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MilliardenabschreiberMit diesen 6 Problemen kämpft die Axpo

Trotz Expansion ins Ausland muss der Energiekonzern noch einmal 1,2 Mia Franken abschreiben. Was läuft falsch bei der Axpo?

von
Claudia Landolt
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Axpo muss 1,2 Milliarden Franken abschreiben. Als Grund nennt der Konzern die tiefen Grosshandelspreise für Strom in Europa - und den starken Franken.

Axpo muss 1,2 Milliarden Franken abschreiben. Als Grund nennt der Konzern die tiefen Grosshandelspreise für Strom in Europa - und den starken Franken.

Keystone/Alessandro Della Bella
CEO Andrew Walo erklärte, dass der Konzern in neue Geschäftsfelder investieren wolle, um rentabel zu wirtschaften. Die Axpo will deshalb in die USA expandieren.

CEO Andrew Walo erklärte, dass der Konzern in neue Geschäftsfelder investieren wolle, um rentabel zu wirtschaften. Die Axpo will deshalb in die USA expandieren.

Keystone/Walter Bieri
Axpo-CEO Andrew Walo auf der Baustelle Linthal 2015 auf der Muttenalp. Das Pumpspeicherwerk ist eines der grossen Ausbauprojekte von Axpo. Ein unterirdisches Pumpspeicherwerk wird Wasser aus dem Limmernsee in den Muttsee zurückpumpen.

Axpo-CEO Andrew Walo auf der Baustelle Linthal 2015 auf der Muttenalp. Das Pumpspeicherwerk ist eines der grossen Ausbauprojekte von Axpo. Ein unterirdisches Pumpspeicherwerk wird Wasser aus dem Limmernsee in den Muttsee zurückpumpen.

Keystone/Christian Beutler

Der Energiekonzern Axpo schreibt wegen weiteren Abschreibungen rote Zahlen. Die Wertberichtigungen im laufenden Geschäftsjahr belaufen sich auf 1,2 Milliarden Franken, schreibt Axpo in einem Communiqué. Der Konzern rechnet deshalb mit einem negativen Unternehmensergebnis. Der Umsatz reduzierte sich im Vergleich zur Vorjahresperiode um 14 Prozent auf 3,07 Milliarden Franken. Bereits im letzten Geschäftsjahr wurde keine Dividende ausbezahlt. Das dürfte auch im laufenden Geschäftsjahr nicht anders sein. Was ist los beim Schweizer Stromkonzern?

- Die Ausgangslage

Innerhalb von drei Jahren hat die Axpo Wertberichtigungen von 3,76 Milliarden Franken vornehmen müssen. Die heftigen Abschreiber offenbaren Denkfehler, kritisiert der Energie-Experte Ruedi Rechsteiner. «Die Elektrizitätswirtschaft pflegt bis heute die These einer bevorstehenden Versorgungslücke», so Rechsteiner. Diese diene dazu, in eine Vielzahl von Kraftwerken zu investieren, deren Rentabilität nicht mehr gegeben sei. «Drei Viertel des inländischen Portfolios decken die variablen Kosten nicht», erklärt Ex-SP-Nationalrat Rechsteiner. Deshalb seien die schlechten Zahlen für ihn keine Überraschung. Die Axpo ihrerseits betont, dass «das Unternehmen insgesamt genügend kapitalisiert und liquide ist, über den nötigen finanziellen Handlungsspielraum verfügt und seinen Aktivitäten in vollem Umfang und uneingeschränkt nachkommen kann».

- Die Strategie

Der Konzern befindet sich in einer schwierigen Neuausrichtung. Experten kritisieren, dass Axpo die Energiewende verschlafen habe. Zwar baut die Axpo den Gas- und Stromhandel im Ausland aus. Doch all daskompensiert die Ausfälle im traditionellen Geschäft noch nicht. «Die Axpo hält stur am alten Kurs fest», kritisiert Stefan Füglister, Atomexperte für Greenpeace Schweiz. «Die Unité de doctrine der Eignerkantone lautet auf ‹Abwarten bis sich die Wogen an der Strompreisfront glätten›», sagt Füglister. Das funktioniere auf die Dauer nicht.

- Der Strompreis

Axpo kämpft mit den tiefen Strompreisen in Europa. Der Strom aus Schweizer Kraftwerken ist im Vergleich zu teuer. Die Kraftwerke selbst verlieren deshalb an Wert. Sogenannte Wertberichtigungen machen denn auch den Löwenanteil aus im neuerlichen, happigen Alpiq-Minus. Früher konnte die Axpo den Strom aus Pumpspeicherkraftwerken zu Spitzenzeiten (beispielsweise über Mittag) teuer verkaufen. «Heute verschwinden die Preisspitzen über Mittag, von denen die Axpo früher profitierte», sagt Energieexperte Ruedi Rechsteiner.

- Frankenstärke

Am Montag teilte Axpo mit, dass der Konzern sich auch wegen des starken Frankens zu weiteren Abschreibungen veranlasst sehe. Für Rolf Wüstenhagen, Professor für Management erneuerbarer Energien an der Universität St. Gallen, ein zweifelhaftes Argument. «Axpo hat einen grossen Produktionsanteil im Inland, da zählt der Währungseffekt nicht.» Auch sinken durch die Frankenstärke die Kosten für Stromimporte. Insofern sei, so Wüstenhagen, der Hauptgrund für die Abschreibungen nicht ganz nachvollziehbar.

-Investitionen im Ausland

Andrew Walo, CEO von Axpo, teilte im Sommer mit, dass der Konzern eine Expansion in die USA plant. Mit dieser Konzernstrategie steht er im politischen Gegenwind. Wüstenhagen glaubt, dass die Auslandsinvestitionen der Axpo in den Bereichen Windenergie und Stromhandel zwar «in eine sinnvolle, zukunftsträchtige Richtung» gehen, die Kernfrage aber – wie es mit der Kernenergie in der Schweiz weitergeht – weiterhin umschifft. «Nach dem Prinzip Hoffnung weiterzumachen, reicht nicht aus», sagt Wüstenhagen. Axpo teilt auf Anfrage mit, dass man damit «Einnahmequellen diversifizieren und den Konzern von den Strompreisen weniger abhängig mache», so Mediensprecher Tobias Kistner.

-Die Zukunft

Die Einschätzung des Verwaltungsratspräsidenten der Axpo von Ende 2014, dass das Unternehmen die nächsten zehn Jahre von der Substanz leben werde, dürfte eine realistische Wahrnehmung der derzeitigen Lage sein. Laut Rudolf Rechsteiner steht aber das Schlimmste noch aus: «Die Axpo wird auch beim operativen Gewinn noch leiden, weil die Grosskunden den besseren Preis wollen und der Wettbewerb gnadenlos ist.»

Die Axpo gehört zu den grössten Schweizer Stromkonzernen. Kein anderer Produzent beliefert mehr Haushalte und Betriebe mit Energie – in der Schweiz sind das rund drei Millionen Menschen. Der Konzern gehört der öffentlichen Hand, nämlich den Kantonen Zürich, Aargau, Schaffhausen, Glarus, Zug, Thurgau, Luzern sowie den beiden Appenzell. Die Kantone sind jeweils über ihre eigenen Kraftwerke an der Axpo beteiligt.

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