Land Rover will mit dem Defender Bowler an die Dakar-Rallye

Mit dem Defender Bowler trägt Land Rover einen Markenpokal aus – nun wollen die Briten damit an die Dakar-Rallye. 

Mit dem Defender Bowler trägt Land Rover einen Markenpokal aus – nun wollen die Briten damit an die Dakar-Rallye. 

Land Rover
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Wilde Testfahrt im Defender BowlerMit diesem Modell will Land Rover an die Dakar-Rallye

Selbst mit dem bärenstarken V8-Motor taugt der Land Rover Defender nicht zum Sportwagen. Doch im Gelände-Champion steckt ein echter Fighter, wie Werkstochter Bowler beweist.

von
Benjamin Bessinger

Am Himmel steht eine Staubwolke. In den Ohren kitzelt ein tiefes Brummen das Trommelfell, immer wieder scheint der Boden zu beben. Eigentlich lagert Land Rover hier in Fen End bei Birmingham vor allem Neuwagen zwischen. Doch mittendrin in dieses asphaltierte Areal hat Calum McKechnie eine Teststrecke ins Buschwerk bauen lassen, auf der die Briten jetzt ein besonderes Exemplar des neuen Defender testen: den Defender Bowler.

McKechnie führt den werkseigenen Rennstall Bowler, der dieses Fahrzeug aufgebaut hat. Der folierte Dreitürer ist einer von einem Dutzend Rennwagen, mit denen die Briten jetzt schon im zweiten Jahr einen Markenpokal auf der Rallye-Piste ausfahren und die sportliche Seite des Gelände-Haudegens betonen. Und weil das Paket mit Auto, Boxencrew und einem halben Dutzend Renneinsätzen umgerechnet für vergleichsweise bescheidene 120’000 Franken angeboten wird, hält sich der technische Aufwand beim Umbau in engen Grenzen.

Wie ein Nashorn auf der Pirsch

Zwar haben die Bowler-Ingenieure den obligatorischen Käfig in die Kabine gezimmert, das Fahrwerk verstärkt und die Federwege verlängert, den Unterboden gepanzert und für den besseren Schwerpunkt auch das Ersatzrad nach drinnen geholt. Doch auf den ersten Blick sieht der Bowler aus wie jeder andere Defender. Bis einen die Mechaniker in den schraubstockgleichen Schalensitz zurren und der Blick auf das zerfledderte Cockpit fällt, denn da blickt man auf blanke Kabel, herausgerissene Konsolen und kurzerhand aufs Plastik geschraubte Zusatzschalter.

Noch einmal zieht der Mechaniker am Gurt, bis auch das letzte Quäntchen Luft aus der Lunge gewichen ist, wirft mit einem hohlen Scheppern die unverkleidete Tür ins Schloss und schickt den Bowler mit einem Klaps ans Heck auf die Piste. Schon brüllt der 300 PS starke Vierzylinder-Benziner auf und die 400 früh anliegenden Newtonmeter tun ihren Dienst. Kurz bäumt sich der Bug auf und alle viere scharren im Staub, dann bricht sich der Bowler Bahn, walzt durchs Gebüsch wie ein Nashorn auf der Pirsch und wedelt im Slalom um die engen Kehren, bis der Kreislauf so richtig auf Touren kommt.

Bricht das Heck aus, muss es der Fahrer selber einfangen – keine Elektronik bremst den Tatendrang des Bowlers.

Bricht das Heck aus, muss es der Fahrer selber einfangen – keine Elektronik bremst den Tatendrang des Bowlers.

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Im Cockpit blickt der Fahrer auf blanke Kabel, herausgerissene Konsolen und aufs Plastik geschraubte Zusatzschalter.

Im Cockpit blickt der Fahrer auf blanke Kabel, herausgerissene Konsolen und aufs Plastik geschraubte Zusatzschalter.

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Der Benziner leistet 300 PS. Der Bowler-Auspuff macht dabei so einen Krawall, dass der Vierzylinder mehr Eindruck schindet als ein V8.  

Der Benziner leistet 300 PS. Der Bowler-Auspuff macht dabei so einen Krawall, dass der Vierzylinder mehr Eindruck schindet als ein V8.  

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Keine Elektronik bremst dabei seinen Tatendrang. Wenn das Heck ausbricht, muss es der Fahrer schon selber wieder einfangen. Es geht so schnell durch riesige Pfützen, dass der Schlamm im hohen Bogen spritzt. Beim Powerslide auf der Schotterpiste prasseln die Steine im Radkasten wie Schrotkugeln, und wenn man das Gaspedal vor der Sprungkuppe schlagartig aufs Bodenblech hämmert, fühlt man sich wie Major Tom beim Raketenstart – völlig losgelöst. Während sich der Fahrer in Gedanken noch schüttelt wie ein Pudel nach dem Bad, ist der Bowler schon wieder auf Touren. Also runter vom Gas, rauf auf die Bremse, rein in die Kurve und dann wieder: Gib ihm!

Zwar gibt es kaum ein Ziel, das mit dem Defender nicht zu erreichen wäre, solange es nur irgendwo an Land liegt. Und wenn man einen Defender-Fahrer nach Dakar schickt, lässt der sich wahrscheinlich nicht zweimal bitten. Doch meint McKechnie damit natürlich nicht die Stadt in Afrika, sondern die wohl berühmteste Rallye der Welt, die er als perspektivisches Ziel für seine Truppe ins Auge gefasst hat. «Die Defender-Challenge ist nur der Anfang», sagt der Bowler-Chef. Allerdings müssten sich da die Fahrer in der Werks-Serie eher die Qualifikation verdienen als das Auto, räumt McKechnie ein. «Denn der Defender wäre kein Defender, wenn er bei der Mutter aller Rallyes nicht längst schon gestartet wäre.»  

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