Organtransplantation: Mit Facebook zur neuen Niere
Aktualisiert

OrgantransplantationMit Facebook zur neuen Niere

Mithilfe von Facebook kann man nicht nur alte Schulfreunde finden, sondern auch eine neue Niere. Dies zeigt die Geschichte von Damon Brown, einem Familienvater aus den USA.

von
Donna Gordon Blankinship
ap
Damon Brown im Kreise seiner Familie. (27.12.2011)

Damon Brown im Kreise seiner Familie. (27.12.2011)

Der 38-jährige Damon Brown richtete unter dem Namen «Damon Kidney» eine Seite ein und bat um eine Spenderniere. Tatsächlich meldete sich eine Bekannte der Familie und Brown bekommt diese Woche seine neue Niere. «Sie sagte, sie tue das eigentlich nicht für mich», erzählt Brown. «Es sei für meine Kinder, weil sie einen Vater verdienen.» Seine Ehefrau kennt die Spenderin schon seit Jahren, sie ist aber keine enge Freundin der Familie. Und so wäre der Kontakt ohne Facebook wahrscheinlich nie zustande gekommen, weil Brown seine Krankheit zunächst lieber für sich behielt.

Seine Geschichte sei gar nicht so ungewöhnlich, wie die gemeinnützige Organisation United Network for Organ Sharing erklärt, die für die US-Bundesregierung die Organtransplantationen in den USA organisiert. «Mehr und mehr Leute finden sich über soziale Medien», sagt die Sprecherin April Paschke. «Das ist eine Ausweitung unserer Kommunikation. Vor dem Internet haben die Menschen andere Wege gefunden: über ein Kirchenblatt, Mundpropaganda oder Anzeigen.»

Kaum noch Kraft für die Söhne

Brown war es erst peinlich, öffentlich um Hilfe zu bitten. Er stand auf der offiziellen Transplantationsliste und ging zur Dialyse, aber seine Gesundheit verschlechterte sich. Er fühlte sich ständig erschöpft und hatte kaum noch Kraft für seine Söhne, den fünfjährigen Julian und den dreijährigen Theo. «Ich bin ein starker Mann, aber ich muss sagen, das Jahr war hart», sagt er. Brown wusste, dass er auf die Niere eines Verstorbenen mindestens drei Jahre warten müsste.

An einem besonders schweren Tag beschlossen Brown und seine Ehefrau Bethany, die Facebook-Seite einzurichten. Sie erreichten mehr als 1400 Facebook-Freunde. Vor einigen Wochen, als die Transplantation genehmigt war, teilte Brown die gute Nachricht auf seiner Facebook-Seite mit. Mehr als 300 Menschen antworteten. «Wow, was für ein tolles Weihnachtsgeschenk», schrieb Kelly Hallissey. «Das ist fantastisch», schrieb Brenda Tomtan.

Spenderin will etwas zurückgeben

Im Jahr 2010 wurden in den USA 16 800 Nierentransplantationen durchgeführt. In 6277 Fällen kam das Organ von einem lebenden Spender, wie das Network for Organ Sharing erklärte. In den USA werden durchschnittlich jeden Tag 46 Nieren transplantiert, während gleichzeitig 13 Patienten sterben, die auf der Transplantationsliste stehen.

Brown bekommt sein Organ von der 45-jährigen Jacqueline Ryall. Sie erklärt, sie wolle angesichts ihrer guten Gesundheit etwas zurückgeben. «Der wahre Grund, warum ist das tue, besteht darin, dass er Kinder hat und ein guter Mann ist», sagt die kinderlose Ryall. «Mir geht es gut. Ich habe viel bekommen und ich habe die Verantwortung, etwas zurückzugeben.»

Ihre Mutter versteht nicht, warum sie ihre Niere einem Mann geben will, der nicht zur Familie gehört. Ihre Angehörigen sorgen sich um ihre Gesundheit. Aber Ryall hat sich informiert und beschlossen, dass es für eine gesunde Frau relativ sicher ist, eine Niere zu spenden. «Es ist absolut das Richtige», sagt sie.

«Ich würde es wieder tun»

Das fand auch April Capone, die frühere Bürgermeisterin von East Haven im US-Staat Connecticut. Sie erhielt via Facebook eine Nachricht von einem ihrer Wähler, der eine neue Niere brauchte. Der Arzt hatte Carlos Sanchez überzeugt, seine Erkrankung nicht für sich zu behalten. «Von der Sekunde, in der ich seine Nachricht sah, wusste ich, dass ich die Spenderin sein würde», erzählt Capone, die Sanchez damals kaum kannte. Heute sind sie wie Geschwister, telefonieren fast täglich und treffen sich regelmässig zum Mittagessen.

Capone erklärt, sie habe keine persönlichen Gründe für die Organspende gehabt. Sie habe einfach nur ein Leben retten wollen. «Das ist das Beste, was ich je in meinem Leben getan habe», sagt sie. «Ich wünschte, ich hätte mehr. Ich würde es wieder tun.»

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