Aktualisiert 28.07.2016 17:23

Attinghausen«Mit der Tötung ist niemandem geholfen»

Nachdem er in den letzten zwei Monaten Dutzende Schafe gerissen hat, wurde ein Wolf im Kanton Uri in der Nacht auf Donnerstag erschossen. Das stösst bei vielen auf Unverständnis.

von
bus
Im Kanton Uri hat der Wolf am 11. April die Fotofalle ausgelöst.

Im Kanton Uri hat der Wolf am 11. April die Fotofalle ausgelöst.

Kein Anbieter/zvg

Rund 50 Schafe hat ein Wolf im Kanton Uri in den vergangenen zwei Monaten auf dem Gewissen. Nun ist das Tier im Gebiet Surenen/Blackenalp erlegt worden. Erschossen wurde der Wolf in der Nacht auf Donnerstag, wie die Sicherheitsdirektion des Kantons Uri mitteilte. Das Tier wurde gemäss Mitteilung von der Wildhut und den beauftragten Jägern erlegt.

«Jäger waren die ganze Nacht auf der Lauer»

Die Abschussverfügung erfolgte am 14. Juli. «Bei diesem Abschuss waren stets ein, zwei Wildhüter und fünf, sechs Jäger beteiligt, die vorwiegend am Abend, aber manchmal auch bis in die frühen Morgenstunden auf der Lauer waren», sagt Beat Annen, Amtsvorsteher für Forst und Jagd im Kanton Uri.

Sobald ein Wolf zum Abschuss freigegeben wird, verteilen sich die Jäger auf verschiedene Posten in dem Gebiet, in dem sich die Aktivitäten des Wolfes zuletzt konzentriert haben. «Durch die Risse an Schafen und Sichtungen von Wanderern und Älplern konnten wir den Wolf bereits frühzeitig genauer lokalisieren», sagt Annen, «trotzdem hatten wir auch grosses Glück, ihn so schnell ausfindig zu machen.»

«Das Problem ist nicht der Wolf»

Der Schweizer Tierschutz ärgert sich über den erneuten Abschuss eines Wolfes: «Wenn wir die Wölfe weiterhin einfach töten, ist damit längerfristig niemandem geholfen», sagt Sara Wehrli, Leiterin der Fachstelle für Wildtiere. «Denn das eigentliche Problem ist nicht der Wolf, sondern der seit eh und je ungenügende Herdenschutz der Schafe.»

Kritisch sieht der Tierschutz auch, dass seit Ende letzten Jahres nicht mehr der Bund, sondern die Kantone über Leben und Tod der Wölfe entscheiden dürfen: «Man vergisst, dass der Wolf in der Schweiz eigentlich ein geschütztes Tier ist. Wir befürchten, dass die Kantone bei den Abschüssen manchmal auch aus eigenem Interesse handeln.»

Abschuss löst Debatte aus

Die Meinungen der 20 Minuten-Leser sind gespalten. Viele von ihnen können die radikale Lösung nicht nachvollziehen: «Dann will man den Wolf wieder ansiedeln und kaum ist einer hier wird er für den Abschuss freigegeben. Da habe ich echt kein Verständnis», schreibt ein Leser. Andere stellen sich hinter den Entscheid der Urner Sicherheitsdirektion und sehen die Schuld bei den Schafzüchtern. So fragt ein Leser: «Fünfzig Schafe, die noch leben würden, wären Hirtenhunde vor Ort gewesen. Wie egal sind den Besitzern ihre Schafe?»

Genaue Untersuchung in Bern

Der männliche Wolf wurde nun für eine genaue Untersuchung ins Institut für Tierpathologie der Universität Bern gebracht. «Das ist für uns wichtig», sagt Annen, «denn dadurch finden wir sein genaues Alter und seine Herkunft heraus und wissen so, dass es sich um den Wolf handelt, den wir auch zum Abschuss freigegeben haben.»

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