Risiko am Steuer: Mit diesen Medis fahren Sie schlecht
Aktualisiert

Risiko am SteuerMit diesen Medis fahren Sie schlecht

Medikamente gegen Husten und Schnupfen sind zurzeit gefragt. Wie gefährlich diese im Strassenverkehr sein können, ist nur wenigen bewusst. Warnhinweise im Internet sollen nun aufklären.

von
J. Pfister

Eine Tablette gegen Kopfschmerzen oder eine Ladung Nasenspray für die triefende Nase - bei dieser Kombination wird kaum ein Autofahrer glauben, dass er sich besser nicht mehr hinters Steuer setzen sollte. Ein Irrtum. Denn nicht nur rezeptpflichtige Präparate beeinträchtigen die Fahrfähigkeit - sondern auch alltägliche Medikamente wie Grippe-, Husten- oder Allergiemittelchen können hinter dem Steuer zur Gefahr werden.

Im letzten Jahr forderten Unfälle nach Medikamenten -und Drogenkonsum auf Schweizer Strassen 150 Schwerverletzte und 20 Todesfälle. «Das Problem mit den Medikamenten am Steuer wird unterschätzt», sagt Daniel Menna von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu). Immerhin gebe es rund 3500 Medikamente, die die Fahrtüchtigkeit beeinflussen können. Die meisten davon verlängern die Reaktionszeit, die gerade bei Manövern wie dem Bremsen über Leben oder Tod entscheiden kann.

Um die Konsumenten zu sensibilisieren, hat die bfu deshalb auf der bereits bestehenden Internet-Plattform mymedi.ch die entsprechenden Medikamente mit einem roten Warnhinweis «Risk» ergänzt. Klickt man diesen an, erscheint die entsprechende Passage aus der Packungsbeilage sowie der Text «Beachten Sie diesen Warnhinweis, bevor sie sich ans Steuer setzen».

«Keine Zeit, um zu lesen»

Die bfu ist sich laut Menna bewusst, dass sie mit dieser Lösung nicht alle Konsumenten erreicht. «Nachdem sich das Bundesamt für Gesundheit im Rahmen von Via Sicura vor zwei Jahren dagegen entschieden hat, Warnhinweise direkt auf den Medikamentenpackungen anzubringen, ist die Aufklärung im Internet sicher eine gute Alternative.»

Dieser Meinung ist auch Bruno Liniger, Verkehrsmediziner von der Universität Zürich. «Wir unterstützen jede Anstrengung, die die Sicherheit in diesem Bereich erhöhen könnte.» Das Internet sei dafür eine ideale Plattform. «Gerade bei reaktionsverlangsamenden rezeptfreien Medikamenten wie Grippe-, Schlaf-, oder Allergiemitteln nehmen sich viele nicht die Zeit, den Beipackzettel ausführlich zu lesen.»

«Platz auf Schachtel ist beschränkt»

Allerdings hätte sich der Verkehrsmediziner gewünscht, dass die Schweiz nach dem Vorbild der EU die Medikamentenpackungen mit Piktogrammen versieht. Je nach Gefährdungsstufe werden in den EU-Ländern Piktogramme von Grün über Gelb und Orange bis Rot auf die Packungen geklebt. Gegenüber dem «Beobachter» sagte Liniger Ende August: «Es ist sehr bedauerlich, dass die Schweiz diese Praxis nicht übernimmt.»

Bei der Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic, die eine entsprechende Vorschrift erlassen könnte, heisst es auf Anfrage von 20 Minuten Online: «Der Platz auf der Medikamentenschachtel ist beschränkt. Müssten alle wichtigen Risiken eines Medikaments auf der Faltschachtel wiedergegeben werden, besteht die Gefahr, dass die ausführlichen Informationen in der Packungsbeilage dann nicht mehr gelesen werden.»

3500 Medikamente mit Gefahrenpotential

«Kann die Reaktionsfähigkeit, die Fahrfähigkeit und die Fähigkeit, Werkzeuge oder Maschinen zu bedienen, beeinträchtigen.» Über diesen Satz stolpert man öfters in Packungsbeilagen von Medikamenten. Auf der Internetplattform mymedi.ch findet man alle in der Schweiz zugelassenen Medikamente - davon auch die 3500 Präparate, die beim Fahren ein Risiko darstellen. Einfach den Namen des Medikaments eingeben und darauf achten, ob bei der Anzeige links ein «Risk»-Button erscheint.

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