Via Laptop ins Fussballtraining: So können Teamsportler trotz Lockdown gemeinsam schwitzen
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Via Laptop ins FussballtrainingSo können Teamsportler trotz Lockdown gemeinsam schwitzen

Ein Fussballtraining kann auch online stattfinden. Das lehrt uns die aktuelle Coronasituation. Seit Mitte Januar sind die meisten Sportvereine weitgehend zum Stillstand gezwungen. Teamsportler denken um und finden Alternativen.

von
Lara Hofer
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Noch vor der Coronakrise sah eine Zumba-Lektion ungefähr so aus: Bis zu zwanzig Tänzerinnen und Tänzer choreografieren gemeinsam zu lateinamerikanischer Musik.

Noch vor der Coronakrise sah eine Zumba-Lektion ungefähr so aus: Bis zu zwanzig Tänzerinnen und Tänzer choreografieren gemeinsam zu lateinamerikanischer Musik.

ZVG/bailando.ch
Heute sieht die Tanzstunde so aus. Sie findet online statt – via Zoom. Die Tanzbegeisterten loggen sich ein und tanzen dann von zu Hause aus.

Heute sieht die Tanzstunde so aus. Sie findet online statt – via Zoom. Die Tanzbegeisterten loggen sich ein und tanzen dann von zu Hause aus.

ZVG/bailando.ch
Das sei nicht immer einfach:«Mir fehlt der soziale Aspekt schon etwas», so Brigitte, die seit vielen Jahren Zumba tanzt.

Das sei nicht immer einfach:«Mir fehlt der soziale Aspekt schon etwas», so Brigitte, die seit vielen Jahren Zumba tanzt.

ZVG

Darum gehts

  • Sporteinrichtungen sind geschlossen, Teamsportarten und Kurse dürfen nicht mehr länger stattfinden.

  • Diese Einschränkungen schlagen vielen aufs Gemüt.

  • Im Interview mit 20 Minuten erzählen sie von ihren Erfahrungen von fehlenden sozialen Kontakten und Einschränkungen im Sport.

  • Ein Sportsoziologe betont zudem, wie wichtig solche Alternativen sind.

Noch im vergangenen Sommer konnte freudig Fussball gespielt, nahe beieinander getanzt und in der Gruppe trainiert werden. Nun, seit dem 18. Januar, gelten schweizweit verschärfte Corona-Schutzmassnahmen, wie etwa die Fünf-Personen-Regel. Der Gruppensport liegt seitdem brach. Die Massnahmen schränken den Teamsport nicht nur ein, sondern machen ihn schier unmöglich – oder? Fünf Hobbysportler und Hobbysportlerinnen aus dem Kanton Bern schildern ihre Erfahrungen.

Fussballspieler beim FC Büren, Diego (19):

«Beim Fussball geht es für mich nicht nur um das Spielen selbst. Es geht auch darum, sich austauschen zu können und zusammen ein Bierchen zu trinken nach dem Match. Mir fehlt der soziale Aspekt. Zudem merke ich, dass sich meine Ausdauer und meine Kondition verschlechtert haben. Damit wir als Team dennoch bereit sind für die nächste Saison, finden unsere Fussballtrainings nun online via Zoom statt. Jeden Dienstag und Donnerstag Abend loggt sich das Team ein, und wir trainieren – gemeinsam, und doch alleine. Nebenbei gehe ich viel spazieren oder mache Workouts bei mir zu Hause. Ich hoffe jedoch, dass wir so schnell wie möglich wieder auf dem Feld stehen können – denn nur da kann ich richtig abschalten und ein bisschen die Sau rauslassen.»

Eishockeyspielerin bei den HC Wisle Ladies, Michelle (38):

«Meine Teamkollegen sind meine Freunde, weswegen sie mir sehr fehlen. Das Eishockey-Training ist für mich ein zentraler Ausgleich zum stressigen Alltag und zum Familienleben. Zurzeit können wir, die HC Wisle Ladies, leider überhaupt nicht trainieren. Das Eis ist zu teuer, als dass wir es für ein Fünf-Personen-Training mieten könnten. Was mir gut tut, ist, dass ich als Nachwuchstrainerin weiterhin mit den Kleinen aufs Eis darf. So wird mir meine Leidenschaft nicht vollständig geraubt. Damit ich mich bei Laune halten kann und nicht in ein Loch falle, gehe ich zudem regelmässig Joggen oder ich trainiere zu Hause. Alleine Sport zu treiben, fällt mir jedoch schwer, da ich schon immer eine Mannschaftssportlerin war.»

