Hooliganismus: Mit einem Verbot doppelt gestraft

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HooliganismusMit einem Verbot doppelt gestraft

Jetzt gilts ernst: Hooligans, die mit einem Stadionverbot belegt sind, dürfen künftig weder ein Fussball- noch ein Eishockey-Stadion betreten.

Stadionverbote im Fussball und Eishockey werden ab der neuen Saison in der ganzen Schweiz einheitlich geregelt. Anfang Jahr waren in der Schweiz 974 Personen mit einem Stadionverbot belegt, 645 betreffen den Fussball, 329 den Eishockey, wie die Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten der Schweiz (KKPKS) und die Schweizerische Zentralstelle Hooliganismus (SZH) am Donnerstag mitteilten.

In enger Zusammenarbeit mit den Fussball- und Eishockeyligen wird auf die beiden Saisonstarts die Standardisierung der gesamtschweizerischen Stadionverbote umgesetzt. Das bedeutet, dass ab der neuen Saison ein im Fussball ausgesprochenes Stadionverbot parallel auch im Eishockey und umgekehrt Gültigkeit hat.

Ein Verbot aussprechen dürfen nur die Klubs, der Verband beziehungsweise im Eishockey die Liga, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Das gemeinsame Vorgehen hat eine Arbeitsgruppe beschlossen. Sie setzt sich zusammen aus Mitgliedern der Fussball- und Eishockeyverbände sowie der SZH und des Fachbereichs Hooliganismus des Bundesamtes für Polizei (fedpol).

Stadionverbot gilt während 3 Jahren

Gewalttätige Fussballfans werden ins Polizeiinformationssystem HOOGAN eingetragen, wie Marco Cortesi, Sprecher der Zürcher Stadtpolizei, auf Anfrage sagte. Ein Stadionverbot, das im Zusammenhang mit Gewalt ausgesprochen wurde, gelte jeweils während 3 Jahren. Für die Bewirtschaftung von HOOGAN ist das fedpol zuständig.

Die Kontrolle der Verbote erfolgt einerseits durch die Klubs selbst, anderseits sind bei Matches stets auch Szenekenner der Polizei vor Ort. Dass der eine oder andere Hooligan trotz Verbot ein Stadion betrete, könne man nie ganz ausschliessen, räumte Cortesi ein. Die Mehrheit der Hooligans könne man aber bestimmt daran hindern.

Vernetzung mit dem Ausland

Seit Mai 2010 führt die Zentralstelle Hooliganismus zudem Ausbildungskurse für polizeiliche Szenekenner durch, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Dabei werden einheitliche Vorgehensweisen bei Sportveranstaltungen vermittelt. Auch die Vertiefung taktischer, rechtlicher und psychologischer Aspekte ist ein Thema.

An den Kursen nehmen unter anderen auch szenekundige Beamte aus Deutschland und Österreich teil. Damit werde der Erfahrungs- und Informationsaustausch über die Landesgrenzen hinaus gefördert und gewährleistet, heisst es.

Zentrale Funktion der Stapo Zürich

Reagieren wolle man auch auf die zunehmende Gewalt gegen polizeiliche Spotter und Szenekenner. So habe man Massnahmen und Verhaltensempfehlungen ausgearbeitet, die nun den Polizeikommandanten vorgelegt werden. Ziel sei es, schweizweit ein einheitliches Vorgehen der Polizeikorps zu erreichen.

Die SZH wurde im Jahr 2000 als Projekt- und Arbeitsgruppe eingerichtet. Am 1. Januar 2008 wurde sie institutionalisiert und ist seither bei der Stadtpolizei Zürich angesiedelt. Sie informiert die Polizeikorps bei drohenden Ausschreitungen bei Sport- und Grossveranstaltungen. Darüber hinaus dient die SZH den Polizeien als Auskunftsstelle. Sie arbeitet eng mit dem fedpol zusammen.

(sda)

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