So klingt Wahlkampf: Mit diesem Lied will SVP die Wahlen gewinnen

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So klingt WahlkampfMit diesem Lied will SVP die Wahlen gewinnen

Die SVP will die Schweizer mit einem neuen Song samt «Sünneli» und jungen Tänzerinnen an die Urne locken. Dass das Lied nicht allen gefällt, nimmt die Volkspartei in Kauf.

von
jk

«Jahrelang händ mir immer wieder gwarnt: Chömet göhnd gah wähle. Gähnd z Land nöd uf, öisi Unabhängigkeit. D Volkspartei isch für alli da. Ds Sünneli gaht immer wieder uf», heisst es in einem am Dienstagabend veröffentlichten Song der SVP Schweiz. Im dazugehörigen Videoclip tanzen mehrere Sünneli inmitten junger Frauen und im Takt zur simplen Melodie. Die Botschaft des neuen SVP-Liedes scheint eindeutig: Es soll potentielle SVP-Wähler zum Urnengang bewegen.

Bereits Ende März sagte SVP-Präsident Albert Rösti nach den Wahlniederlagen in Zürich zu 20 Minuten: «Wir müssen vor allem an unserer Kommunikation und der Mobilisierung von Wählenden arbeiten. Unsere Wähler sind teilweise einfach zu Hause geblieben und haben nicht gewählt.»

In erster Linie kritische Rezensionen

Ob das mit dem neuen Song gelingt? Der Musikproduzent Philipp Schweidler stellt lediglich fest: «Beim Sünneli-Song wurde wohl mehr Gewicht auf den textlichen Inhalt als auf die musikalische Umsetzung gelegt.» Die NZZ spottet: «Im Video sind mehrere Sünneli-Maskottchen zu sehen, die ein Lied schmettern, das besser zu einem Kindergarten-Ausflug passt als zum Wahlkampf der härtesten Partei.» Auch auf Twitter fallen erste Reaktionen verhalten aus:

Juso-Präsidentin und SP-Nationalratskandidatin Tamara Funiciello sagt, der Sünneli-Song habe sie nicht überrascht: «Je schlechter es der Partei geht, desto schlechter werden ihre Songs. Die Krise der Partei spiegelt sich in diesem Lied wider.» Seine Art und Weise zeige, dass die SVP auf jegliche ihrer altbekannten Rezepte zurückgreife. Doch diese würden heute nicht mehr aufgehen.

«Hätte von der SVP mehr erwartet»

«Es verwundert mich nicht, dass im Videoclip junge Frauen herumtänzeln, die Kandidaten der Partei aber grösstenteils männlich sind», so Funiciello. Als junge Nationalratskandidatin irritiere sie das aus dem einfachen Grund nicht, weil «die SVP eine Partei für reiche, ältere weisse Männer ist.» Sie habe nichts anderes erwartet – ausser vielleicht einen besseren Wahlkampfsong. Im Gegensatz zu «Welcome to SVP» – dem letzten Song aus den Reihen der Volkspartei – sei der «Sünneli»-Song unbestritten langweilig.

SVP-Nationalrat Thomas Matter sagt, der Sünneli-Song solle einzig den Leuten gefallen, nicht den Medien. Im Rahmen der offiziellen Wahlkampfveranstaltung vom Dienstag, an der das Lied gespielt wurde, habe man sehr positives Feedback erhalten. «Wenn die Kritik in den Medien scharf ausfällt, muss das nichts heissen. Auch der Song ‹Welcome to SVP› wurde verrissen, mittlerweile hat er über eine Million Klicks auf Youtube.»

Song soll jeden ansprechen

Im Gegensatz zu «Welcome to SVP» sei das neue Lied extra für den Wahlkampf gemacht worden. Laut Matter ist es kein spezifischer Mobilisierungs-Song, auch wenn der Text zum Wählen aufrufe. Es gehe schlicht darum, dass die Lyrics und Melodie möglichst jedermann ansprechen würden, selbst Kinder.

Zu den Produzenten mache man keine weiteren Angaben. Auch wer die Tänzerinnen sind, will Matter nicht verraten: «Es sind einfach junge Frauen, die das hobbymässig und gern machen. Hätten wir im Video zum Song nur Männer gezeigt, wäre uns wieder vorgeworfen, eine Männer-Partei zu sein», so der Nationalrat. Er fügt an: «Denn unter den Sünneli sind vielleicht ja nur Männer versteckt.»

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