Stadtpolizei Zürich: Mit Fadenkreuz und Totenkopf
Aktualisiert

Stadtpolizei ZürichMit Fadenkreuz und Totenkopf

Jeder dritte Stadtpolizist hat Angst, im Dienst angegriffen zu werden. Privat geben sich die Beamten des Kreis 4 jedoch gerne als harte «Cops».

von
Ronny Nicolussi

Sie sind um ihren Job nicht zu beneiden, die Polizisten im Zürcher Kreis 4. Das Gebiet rund um die Langstrasse ist ein hartes Pflaster. Eine ruhige Kugel schiebt hier niemand. Erst kürzlich ging aus einer Diplomarbeit am Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Bern hervor, dass Übergriffe gegen Polizisten deutlich zunehmen. Jeder dritte Polizist habe demnach Angst, im Dienst angegriffen zu werden.

Danach sieht es allerdings nicht aus, wenn man einen Blick in den internen Online-Shop der Regionalwache Aussersihl wirft. Angeboten werden etwa Pullover, T-Shirts, Tangas und Merchandisingprodukte mit dem Aufdruck «chreis 4 cop». Der Schriftzug wird von einer gezeichneten Darstellung des Kreis 4 durch ein Zielfernrohr begleitet. Erst vor knapp einem Jahr sorgte die Stadtpolizei Zürich mit der Aktion «Respekt» für Aufsehen. Die Beamten wurden damals, wegen hartem Durchgreifen an der Langstrasse, als Möchtegern-Rambos kritisiert. Jetzt erhält der Vorwurf neue Nahrung.

Allerdings wehrt sich der Initiator des Shops vehement gegen diese Darstellung. Betrieben wird der Shop vom 51-jährigen Wachtmeister Walter Maurer. Dieser leistet seit 26 Jahren Dienst bei der Stadtpolizei Zürich, seit acht Jahren im Kreis 4. Seinen Shop sieht er als Instrument für Teambildung und Motivation der Polizisten.

Harte Cops in der Freizeit?

Die Artikel seien vor allem für den Freizeit-Gebrauch gedacht. Einzig eine Krawattennadel und Aufkleber für das Magazin der Pistole (siehe Bilder) würden während des Dienstes getragen. Trotzdem schweissten die Produkte die Einheit zusammen. Dass die Polizisten in der Freizeit mit den Requisiten im Hip-Hop-Stil die harten Cops spielen wollten, was so gar nicht zum gewünschten Bild des Polizeikommandos passen würde, verneint Maurer gegenüber 20 Minuten Online: «Für mich ist Cop einfach ein Ausdruck für Polizist.» Zudem stehe auf den meisten Produkten sowieso nur die Kurzform des Slogans «c4c», die wohl für niemanden eine Provokation darstelle.

«Vertretbarer Rahmen»

Das Polizeikommando weiss von den Produkten. Polizeisprecher Marco Cortesi sagt: «Das ist nicht wahnsinnig tragisch. Die Artikel bewegen sich in einem vertretbaren Rahmen.» So viel Freiheit müsse schon drinliegen. Keine Freude hat das Kommando hingegen an einer Espressotasse, die mit einem Totenkopf verziert ist, der eine «c4c»-Mütze trägt. Solange solche Produkte nur im Privatbereich gebraucht würden, könne man aber damit leben. «Entscheidend ist, wie sich ein Polizist verhält», so Cortesi.

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