Corona-Lehren aus der Geschichte: Mit diesen Lockdown-Regeln bekämpfte man einst die Pest
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Corona-Lehren aus der GeschichteMit diesen Lockdown-Regeln bekämpfte man einst die Pest

Nicht zum ersten Mal wird die Erde von einer Pandemie heimgesucht. Vor 432 Jahren wählte man ähnliche Massnahmen, wie eine alte Arzt-Broschüre zeigt.

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Anweisungen von Quinto Tiberio Angelerio während der Pest 1582-3 in Sardinien: Isolation, soziale Distanz, Geldstrafen, tägliche Nachbesprechungen + Glocken läuten & Kanonen abfeuern, um die Luft zu reinigen!

Anweisungen von Quinto Tiberio Angelerio während der Pest 1582-3 in Sardinien: Isolation, soziale Distanz, Geldstrafen, tägliche Nachbesprechungen + Glocken läuten & Kanonen abfeuern, um die Luft zu reinigen!

Wikimedia Commons/PD
Die Pest ist auch heute noch nicht besiegt, wie etwa ein Beispiel aus dem Jahr 2019 aus der Mongolei zeigt. Insgesamt 1000 bis 3000 Fälle pro Jahr registriert die WHO. Die meisten Pest-Fälle werden in Asien und Afrika verzeichnet. 

Die Pest ist auch heute noch nicht besiegt, wie etwa ein Beispiel aus dem Jahr 2019 aus der Mongolei zeigt. Insgesamt 1000 bis 3000 Fälle pro Jahr registriert die WHO. Die meisten Pest-Fälle werden in Asien und Afrika verzeichnet.

Screenshot Rossija
Insbesondere wegen der dichten Besiedlung in den Städten, des schwachen Gesundheitssystems und der hygienischen Bedingungen besteht dort laut WHO das Risiko einer schnellen Ausbreitung. Die Seuche wird in der Regel durch Flöhe auf Nagetiere übertragen. Das Problem: Viele Flöhe sind mittlerweile resistent gegen ein bisher hilfreiches Insektizid.

Insbesondere wegen der dichten Besiedlung in den Städten, des schwachen Gesundheitssystems und der hygienischen Bedingungen besteht dort laut WHO das Risiko einer schnellen Ausbreitung. Die Seuche wird in der Regel durch Flöhe auf Nagetiere übertragen. Das Problem: Viele Flöhe sind mittlerweile resistent gegen ein bisher hilfreiches Insektizid.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Ein Handbuch aus Italien zeigt, wie man vor mehr als 400 Jahren die Pest bekämpfte.

  • Die empfohlenen Massnahmen gleichen in weiten Teilen denen, die aktuell empfohlen werden.

  • Doch es gibt auch gravierende Unterschiede.

Machen Abstand halten, Quarantäne, Ausgehverbot und regelmässig lüften wirklich Sinn? Wenn man ein wenig in die Geschichte zurückblickt, ja. Das zeigt jetzt ein 432 Jahre altes Handbuch eines italienischen Arztes. Er beschreibt darin detaillierte Regeln, wie die Ausbreitung der Pest vermieden werden soll. Viele der Massnahmen ähneln den aktuellen Corona-Massnahmen.

Mit der Broschüre stellte der italienische Arzt Quinto Tiberio Angelerio im 16. Jahrhundert für die vom Schwarzen Tod heimgesuchte sardische Stadt Alghero insgesamt 57 Regeln auf. So wurden schon damals die Patienten unter Quarantäne gestellt und das Städtchen von der Aussenwelt abgeschottet.

Konsequent Abstand halten dank Stock

Genauer gesagt sollte eine dreifache Absperrung um die Stadtmauern den Handel mit der restlichen Welt verhindern, wie die BBC schreibt. Versammlungen wurden verboten und nur noch eine Person pro Haushalt durfte das Haus verlassen, um Einkäufe zu erledigen. Zudem mussten sie draussen einen fast zwei Meter langen Stock mit sich tragen, um Abstand zu ihren Mitmenschen zu wahren. An den Theken von Lebensmittelgeschäften wurden Geländer eingebaut, damit sich Kunden auch beim Einkaufen nicht zu nahe kamen.

Eine Gefahr sah Angelerio auch im Händeschütteln: Er rief die Menschen zur Vorsicht beim Friedensgruss während des Gottesdienstes auf. Ausserdem stellten Wachen sicher, dass Kranke und Kontaktpersonen nicht das Haus verliessen. Zudem sollte ein rotes Kreuz an der Tür die Mitmenschen vor den verseuchten Häusern warnen. Infizierte sollten auf abgelegenen Krankenstationen isoliert werden.

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Eine wichtige Corona-Massnahme weist Parallelen zu noch einer weiteren Seuche auf: der Tuberkulose. (Im Bild: Eine Riesenspinne, welche für Tuberkulose steht, fängt in ihrem Netz die Menschen ein, erstellt vom italienischen Roten Kreuz)

Eine wichtige Corona-Massnahme weist Parallelen zu noch einer weiteren Seuche auf: der Tuberkulose. (Im Bild: Eine Riesenspinne, welche für Tuberkulose steht, fängt in ihrem Netz die Menschen ein, erstellt vom italienischen Roten Kreuz)

Wikimedia Commons/Wellcome Images/CC-BY 4.0
Diese wütete vor rund 100 Jahren. Die bakterielle Infektionskrankheit bedrohte viele Menschen weltweit.

Diese wütete vor rund 100 Jahren. Die bakterielle Infektionskrankheit bedrohte viele Menschen weltweit.

Wikimedia Commons/Wellcome Images/CC BY 4.0
Trotzdem fand vielerorts Schulunterricht statt, so wie hier in Providence im US-Bundesstaat Rhode Island. Dieser war – dank der Idee zweier Ärztinnen – deutlich luftiger als man ihn sonst kennt. 

Trotzdem fand vielerorts Schulunterricht statt, so wie hier in Providence im US-Bundesstaat Rhode Island. Dieser war – dank der Idee zweier Ärztinnen – deutlich luftiger als man ihn sonst kennt.

Library of Congress/George Grantham Bain Collection

Mit Glockenläuten gegen den Erreger

Eine weitere Vorschrift wies Hausbesitzer dazu an, ihre Wohnräume sauber zu halten. So sollten sie regelmässig lüften, billige Einrichtung verbrennen und teure Möbel waschen, an die frische Luft setzen oder im Ofen desinfizieren. Bemerkten die Bürger, dass sich ihre Nachbarn nicht an die Regeln hielten, sollten sie es melden. Dafür wurden sie sogar bezahlt.

Schlechte Luft galt in dieser Zeit als Infektionsüberträger. Um sie zu reinigen, sollten unter anderem Glocken geläutet und Kanonenkugeln abgefeuert werden. Auch das Auftragen von Parfüms wird in dem Handbuch als geeignetes Schutzmittel beschrieben.

Im 14. Jahrhundert hatte der Schwarze Tod rund 50 Millionen Menschenleben rund um den Globus gefordert. 1582 hatte ein Seemann die Pest nach Alghero auf Sardinien gebracht.

Auch aus der Spanischen Grippe, die Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu 40 Millionen Menschen das Leben kostete, kann man Lehren für die Corona-Pandemie ziehen – auch für die eigene psychische Gesundheit.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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