«Black Sheepy»: Mit diesem Spiel lernt das SVP-Schaf fliegen
Aktualisiert

«Black Sheepy»Mit diesem Spiel lernt das SVP-Schaf fliegen

Käse und Schoggi für die Aufenthaltsbewilligung: Ziel bei «Black Sheepy» ist es, in die Schweiz einzuwandern. Das SVP-Maskottchen Zottel dürfte daran keine Freude haben.

von
T. Bolzern

Hinein in die virtuelle Schweiz: Zwei Zürcher haben das Handy-Spiel «Black Sheepy» entwickelt. Dabei schlüpft der Spieler in die Rolle eines schwarzen Schafes, das versucht, in die Schweiz einzuwandern.

Angelehnt ist das Spiel an den Internet-Hit «Flappy Bird». Statt dem Vogel flattert hier aber nur das rote Cape des Schäfchens. Seit Anfang März steht das Game im Google Play Store kostenlos zum Download bereit. Dahinter stecken Manuel Frick und Zaniyar Jahany.

«Ursprünglich wollten wir einfach eine App entwickeln, um die Technologien besser kennenzulernen», sagt der Informatiker Frick über die Idee. Sein Kollege Zaniyar ist als 13-Jähriger als Sans-Papier aus dem Iran beziehungsweise Iranisch-Kurdistan in die Schweiz gekommen. «Weil ich mich gerade einbürgern lasse und merke, wie aufwändig das ist, haben wir uns entschieden das Ganze als Spiel zu verpacken», sagt der IT-Student Jahany, der ein Online-Portal für kreative Köpfe betreibt.

Obacht vor den SVP-Schwadronen

Schnell waren die beiden beim Sujet des schwarzen Schafs angelangt. Im Spiel führt die Reise von «Sheepy» vorbei an malerischen Bergen, tödlichen SVP-Schwadronen und einigen Schweizer Markenzeichen: «Je mehr Käse und Schokolade man isst, desto schneller wird man eingebürgert», heisst es in der Beschreibung.

«Wir sind beide politisch sehr interessiert. Darum waren wir umso mehr motiviert, ein witziges Spiel mit Politik verknüpfen zu können», so Frick. Entstanden ist das Mini-Game innerhalb von knapp zwei Wochen.

Bis «Sheepy» eingebürgert wird, ist es ein langer und vor allem ein mühsamer Weg. Das Spiel ist ähnlich schwierig wie «Flappy Bird». Schafft man es überhaupt? «Man kann eingebürgert werden, aber es ist praktisch unmöglich», sagt Frick. Denn es sei ein Endlosspiel: So starte man als Sans-Papier, dann gehe es weiter mit den Ausweisen F, B und C. Danach erhalte man den Status «Schweizer mit Migrationshintergrund» und zuletzt «Eidgenosse».

Für künftige Versionen planen die Entwickler Power-ups – etwa eine Integrationspille, welche die Chancen steigern sollen. Auch eine iOS-Version dürfte demnächst folgen.

Zottel dürfte keine Freude haben

Eigentlich ist «Black Sheepy» eine Art umgekehrte Version des Computerspiels Zottel: Das Game wurde im Herbst 2007 im Rahmen der SVP-Wahlkampagne aufgeschaltet. Das SVP-Maskottchen, die Zwergziege Zottel, sollte darin die Schweiz vor Überfremdung retten und kickte dafür schwarze Schäfchen über die Schweizer Grenze. Damals hagelte es Proteste: Das Zottel-Game sei rassendiskriminierend und rufe zu Gewalt auf, entrüsteten sich verschiedene Politikexponenten. Zu einem Strafprozess kam es damals aber nicht.

Die Rückmeldungen zu «Black Sheepy»-Spieler sind bisher euphorisch: «Echt geile Idee, die den Nerv der Zeit trifft. Ich unterstütze die Schweizer Entwicklerszene und wünsche mir mehr davon», schreibt ein Google-Nutzer. «Wer sich das ausgedacht hat, ist ein Genie», sagt ein anderer.

Die Schweizerische Volkspartei (SVP) wollte sich auf Anfrage von 20 Minuten nicht zum Spiel äussern.

Weil die Vögel es nicht von den Dächern zwitschern

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