Hard Seltzer mit Flaschengärung - Mit diesem Getränk wollen vier Berner den Sommer erobern
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Hard Seltzer mit FlaschengärungMit diesem Getränk wollen vier Berner den Sommer erobern

2021 soll der Mega-Trend Hard Seltzer definitiv in der Schweiz ankommen. Ein Start-Up aus Bern will ganz vorne mitmischen. Experten geben den Schweizer Kleinproduzenten gute Chancen auf dem hart umkämpften Markt.

von
Christian Holzer
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Das Hard Seltzer, das an der Aare produziert wird: Mit Hardie wollen drei Berner und eine Bernerin diesen Sommer durchstarten.

Das Hard Seltzer, das an der Aare produziert wird: Mit Hardie wollen drei Berner und eine Bernerin diesen Sommer durchstarten.

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Die Köpfe dahinter: Tobias Schmid, Daniela Bader, Dominic Ischler.

Die Köpfe dahinter: Tobias Schmid, Daniela Bader, Dominic Ischler.

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Am Berner Stadtrand stellen sie in einer Catering-Küche das Getränkt mit 4,5 Volumenprozent Alkohol her. Im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten, entsteht die Kohlensäure bei der Flaschengärung.

Am Berner Stadtrand stellen sie in einer Catering-Küche das Getränkt mit 4,5 Volumenprozent Alkohol her. Im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten, entsteht die Kohlensäure bei der Flaschengärung.

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Darum gehts

  • Experten sind sich einig: Der Hard-Seltzer-Trend kommt in die Schweiz.

  • Ein Berner Start-Up will mitmischen, und braut sein eigenes Getränk dafür.

  • Gleichzeitig bringen sich auch Grosskonzerne in Position.

  • Mit Sorge beobachten das Ganze die Suchtexperten beim Blauen Kreuz.

Eine Gruppe von vier Bernern will den Sommer mit ihrem Getränk erobern. Während gut einem Jahr wurde an der Formel für Hardie getüftelt. Dabei handelt es sich um ein Hard-Seltzer-Getränk auf Basis von Zuckerrohr, Zitrone und Ingwer. «Zunächst produzierten wir nur eine kleine Menge für unsere Freunde. Weil die Kisten aber immer umgehend leergetrunken waren, versuchen wir es nun im grösseren Rahmen», sagt Dominic Ischler. Grösser heisst derzeit 1000 Flaschen pro Produktions-Gang. «In einer ungenutzten Catering-Küche produzieren wir das Ganze und füllen alles von Hand ab», so Daniela Bader.

Zwei Wochen dauert der Brauvorgang des ungesüssten Alkoholgetränks mit 4,5 Volumenprozent jeweils, sagt Braumeister Alexander Heidt: «Danach lagern die Flaschen mindestens zehn Tage, damit sich die Kohlensäure bildet.» Denn hier unterscheidet sich Hardie von manch anderem Hard Seltzer auf dem Markt: «Uns war wichtig, dass Hardie frei von Aromen und Zusatzstoffen ist und nicht einfach eine Mixtur, die mit Industriealkohol versetzt wird», so Tobias Schmid – der letzte der vier Hardie-Gründer. Aus diesem Grund seien sie besonders stolz auf die Flaschengärung – und dass nur mit Direktsaft aus Bio-Qualität gearbeitet werde.

Was sind Hard Seltzer?

Unter Hard Seltzer versteht man alkoholische Getränke, die auf der Basis von kohlensäurehaltigem Wasser und Alkohol produziert werden. In der Regel haben die Getränke eine fruchtig, frische Note und weisen einen Alkoholgehalt zwischen 4 und 6 Prozent aus. Im Gegensatz zu Bier, Alcopops oder Cocktails sind die Getränke kalorienarmer und erfreuen sich darum gerade in den USA enormer Beliebtheit.

Derzeit ist das Alkoholgetränk nur auf der Homepage von Hardie verfügbar, wo es für 4 Franken pro Flasche angeboten wird. Aktuell werde mit verschiedenen Vertreibern sowie Clubs und Bars verhandelt, sagt Ischler: «Das Produkt kommt sehr gut an, Gastronomen sind noch etwas verhalten, weil sie die Nachfrage nicht einschätzen können.»

«Zwei Trends kommen zusammen»

Experten sind sich diesbezüglich bereits einig: Der Hard-Seltzer-Trend aus den USA wird auch auf die Schweiz überschwappen. Gemäss Harley Krohmer, Professor am Institut für Marketing der Uni Bern, treffen Hard Seltzer perfekt den Zeitgeist: «Zwei Trends kommen hier zusammen: die Pandemie und der Wellness-Trend. Wenn die Bars und Clubs geschlossen sind, sind fertig gemixte Hard Seltzer das perfekte Getränk für das improvisierte Treffen mit Freunden im Stadtpark.» Im Gegensatz zu den Alkopops der 90-er seien diese aber nicht so klebrig und künstlich, sondern punkten mit natürlichen Aromen und erfrischendem Geschmack ohne zu viel Zucker. «Also auch gut für die Linie und für die eigene Wellness.»

Entsprechend hart ist der Markt bereits umkämpft: Erst vor wenigen Tagen verkündete Coca-Cola mit Topo Chico gleich drei Hard Seltzer auf den Schweizer Markt zu bringen – es ist das erste Mal, dass der Konzern alkoholische Getränke in der Schweiz verkauft. Auch andere Grosskonzerne mischen mit. Haben kleinere Anbieter aus der Schweiz überhaupt eine Chance, sich zu etablieren? «Ganz klar», sagt Harley. Coca Cola profitiere von der Globalisierung, aber: «Konsumenten besinnen sich auf nationale und regionale Eigenheiten und werden entsprechend lokalen Produzenten oftmals den Vorzug geben.» Aus diesem Grund würden Schweizer Produzenten bewusst mit Begriffen wie «Swiss Crafted Hard Seltzer» werben.

Trendsetter und Mainstream

Harley ist davon überzeugt, dass der Trend hierzulande erst gerade Fahrt aufnimmt: «Bisher trinken erst die Trendsetter Hard Seltzer, das Phänomen wird nun Mainstream und wir werden daher ein Wachstum sehen.»

Davon sind auch die Köpfe hinter Hardie überzeugt. Sie zeichnen bereits Zukunfts-Szenarien: «Sollte sich unser Getränk etablieren, werden wir auf jeden Fall mit weiteren Geschmacksrichtungen auftrumpfen», so Dominic Ischler. Spruchreif sei noch nichts, aber man wolle für zukünftige Versionen mit lokalen Landwirten zusammenarbeiten.

Suchtexperten beobachten den Trend mit Sorge

In den USA spricht man in Zusammenhang mit Hard Seltzer bereits von einem Mega-Trend. Dass dieser nun auch den Weg in die Schweiz finden soll, beobachtet man beim Blauen Kreuz mit Beunruhigung. Gemäss Micha Suter vom Blauem Kreuz Bern Solothurn Freiburg liegt die Gefahr vor allem in der Vermarktung: «Werbung für Hard Seltzer gaukelt der Zielgruppe vor, diese Produkte seien harmlos oder noch schlimmer, sogar gesund.» Dies sei gefährlich, denn kein Alkoholkonsum sei risikofrei – auch wenn Hard Seltzer «nur wenig» Alkohol enthalte. Gerade Junge sieht man beim Blauen Kreuz in Gefahr. Dies wegen dem spürbar steigenden Gesundheitsbewusstsein und Körperkult: «Da erscheint eine leichtere Variante, im Vergleich zu den Kalorienbomben Bier und zuckerhaltigen Cocktails, sehr verlockend.»

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