Kickboxerin im San-Gym Biel, Sakira (19):

«Vor Anbeginn des zweiten Lockdowns habe ich zwei bis drei Mal in der Woche trainiert – so konnte ich mich auspowern und austoben. Das Kickboxen vermisse ich sehr, vor allem auch die neuen Freundschaften, die ich da schliessen konnte. Als Alternative zum Training trainiere ich jetzt mit meinem jüngeren Bruder. Er macht Karate und darf zurzeit ebenfalls nicht trainieren; wir können uns da also gegenseitig aushelfen. Die Kämpfe zwischen uns eskalieren zwar manchmal, da es keinen Schiedsrichter gibt, dafür können wir so immerhin etwas Dampf ablassen.»

Zumba-Tänzerin im Bailandostudio Biel, Brigitte (50):

«Ich tanze seit rund zwanzig Jahren und musste noch nie auf mein Training verzichten. Seit Dezember ist es anders. Die Zumba-Lektionen können nur noch online stattfinden, via Zoom. Ein- bis zweimal pro Woche loggen wir uns also alle am Computer ein und dann tanzt jede für sich in ihrer Stube, während die Leiterin auf dem Bildschirm die Schritte vorzeigt. Für diese Zoom-Trainings fehlt mir zwar manchmal die Motivation, weil ich zu Hause bin und sehe, was es alles noch zu erledigen gäbe. Dennoch schätze ich es sehr, dass uns die motivierte Leiterin dieses Online-Angebot zur Verfügung stellt. Denn auch wenn die dröhnende Musik und die sozialen Kontakte etwas fehlen, sind die Zoom-Trainings eine gute Alternative, die uns immer wieder einen Glücksmoment beschaffen.

Salsa-Tänzerin aus Busswil, Joline (15):

«Da der Paartanz verboten ist, kann ich bereits seit dem Herbst 2020 nicht mehr richtig trainieren. Mein Salsa-Kurs wird gar nicht mehr länger angeboten. Ich vermisse das Feeling, die Musik und meine Salsapartner sehr! Als Alternative dazu tanze ich dafür jetzt öfters alleine in meinem Zimmer, spät abends, wo mich zum Glück keiner sieht. Das ist zwar nicht ganz dasselbe, doch es tut trotzdem sehr gut!»

«Das Beste aus der aktuellen Situation machen»

Siegfried Nagel, Sie sind Professor für Sportsoziologie und -management an der Uni Bern. Welche Konsequenzen hat das «Stillstehen» der Sportvereine für die Mitglieder?

Was definitiv verloren geht, ist die soziale Gemeinschaft, das Treffen von anderen Menschen und das Pflegen von sozialen Kontakten – was gerade vor und nach dem Training oftmals eine wichtige Rolle spielt. Man begegnet sich zurzeit stets mit einer gewissen Distanz – besonders auch bei den Zoom-Trainings. Nebst dem Sozialen fehlt auch die Bewegung, doch dafür gibt es geeignete Alternativen.

Wie wichtig sind diese Alternativen?

Ich finde es wichtig, dass diese genutzt werden. Vereinstreffen sind wichtige Fixpunkte im Alltag. Die Bewegung ist aus gesundheitlicher Perspektive wichtig. Und aus Vereinssicht ist es wichtig, dass die Mitglieder ein Sportangebot nutzen können und dadurch nicht abspringen. Die sozialen Aspekte kommen bei diesen Alternativen etwas zu kurz, aber sie sind dennoch besser, als nichts zu tun.

Was raten sie den Vereinsmitgliedern?

Die Alternativen, die in verantwortungsvoller Form möglich sind, würde ich auf jeden Fall nutzen. Man kann sich beispielsweise in kleinen Gruppen draussen treffen. Es geht darum, das Vereinsleben so gut wie möglich aufrecht zu erhalten und gleichzeitig der aktuellen Situation gerecht zu werden. Die Sportvereine und Mitglieder sollten das Beste aus der aktuellen Situation machen.

Deine Meinung

3 Kommentare
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DraftK

11.02.2021, 08:56

Lasst doch einfach die Leute welche ins Fitness gehen möchten auch gehen, Sport stärkt auch das Immunsystem. Leute die angst haben oder ein erhöhtes Risiko aufweisen sollten zuhause bleiben.

Christian Stoll

11.02.2021, 08:50

Machen wir im Line Dance auch so. Geht super. Wir sind jedes Mal so um die 40 Teilnehmer.

Luzernis

11.02.2021, 08:43

arf ich als Beizer (alkoholische) Getränke im Take-away abgeben? Ja. Take-away ist gemäss Covid-19-Verordnung erlaubt, sofern gewährleistet wird, dass Ansammlungen vermieden werden und die Konsumation nicht vor Ort stattfindet. Betriebe, die keine gastgewerbliche Bewilligung haben, müssen sich an die Schliessungszeiten gemäss Ruhetags- und Ladenschlussgesetz halten. Die Covid-19-Verordnung wird von den kantonalen und kommunalen Behörden durchgesetzt, und zwar sowohl bei der Prüfung von Gesuchen als auch bei der Kontrolle von Situationen vor Ort.