30.06.2018 10:24

Diensthundeführer«Mit einem Polizeihund ist nicht zu spassen»

Verbrecher schnappen, vermisste Personen aufspüren, nach Drogen suchen: Von Polizeihunden wird einiges abverlangt. Stephan Matt erzählt vom Alltag mit einem Schutzhund.

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mon

Stephan Matt, Diensthundeführer bei der Stadtpolizei Winterthur, erzählt über den Alltag mit seinem Polizeihund Rocky. (Video: 20 Minuten)

Sie sind ein eingespieltes Team, der holländische Schäferhund Rocky und sein Herrchen Stephan Matt, Diensthundeführer bei der Stadtpolizei Winterthur: «Man hat eine sehr enge Bindung zu seinem Diensthund.» Das müsse aber auch so sein: «Rocky ist ja jeden Tag dabei und hat eine sehr wichtige Funktion.» Dabei spiele gegenseitiges Vertrauen eine wichtige Rolle: «Ich muss mich auf Rocky verlassen können und er muss wissen, dass ich ihn führen kann», sagt Matt.

«Ein Golden Retriever eignet sich nicht als Schutzhund»

Matt hat viel Erfahrung im Schutzhundebereich, der 5-jährige Rocky ist nicht sein erster Diensthund: «Ich hatte schon einige Hunde und auch unterschiedliche Rassen.» Daher weiss er, dass sich nicht jede Rasse als Polizeihund eignet.

«Ein Golden Retriever eignet sich nicht als Schutzhund.» Aber für die Suche nach Betäubungsmitteln, Bomben, vermissten und toten Personen könne man durchaus Labradore oder Golden Retriever ausbilden.

«Es ist schwierig, den richtigen Welpen auszusuchen»

Um den passenden vierbeinigen Partner zu finden, geht es erst mal mit einem Instruktor auf Welpensuche: «Natürlich sind alle Welpen süss, da gilt es, den gesunden Menschenverstand einzuschalten.» Und auf den Züchter zu hören: «Der kennt seine Hunde am besten.»

Der Welpe darf dann im Alter von 8 bis 12 Wochen bei seinem neuen Herrchen einziehen. Nach einer einwöchigen Eingewöhnungsphase geht es bereits an die erste Diensthundeübung.

Ausbildung ist gewaltfrei

Die Ausbildung verlaufe gewaltfrei: keine Elektroschocker oder Stachelhalsbänder. «Solche Methoden sind veraltet und schon lange verboten», so Matt. «Wir setzen auf positive Verstärkung und Clicker-Training – dabei benötigt man nur einen Marker und Futter.» Diese Methode beruhe auf der klassischen Konditionierung und wird mit Hunderten Wiederholungen gefestigt: Wenn der Hund etwas gut macht, wird geklickt und er erhält ein Leckerli: «Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht.»

Es käme aber natürlich auch auf den Hund an. «Jeder spricht auf eine andere Methode an.» Auch der Hundeführer müsse hinter der Methode stehen: Da sei es egal, ob der Hund im privaten Bereich «verbäbelet wird», am Ende der Ausbildung muss der Hund funktionieren.

Es gibt Hunde, die brauchen länger

Und um das zu erreichen, braucht es Disziplin und Ehrgeiz: Die Ausbildung dauert 24 bis 36 Monate – je nach Hund und Rasse. «Es gibt solche, die werden im Kopf schneller erwachsen. Andere brauchen länger.» Es könne auch vorkommen, dass sich nach zwei Jahren Training herausstellt, dass der Hund sich weder wesens- noch gesundheitstechnisch eignet: «Dann entscheidet der Hundeführer, was weiter geschieht, allenfalls kann man den Hund umplatzieren, ich hatte leider mal so einen Fall», so Matt.

Die Haltungskosten des Diensthundes werden von der Stadtpolizei Winterthur getragen: «Tierarztrechnungen werden übernommen und Diensthundeführende erhalten eine monatliche Entschädigung, das ‹Futtergeld›, für ihren Diensthund.»

Mit einem Polizeihund ist nicht zu spassen

Hat ein Hund seinen Dienst geleistet, wird er pensioniert – dies sei aber stark von der Gesundheit des Hundes abhängig: «Auch ein 10-jähriger Hund kann noch im Einsatz stehen.» Danach darf er seinen Lebensabend bei seinem Hundeführer geniessen. «Bei uns gibt man den Hund nicht weg wie teilweise bei der ausländischen Polizei.»

Ein Fall mit einem Diensthund ist Matt besonders in Erinnerung geblieben: «Nach einem Einbruch konnten wir mit dem Hund eine Fährte aufnehmen und die Diebe aufspüren.» Weil sich die Verdächtigen gegen den Polizeieinsatz gewehrt hätten, habe der Hund zugebissen. «Mit einem Polizeihund ist eben nicht zu spassen.»

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