Nicole Büchler: «Mit dieser Vorgeschichte ist das ein Wahnsinn»
Aktualisiert

Nicole Büchler«Mit dieser Vorgeschichte ist das ein Wahnsinn»

Nicole Büchler sorgt mit ihrem 6. Rang für das beste Resultat einer Schweizer Leichtathletin an Olympischen Spielen seit 1984.

von
Marcel Allemann
Rio
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Nicole Büchler gelang mit dem 6. Platz im Stabhochsprung-Final ein Exploit.

Nicole Büchler gelang mit dem 6. Platz im Stabhochsprung-Final ein Exploit.

Keystone/Peter Klaunzer
Das ist das beste Resultat einer Schweizer Leichtathletin seit 1984.

Das ist das beste Resultat einer Schweizer Leichtathletin seit 1984.

Keystone/Peter Klaunzer
Obwohl Büchler an einer Oberschenkel-Verletzung laboriert holte sie das Maximum aus sich heraus.

Obwohl Büchler an einer Oberschenkel-Verletzung laboriert holte sie das Maximum aus sich heraus.

Keystone/Peter Klaunzer

Ausgerechnet Nicole Büchler. Büchler, die es zuvor an einer grossen internationalen Freiluftmeisterschaft nie auf die Reihe und in einen Final geschafft hat, weil ihr die Nerven einen Streich gespielt hatten. Büchler, die wegen einer Oberschenkelverletzung in den letzten sechs Wochen nicht mehr vernünftig trainieren konnte, ohne jegliche Erwartungen in Rio anreiste und vor einer Woche noch nicht einmal wusste, ob sie überhaupt wird antreten können oder nicht.

Erst das dritte Diplom einer Schweizer Leichtathletin

«Dass ich 4,70 springe, hier einen sechsten Platz erreiche und am Schluss sogar noch um die Medaillen mitspringen kann, ist ein Wahnsinn mit dieser Vorgeschichte», zeigte sich die Bielerin überwältigt. Und sie hat in der Tat allen Grund, stolz auf sich zu sein. Büchler sorgte für das beste Resultat einer Schweizer Leichtathletin an Olympischen Spielen seit 1984, als Cornelia Bürki in Los Angeles über 3000 m den 5. Rang erreichte. Und neben Bürki und Meta Antenen (6. 1972 in München im Weitsprung), ist sie erst die dritte Schweizerin, die in der Leichtathletik ein Olympisches Diplom geholt hat.

Büchler wusste denn auch ihren Exploit entsprechend einzuordnen. «Dieser 6. Platz an Olympischen Spielen bedeutet mir mehr, als wenn ich an der EM im Juli eine Medaille geholt hätte», sagte sie. Damals musste sie in Amsterdam wegen ihrer Verletzung passen. «Schade ist einzig, dass diese mich halt schon zurück geworfen hat. Die sechs Wochen Training fehlten mir heute schon», konstatierte Büchler. Wäre sie topfit gewesen, wäre vielleicht sogar der grosse Medaillen-Coup möglich gewesen. Mit der Neuseeländerin Eliza McCartney, die am Ende Bronze gewann, bewegt sich Büchler für gewöhnlich auf Augenhöhe. Beide haben eine persönliche Bestleistung von 4,80 m stehen. Gold ging an die Griechin Ekaterini Stefanidi mit 4,85 m.

«Das war das Maximum, was ich geben konnte»

Ihre Verletzung habe sie beim Einwärmen gespürt, verriert die 32-jährige Seeländerin weiter. «Aber ich wurde medizinisch optimal betreut, der Physioterapeut konnte diese Spannung wieder lösen.» Danach habe sie keine Probleme mehr gehabt, «aber gegen Ende des Wettkampfs wurde ich dann schon müde. Was ich gezeigt habe, ist sicher das Maximum von dem, was ich geben konnte.» Die letzten Wochen seien «vor allem auch emotional» sehr schwer gewesen: «Es war ein Auf und Ab und zwischendurch hatte ich zum Teil auch keine Lust mehr.» Dafür, dass sich Büchler trotzdem durchbiss, wurde sie nun in Rio entschädigt.

Büchler will bis 2018 weiterspringen

Trotz ihrer Oberschenkel-Probleme denkt Büchler nun nicht daran, die Saison zu beenden. Anfangs September bei Weltklasse Zürich, wo das Stabhochspringen als Show-Event im Hauptbahnhof stattfinden wird, will sie unbedingt antreten, «denn die Verletzung ist ja nicht schlimmer geworden.»

Auch bezüglich ihrer längerfristigeren Zukunft hat Büchler bereits Pläne. Urspünglich wollte sie ihre Karriere nach diesem Olympia-Jahr beenden, «doch nun habe ich die beste Saison meiner Karriere gemacht und habe noch immer soviel Freude am Stabhochspringen, so dass ich denke, dass ich noch zwei Jahre weiter mache.»

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