Junge Tat: Neonazis werben mit perfiden Methoden um neue Mitglieder

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Neonazi-GruppeMit diesen perfiden Methoden geht die Junge Tat auf Mitgliederfang

Professionelle Videos, Flyer, «Aktionen», Körperkult: So wirbt die Neonazi-Gruppe Junge Tat um neue Mitglieder.

von
Daniel Graf
Michelle Bucher
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Die Neonazi-Gruppierung Junge Tat will wachsen. 

Die Neonazi-Gruppierung Junge Tat will wachsen. 

Telegram 20 Minuten
In gezielten Aktionen, mit Flyern und einem Kult rund um Körper und Uniformen ködern sie Menschen. 

In gezielten Aktionen, mit Flyern und einem Kult rund um Körper und Uniformen ködern sie Menschen. 

Junge Tat
Seit Kurzem stehen Mitglieder der Gruppierung auch mit erkennbaren Gesichtern und Namen zu ihren Aktionen und Videos. 

Seit Kurzem stehen Mitglieder der Gruppierung auch mit erkennbaren Gesichtern und Namen zu ihren Aktionen und Videos. 

Screenshot 

Darum gehts

Die Mitglieder der Jungen Tat geben sich patriotisch, naturverbunden und freiheitsliebend. Daran, dass es Neonazis sind, gibt es laut Experten aber keinen Zweifel. Auch die Propaganda, mit der sie neue Mitglieder anwerben wollen, erinnere stark an jene der NSDAP.

Darum ist das wichtig

Die Junge Tat erhielt kürzlich viel Aufmerksamkeit für ihre Störaktion bei einer Vorlesestunde von Dragqueens für Kinder. Auch von 20 Minuten. Laut Experten ist es unerlässlich, konsequent auf den neonazistischen und rechtsextremen Charakter wie auch auf die Gefahr für Minderheiten hinzuweisen, der von diesen Gruppierungen ausgeht. 20 Minuten hat das bereits im ersten Artikel getan. Jetzt vertiefen wir es.

Uniformen, Natur, fitte Körper

Auf den Sturmhauben der Jungen Tat prangt die Tyr-Rune, ein Treueabzeichen der Reichsführerschulen der NSDAP. Historikerin Hannah Einhaus listet weitere Punkte auf: «Die Symbolik von Blut und Boden, die Kameradschaft durch Uniform, der Körperkult, die Faustkämpfe, die Naturverbundenheit und das Überlegenheitsgefühl gegenüber Minderheiten; all das gab es schon im Nationalsozialismus.» In der Jungen Tat sieht Einhaus eine neue Generation von Rechtsradikalen, die schon in der Nazi-Zeit die demokratische Schweiz zu spalten versuchten. «Heute benutzen sie einfach andere Medien.»

Hast du schon einmal von der Jungen Tat gehört? 

Professionelle Videos, hippe Erscheinung

Einhaus beschreibt die Junge Tat mit «Weniger Glatze, mehr hipp»: «Das Weltbild vieler Neonazi-Gruppen ist sich sehr ähnlich und findet sich auch bei der Jungen Tat wieder.» Die Junge Tat macht aber mit professionellen Videos mit schnellem Schnitt und actiongeladener Musik Propaganda. Und greift Themen auf, die auf den ersten Blick nicht mit Neonazis in Verbindung gebracht werden und trotzdem sehr kontrovers diskutiert werden wie jüngst die Vorlesestunde von Dragqueens und den «Gender- und Woke-Wahnsinn».

Unzufriedenheit der Masse nutzen

Wie Sekten nutzt die Junge Tat Krisen. An Corona-Demos marschierten sie ganz vorne mit. «Unzufriedene Menschen ohne Orientierung lassen sich leichter radikalisieren», sagt Einhaus. Die Junge Tat versuche, die Menschen bei einem Thema zu gewinnen, sie dann an sich zu binden und abhängig zu machen. Dazu bauen sie gemeinsame Feindbilder auf – die Linke, Ausländer, die Medien oder die Weltwirtschaft – und machen Heilsversprechen. Während Aktionen, auf Flyern und in den Sozialen Medien verknüpft die Junge Tat die Unzufriedenheit potenzieller Mitglieder mit Feindbildern und vermeintlichen Lösungen.

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