Aktualisiert 17.03.2011 21:22

Kritik von Technikern

Mit einem Tsunami wurde nie gerechnet

Techniker, die beim Bau von Fukushima I mitgearbeitet haben, kritisieren fundamentale Fehler. Erdbebensicherheit sei beim Bau ein Thema gewesen - nicht aber ein Tsunami.

von
ast

Zwei Konstrukteure sind mittlerweile an die Öffentlichkeit gelangt. Sie üben heftige Kritik am AKW-Betreiber Tepco. Beim Bau von Fukushima I seien viele Sicherheitssysteme ungenügend dimensioniert worden.

Der Ingenieur Masashi Goto sagte bei einer Pressekonferenz der atomkritischen Bürgerinitiative «Citizen's Nuclear Information Center», mehrere Teile der Anlage seien nicht für ein Szenario ausgelegt worden, wie es jetzt eingetreten ist.

Das Containment etwa vermochte nur die Hälfte des Drucks auszuhalten, der bei der jetzigen Katastrophe hätte ausgehalten werden müssen. Auch die Abluftrohre, mit deren Hilfe in den letzten Tagen Dampf abgelassen wurde, seien möglicherweise zu klein dimensioniert worden.

Erdbeben-Prognosen seien zu optimistisch gewesen, sagte Goto. Die Reaktoren seien nur für Erdbeben mit der Maximalstärke 8,2 ausgelegt worden. Der Erdstoss vom letzten Freitag hatte bekanntlich die Stärke 9,0.

Ein weiterer Mitarbeiter, Toshiba-Ingenieur Shiro Oguro, sagte, ein Tsunami sei beim Sicherheitskonzept gar nicht berücksichtigt worden. Und das, obwohl das Atomkraftwerk direkt am Meer gelegen ist. Es sei nicht einkalkuliert worden, dass die Notstromversorgung vor einer Flutwelle ungenügend geschützt ist.

Überhaupt habe man sich beim Bau von Fukushima I praktisch eins zu eins an Pläne der US-Firma General Electric gehalten. «Wir haben nie überprüft, ob die vorgesehenen Massnahmen ausreichen», sagte Ogura. Der heute pensionierte Ingenieur sagte, Japan hätte zum Zeitpunkt des Baus von Fukushima I keine ausreichenden Kenntnisse über die Atomtechnologie gehabt.

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