Lohnrechner - Mit diesem Online-Tool siehst du umgehend, ob du genug verdienst
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LohnrechnerMit diesem Online-Tool siehst du umgehend, ob du genug verdienst

Die Löhne stagnieren, das Krisenende naht – Zeit für eine Lohnerhöhung. Der Lohnrechner des Gewerkschaftsbunds zeigt dir den branchenüblichen Lohn für deinen Job.

von
Fabian Pöschl
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Der Schweizerische Gewerkschaftsbund hat seinen Lohnrechner überarbeitet.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund hat seinen Lohnrechner überarbeitet.

20min/Celia Nogler
Das Tool ist benutzerfreundlicher und zeigt Ergebnisse innerhalb weniger Sekunden und mit wenigen Klicks an.

Das Tool ist benutzerfreundlicher und zeigt Ergebnisse innerhalb weniger Sekunden und mit wenigen Klicks an.

20min/Celia Nogler
Ausserdem aktualisierte der SGB die Daten mit zwei Millionen Löhnen aus 72 Branchen und 36’000 Unternehmen.

Ausserdem aktualisierte der SGB die Daten mit zwei Millionen Löhnen aus 72 Branchen und 36’000 Unternehmen.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Die Löhne sind seit 2016 kaum gestiegen.

  • Jetzt zeichnet sich eine Besserung der wirtschaftlichen Lage ab.

  • Die ideale Zeit für eine Lohnaufbesserung.

  • Der überarbeitete Lohnrechner des SGB bietet Orientierungshilfe zur Höhe der Lohnforderung.

  • Das solltest du beim Lohnverhandlungsgespräch beachten.

Die Löhne der meisten Beschäftigten in der Schweiz sind seit 2016 kaum mehr gestiegen. Für manche resultierte nach den schwierigen Jahren durch die Folgen der Finanzkrise, der Konjunkturflaute und jetzt der Coronakrise sogar ein Reallohnverlust, wie der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) mitteilt.

Doch die Zeichen stehen gut, dass sich die Schweizer Wirtschaft noch dieses Jahr erholt. Eine gute Zeit also, auf ein besseres Salär zu pochen. «Es lohnt sich immer, den Lohn zu überprüfen, aber wenn es wirtschaftlich aufwärts geht, zeigen die Vorgesetzten mehr Verständnis für eine Lohnerhöhung», sagt SGB-Ökonom Daniel Lampart zu 20 Minuten.

Branchenüblichen Lohn vergleichen

Mit dem Online-Lohnrechner bietet der SGB ein Werkzeug zur Vorbereitung der Lohnverhandlungen. Das Tool fragt Informationen wie Dienstalter, Alter und Qualifikation ab und berechnet den individuellen orts- und branchenüblichen Lohn. Die Benutzerführung des Diensts wurde diese Woche überarbeitet. So zeigt der Rechner nun Ergebnisse innerhalb weniger Klicks und in Sekunden an.

Zudem fütterte der SGB das Tool mit der aktuellsten Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik von 2018 mit rund zwei Millionen Löhnen aus 72 Branchen und 36’000 Unternehmen. So sehen Nutzerinnen und Nutzer, ob sie zu wenig verdienen, und können entsprechende Forderungen nach dem Lohn stellen, der ihnen zusteht.

Schliesslich seien die Zahlen valide, so Lampart. «Die Ergebnisse basieren auf offiziellen Statistiken und werden nach neuesten wissenschaftlichen Methoden berechnet.» Auch mehrere Kantone würden die Lohndaten für die Kontrollen von Lohndumping verwenden und es hätten auch schon Gerichte auf Basis des Lohnrechners für eine höhere Vergütung entschieden.

Die Arbeitsleistung fehlt im Lohnrechner

Die HR-Expertin Andrea Letsch vom Personaldienstleister Hays empfiehlt den Studentinnen und Studenten in Workshops immer wieder, sich bei Plattformen wie dem Lohnrechner zu erkundigen, wie sie auf Anfrage sagt. Allerdings stehe und falle der Lohn mit der Leistung bei der Arbeit, die im Lohnrechner nicht ersichtlich ist.

Interview mit Simon Wey vom Schweizerischen Arbeitgeberverband

«Lohnpolitik ist keine exakte Wissenschaft»

  • Was hält der Arbeitgeberverband vom Lohnrechner des SGB?

