Aktualisiert 27.07.2012 07:37

«Romance Scamming»

Mit einem Porno-Star auf Männerfang

Fast wäre Hans B. auf einen Schwindel hereingefallen: Die Fotos, die er von seiner Internet-Bekanntschaft erhielt, sind geklaut. Der Porno-Star als Köder - eine beliebte Masche der Web-Betrüger.

von
dwi/jsk

Sie klauen Fotos hübscher Frauen und Männer im Netz, erstellen gefälschte Profile auf Facebook und in Single-Portalen, ködern ihre Opfer, chatten, flirten und verlangen schliesslich Geld: Internet-Betrüger bedienen sich der immer gleichen, dreisten Masche. Und dieses Muster scheint zu funktionieren: Gemäss Cyberkriminalitätsexperte Guido Rudolphi werden jährlich rund 10 000 Personen in der Schweiz Opfer eines solchen «Romance Scams».

Auch Hans B. wäre fast auf diese fiese Tour hereingefallen. Er beginnt, mit einer unbekannten jungen Frau zu chatten, erhält dutzende Fotos, ellenlange Mails, eine Geldforderung und schliesslich eine saftige Drohung: Sie werde ein Nackt-Video von ihm veröffentlichen, wenn er ihr nicht Geld überweise. B. wird skeptisch, bricht den Kontakt ab und erstattet Anzeige. «Dabei weiss ich nicht einmal, ob es diese Frau gibt», sagt er. Zahlreiche Leser jedoch wissen es: Weder heisst die Dame Claudia Lavoie, noch hat sie jemals mit B. gechattet. Die Fotos zeigen die amerikanische Porno-Darstellerin Raven Riley.

Andressa, Claudia, Christelle

Doch nicht nur die Fotos gaukeln dem 70-Jährigen einen heissen Internet-Flirt vor, sogar der Video-Chat muss eine Fälschung sein. «Es war noch ganz am Anfang. Wir haben uns per Skype angesehen und miteinander geplaudert», erzählt der Basler. Nur wenige Minuten dauerte das Gespräch, der Empfang war gut, die Worte von «Claudia» deutlich. «Vielleicht habe ich einfach mit einer Frau gechattet, die ähnlich aussieht», sagt B. Zu einem zweiten Gespräch kommt es nie, das einzige, was der Basler noch zu sehen bekommt, sind die Riley-Fotos.

Diese sind bei Betrügern offenbar hoch im Kurs. Auf zahlreichen Profilen geistern die Bilder des Porno-Stars durch das Netz und locken Männer in die Chats (siehe Diashow). «Mir hat eine Andressa Angel mit den gleichen Fotos eine Freundschaftsanfrage auf Facebook gesendet», schreibt ein Leser. Ein weiterer Leser erkennt das Foto der Porno-Darstellerin ebenfalls: «Ich hatte mit der gleichen Dame Kontakt. Ihr Skype-Name war christellelovings3.»

Die Betrüger zu erwischen ist fast unmöglich

Wahllos kontaktieren die Betrüger in Netzwerken und Portalen unter diesen gefälschten Profilen andere Nutzer und bleiben dabei praktisch immer unerkannt. «Gegen diese Machenschaften vorzugehen ist extrem schwierig, da sich die Täter oft im Ausland befinden und im Netz kaum Spuren hinterlassen», sagt Marc Henauer von der Melde- und Analysestelle Informationssicherung Melani. Die Person zu erwischen, die mit Hans B. geflirtet und ihn anschliessend erpresst hat, ist deshalb wohl unmöglich.

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