Aktualisiert 22.04.2018 11:04

PininfarinaMit einem elektrischen Hypercar zu neuem Ruhm

Jahrzehntelang hat Pininfarina die schönsten Autos für Ferrari und Co. gezeichnet. Jetzt wollen die Italiener selber zum Luxus-Hersteller werden.

von
Thomas Geiger
22.4.2018
Eine erste Skizze des elektrischen Hypercars von Pininfarina.

Eine erste Skizze des elektrischen Hypercars von Pininfarina.

Pininfarina

Seit fast 90 Jahren schmücken sich Ferrari, Alfa Romeo, Fiat, Peugeot und ein Dutzend andere Marken mit fremden Lorbeeren. Doch jetzt will sich das italienische Designstudio Pininfarina emanzipieren: «Wir bauen bald unsere eigenen Autos und vertreiben sie unter unserem eigenen Namen», sagt Firmenchef Paolo Pininfarina stolz. Und skizziert das Bild einer rein elektrischen Luxusmarke, deren Portfolio dort anfängt, wo das von Tesla schon lange aufgehört hat.

Mit Hilfe aus Indien

Hilfe bekommt er dabei aus Indien: Denn 2015 hat der Grossindustrielle Anand Mahindra den Designdienstleister und Karosseriebauer aus Italien übernommen, um damit sein bislang vor allem auf billige Massenautos und die grösste Traktorproduktion der Welt gebautes Imperium zu krönen. Der Mann, der Mahindra zu Erfolg verhelfen soll, heisst Michael Perschke. Er war lange Jahre in Diensten des VW-Konzerns, hat zuletzt die Audi-Geschäfte in Indien geleitet und ist dort von Anand Mahindra mit der Markengründung betraut worden. Jetzt hat er ein mittleres dreistelligen Millionen-Budget, aus dem er innert fünf Jahren eine Mischung aus Bugatti und Bentley zaubern soll – aber rein elektrisch.

Das Design des neuen Lamborghini Urus

Der Urus ist unzweifelhaft ein waschechter Lamborghini. Er nimmt einige Anleihen vom LM002 und den legendären Supersportwagen aus der Lamborghini Geschichte.

Mehr als 400 Stundenkilometer

Beginnen will er dabei 2020 mit dem schnellsten, stärksten und wohl auch teuersten Elektro-Sportwagen der Welt. «Der PF01 wird die elektrische Antwort auf den Bugatti Chiron», verspricht Perschke. Den Sprint von 0 auf 100 soll der Hypercar in weniger als zwei Sekunden schaffen, Tempo 300 in weniger als zwölf. Und die Höchstgeschwindigkeit soll jenseits von 400 km/h liegen. «Unter zwei Millionen Euro wird es wohl kaum gehen», sagt der Pininfarina-Chef. «Das Auto wird streng limitiert sein und keine 100 Mal gebaut.»

Mit diesem Paukenschlag mag sich Pininfarina Gehör verschaffen, doch für maximal 99 Autos lohnz sich der Aufwand nicht. Perschke plant deshalb bereits über den PF01 hinaus, will mittelfristig drei bis vier Modellreihen anbieten und schon ab 2021 auf deutlich grössere Stückzahlen kommen: Dann sollen die Preise mit einem SUV ins Sechsstellige sinken und der Ausstoss der Fabriken in Italien dagegen aufs Vierstellige steigen.

Doch wollen es die Italiener mit dem Egoismus nicht übertreiben. Schliesslich gibt es neben den mittelfristig 50 Mitarbeitern in München weiterhin rund 600 Entwickler, Designer und Monteure in Cambiano, die mit dem elektrischen Prestige-Projekt nicht ausgelastet wären. Deshalb werden sich Ferrari & Co. auch künftig mit fremden Lorbeeren schmücken können.

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