Simon Wey*: Lohnrechner können ein gutes Mittel sein, um eine Grössenordnung der Höhe des eigenen Einkommens zu berechnen. Lohnpolitik ist aber keine exakte Wissenschaft. Da nur ein Bruchteil der Informationen zum Arbeitnehmer erfasst wird, ist die Aussagekraft von Lohnrechnern beschränkt und bietet keine Grundlage für Lohnverhandlungen.

  • Welche Information fehlt, damit ich mehr Lohn vom Vorgesetzten verlangen kann?

Es fehlt unter anderem die bisherige Leistung im Betrieb, obwohl dies für den Arbeitgeber meistens relevant ist. Wenn der eigene Lohn deutlich vom Resultat des Lohnrechners abweicht, kann aber ein Gespräch mit dem Vorgesetzten angezeigt sein.

  • Mit welchen Lohnerhöhungen rechnen Sie dieses Jahr?

Die Lohnerhöhung fürs kommende Jahr wird sich stark auf den weiteren konjunkturellen Verlauf in den Branchen abstützen. Bereits jetzt eine genaue Schätzung abzugeben, ist deshalb verfrüht.

*Simon Wey ist Chefökonom des Schweizerischen Arbeitgeberverbands.

Auch der Personalexperte Matthias Mölleney sagt deshalb, dass der Lohnrechner kein präzises Instrument sei. «Aber es sind auch keine Fantasiezahlen», so Mölleney. Wenn der Lohnrechner einen deutlich höheren Lohn anzeige, als man selbst erhalte, sei das ein gutes Argument, um die Vorgesetzten nach den Gründen zu fragen.

Bei den Lohnverhandlungen rät SGB-Ökonom Lampart allerdings zur Vorsicht. «Es braucht Fingerspitzengefühl.» Helfen könne ein Vorbereitungsgespräch mit Freunden oder Kollegen. Auch die Gewerkschaften böten Unterstützung zum Lohnverhandlungsgespräch an.

MEHR GELD

5 Tipps für die Lohnverhandlung

Wer mehr Gehalt will, muss dafür kämpfen. Falls du in Lohnverhandlungen gehst, solltest du diese Tipps berücksichtigen:

  • Vorbereitung: Ohne Zusatzleistung gibts keine Gehaltserhöhung, sagt Andrea Letsch, HR-Expertin beim Personaldienstleister Hays: «Reflektiere kritisch über das vergangene Jahr und schreib dir konkret auf, welche Aufgaben du aussergewöhnlich gut erledigt hast.» Die wichtigste Frage, die ein Mitarbeiter beantworten müsse, sei: Welche Projektergebnisse konnten erzielt werden und inwiefern haben sie die Firma weitergebracht?

  • Argumente: Denk daran, dass nur berufliche Leistungen bei Lohngesprächen zählen. Private Gründe, wie etwa eine Weiterbildung, die nicht direkt mit dem Job zu tun hat, sind nicht relevant. Und auch Unzufriedenheit im Job sei kein Argument für mehr Lohn, so Letsch – denn das Gehalt sei da praktisch nie die Lösung.

  • Einstellung: «Ein Lohngespräch ist kein Streitgespräch», so Letsch. Darum sollst du positiv in die Verhandlung gehen, dich auch über kleine Erfolge freuen und daran denken, dass die Vorgesetzten für deine Lohnerhöhung kämpfen.

  • Alternativen: Nicht nur der Lohn, sondern auch andere Vorteile sind laut Letsch entscheidend. Wenn der Arbeitgeber nicht mehr Geld anbieten kann, liegen vielleicht mehr Homeoffice-Tage, ein Parkplatz oder andere Goodies drin. «Überlege dir, wie viel dir so etwas wert ist, und verlange statt mehr Geld solche Vorteile.»

  • Misserfolg: Kriegst du die Lohnerhöhung nicht, kannst du das Gespräch als Anker für das nächste nutzen, wie Letsch sagt: «Erwähne beim nächsten Mal, dass es zuletzt nicht mit der Lohnerhöhung geklappt hat und welche neuen Ziele du seither erreicht hast.» Das steigere die Chancen jedes erneuten Gesprächs.

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