnde Oswald hatte mit dem Gewehr aus einem Fenster aus auf den im Kabrio vorbeifahrenden JFK geschossen.

18 Jahre später schoss John Hinckley aus nächster Nähe auf Ronald Reagan (1981–1989). Hinckley wollte die Schauspielerin Jody Foster beeindrucken, in die er vernarrt war. Doch Reagan überlebte schwer verletzt.

Kaum gewählt, schon ein Ziel

Auch andere Präsidenten entgingen haarscharf dem gewaltsamen Tod, zum Beispiel Roosevelt. Drei Wochen vor seinem Amtsantritt stand der gewählte Präsident zusammen mit dem Bürgermeister von Chicago auf einer Bühne, als Giuseppe Zangara Schüsse auf ihn abgab. Zangara verfehlte sein Ziel um weniger als einen Meter – und traf dafür den Bürgermeister, der später an seinen Verletzungen starb.

Für George W. Bush (2001–2009) war eine Handgranate bestimmt. Während er 2005 am Podium über die Republik Georgien sprach, warf der 28-jährige Wladimir Arutyunian eine entsicherte Eiergranate des sowjetischen Typs RGD-5 auf ihn. Die Bombe traf ein Mädchen im Publikum, was ihren Flug ablenkte. Sie explodierte nicht, weil sie in ein Taschentuch eingewickelt war und der Zündstift stecken blieb.

Es geht selten um Politik

Einige der Tötungswilligen waren nicht wählerisch: Es ging ihnen um den Präsidenten – irgendeinen – und nicht um einen bestimmten Amtsinhaber und dessen Politik. Zum Beispiel war Hinckley bereits vor seinem Attentatsversuch auf Reagan bereits dessen demokratischem Vorgänger Jimmy Carter (1977–1981) quer durchs Land gefolgt. Einmal kam er in Ohio bis auf wenige Meter an ihn heran. Doch den Finger am Abzug zog er erst nach der Wahl des Republikaners Reagan.

Seit diesem Attentat sorgen die Leibwächter dafür, dass niemand mehr dem Präsidenten nahekommen konnte. Francisco Martin Duran, der es auf Bill Clinton (1993–2001) abgesehen hatte, versuchte es darum aus mehr als 100 Metern Entfernung. Der 26-jährige Armee-Veteran positionierte sich 1994 am nördlichen Zaun vor dem Weissen Haus und wartete, bis der Präsident mit dem Helikopter einflog. Als er zwei Jungen sagen hörte, ein Mann vor dem Hauseingang sehe aus wie Clinton, zog Duran sein Sturmgewehr unter dem Trenchcoat hervor und ballerte los. Die 29 Schüsse schlugen Löcher in die Aussenwand des Hauses, trafen jedoch keinen Menschen.

Truman hatte Glück

Im Vergleich dazu hatten es Attentäter in der Vergangenheit einfacher. 1950 schafften es die zwei puertoricanischen Nationalisten Oscar Collazo und Griselio Torresola, sich der Blair-House-Residenz aus zwei Richtungen so zu nähern, dass sie einen Polizisten mit Schüssen aus Handfeuerwaffen verletzen konnten. Der Schusslärm weckte Präsident Harry Truman (1945–1953) auf, der dort am Nachmittag ein Nickerchen hielt. Um herauszufinden, was los war, steckte Truman den Kopf aus dem Fenster, was ihm später eine schwere Rüge des Secret Service eintrug.

Der Anschlag endete, als die Leibgarde des Präsidenten in einem Feuergefecht einen der beiden Attentäter tötete und den anderen festnahm. Truman konnte von Glück reden: Wären die zwei Puertoricaner zehn Minuten später angekommen, hätten sie den Präsidenten und seine Frau beim Verlassen des Gebäudes angetroffen.

Um Obama wurde es ruhiger

Die ständige Gefährdung durch Extremisten und Wirrköpfe gehört für amerikanische Präsidenten zum Job. Für Barack Obama gilt das genauso wie für alle seine Amtsvorgänger. Nach der Wahl 2008 wurden besonders viele Todesdrohungen verzeichnet, doch seither ist die Zahl auf das übliche Mass gesunken.

Newsclip über den Mordversuch an Roosevelt 1933:

(Quelle: Youtube/Historycomestolife)

Der Clip zeigt Roosevelt vor dem Auftritt und den Bürgermeister von Chicago, erst auf der Bühne, dann im Spital. Am Schluss spricht der Attentäter Giuseppe Zangara.

Deine Meinung