Mit dieser Geheimwaffe will Nils Nielsen an der EM für Furore sorgen

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So tickt der DäneMit dieser Geheimwaffe will Nati-Coach Nielsen an der EM für Furore sorgen

Mit der Schweiz will der dänische Nationaltrainer bei der anstehenden EM reüssieren. Doch wer ist dieser Mann, der in Grönland geboren ist? 20 Minuten hat mit ihm kurz vor dem Turnier gesprochen. 

von
Nils Hänggi
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Nils Nielsen ist Trainer der Schweizer Frauen-Nati. 

Nils Nielsen ist Trainer der Schweizer Frauen-Nati. 

freshfocus
An der Europameisterschaft will er mit ihr reüssieren. 

An der Europameisterschaft will er mit ihr reüssieren. 

Marc Schumacher/freshfocus
Für den Dänen ist die mentale Arbeit sehr wichtig. Er sagt: «Doch wenn es im Kopf nicht stimmt, dann nützt alles nichts, dann gewinnt man nicht.»

Für den Dänen ist die mentale Arbeit sehr wichtig. Er sagt: «Doch wenn es im Kopf nicht stimmt, dann nützt alles nichts, dann gewinnt man nicht.»

Marc Schumacher/freshfocus

Darum gehts

  • Am Mittwoch startete die Fussball-EM der Frauen.

  • Am Samstag startet die Schweiz mit der Partie gegen Portugal ins Turnier. 

  • Wir stellen vor der Europameisterschaft Nati-Coach Nils Nielsen vor. 

«Wer ich bin?» Nils Nielsen lacht, als 20 Minuten ihm diese Frage stellt. Dann meint er: «Nun – ich spreche immer mit allen Spielerinnen, egal, ob sie spielen oder nicht.» Auch könne er gut zuhören. Nicht immer wisse er die Antwort auf alle Fragen, aber das sei nicht schlimm. «Ich weiss ganz genau, dass ich nicht alles weiss.» Nielsen lächelt. Eine mögliche Anspannung wegen der anstehenden EM ist nicht zu bemerken. 

Der Mann, der die Schweizer Nati an die EM 2022 in England geführt hat, ist Grönländer. Mit fünf Jahren kam er nach Dänemark, wo er auf der kleinen Ostsee-Insel Arrö aufwuchs. Der Däne träumte von einer Fussballer-Karriere, doch das Schicksal hatte andere Pläne mit ihm. Eine schwere Rückenverletzung mit 20 liess seinen Traum zerplatzen. Nüchtern meint der Nati-Coach: «Es war nie realistisch, dass ich ein Top-Spieler werde.»

Wie weit kommt die Nati?

Nielsen schrieb ein Buch

So absolvierte er die Trainerausbildung und war danach viele Jahre im Spitzennachwuchs des dänischen Clubfussballs tätig. Zwischendurch schrieb er ein Buch über Fussball, Liebe und Freundschaft. 2013 landete er beim dänischen Fussballverband und führte die Däninnen 2017 zum Vize-EM-Titel. Im Final mussten diese sich den Niederländerinnen 2:4 geschlagen geben. 

Nach einem kurzen Stopp bei den chinesischen U-20-Frauen übernahm der 50-Jährige 2019 die Schweizer Frauen-Nati. Nach einem Krimi im EM-Playoff gegen Tschechien spielt die Schweiz nun in einer Hammer-Gruppe gegen Portugal sowie die Turnierfavoritinnen Schweden und Niederlande. «Wenn wir 110 Prozent geben, dann kommen wir auch weiter in der Gruppe», so Nielsen. Es wäre das erste Mal, dass die Schweizerinnen an einer WM oder EM einen Viertelfinal erreichen würden. 

Damit dieser erreicht wird, setzt der studierte Sportpsychologe vor allem auf die Arbeit im mentalen Bereich. «Fussball besteht aus ganz vielen verschiedenen Sachen. Man muss sich physisch und taktisch vorbereiten», erklärt er und hält fest: «Doch wenn es im Kopf nicht stimmt, dann nützt alles nichts, dann gewinnt man nicht. Deshalb ist das mentale Training für mich das Wichtigste.» 

«Ich hoffe, dass wir in den Final kommen»

Die Geheimwaffe beim Finaleinzug der Däninnen 2017? Lächeln. Seine Spielerinnen kamen bei jedem Spiel lächelnd aufs Spielfeld. «Sie machten das, weil sie sich wohlgefühlt haben», so der Grönländer. «Das Lächeln kam aus dem Innersten der Spielerinnen. Alle anderen Teams waren erst nach den Spielen froh, wir schon vorher. Es zeigte, dass wir keine Angst hatten.» Sie seien merkwürdig zu bespielen gewesen. 

Nielsen ist, wie er erzählt, mit einem positiven Gefühl in den Flieger nach England gestiegen. Trotz zwei herber Testspiel-Klatschen vor dem Turnier mit elf Gegentoren und null eigenen Treffern. Nach der 0:4-Pleite gegen die Engländerinnen witzelt er: «Das Toreschiessen können die Stürmerinnen ja gegen Portugal nachholen.» Zudem verweist er darauf, dass die Däninnen 2017 auch zweimal vor der EM verloren hätten. Nielsen: «Ich hoffe, dass wir in den Final kommen und dann gegen Dänemark spielen.»

Es wäre eine grosse Sensation. Eine, die dem Frauenfussball in der Schweiz einen enormen Push geben könnte. Apropos Frauenfussball – das Fördern desselbigen liegt Nielsen sehr am Herzen: «Es kann nicht sein, dass es so grosse Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt. Als Vater oder Mutter würde man doch nie akzeptieren, wenn in der Schule die Tochter schlechter behandelt wird als der Sohn.» Oft hätten Buben in der Schweiz beste Trainingsbedingungen und Mädchen müssten sich auf der Toilette umziehen. Und weiter: «Die Menschen in der Schweiz müssen aufwachen. Denn das Problem ist: Viele denken nicht darüber nach.»

Ramona Bachmann lobt den Nati-Trainer. Gegenüber 20 Minuten sagt sie: «Nils stellt uns immer sehr gut auf die Spiele ein.»

Ramona Bachmann lobt den Nati-Trainer. Gegenüber 20 Minuten sagt sie: «Nils stellt uns immer sehr gut auf die Spiele ein.»

Andy Mueller/freshfocus

Ramona Bachmann lobt ihn

Durch die Arbeit als Frauentrainer erhalte er neue Blickwinkel, wie Nielsen sagt. «Die Arbeit mit den Frauen bringt mir sehr viel. Ich bin ja keine Frau, denke nicht wie sie.» Um Nebenschauplätze kümmert er sich derweil nicht. Kein Wunder, gilt er bei vielen Spielerinnen als cool und Top-Coach. Ramona Bachmann schwärmt gegenüber 20 Minuten: «Nils stellt uns immer sehr gut auf die Spiele ein.» Sollte die Schweiz bei der EM krachend scheitern, muss wohl dennoch über die Bücher gegangen werden. Aber das ist Zukunftsmusik.

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