Bezirksgericht Zürich: Mit falschen Patienten Krankenkasse betrogen
Aktualisiert

Bezirksgericht ZürichMit falschen Patienten Krankenkasse betrogen

Ein Zürcher Profibetrüger hat mit einer Spitex-Firma rund 210 000 Franken ergaunert. Der geständige Täter hat mit falschen Rechnungen für gar nie erbrachte Leistungen mehrere Krankenkassen abgezockt.

von
Attila Szenogrady

Der heute 42-jährige Serbe war der langjährige Geschäftsführer der Zürcher Spitexfirma «Realis Vitalis GmbH». Wobei aber vor allem irreale Dinge passierten. So führte der Angeklagte zwischen Oktober 2004 und September 2005 rund ein Dutzend Krankenkassen hinters Licht. Der Dreh war dabei denkbar einfach. Er führte dabei die Behandlung von rund 110 angeblichen Patienten auf. Es handelte sich dabei vorwiegend um aus Südosteuropa stammende Personen mit Migrationshintergrund.

Krankenkassen zahlten brav

Dann erstellte der Angeklagte diverse Rechnung für Spitexleistungen oder Heilmassagen, die in Wirklichkeit gar nie erfolgt waren. Da der Pflegefachmann eine kantonale Bewilligung besass, schöpften die Krankenkassen längere Zeit keinen Verdacht und zahlten brav. Als der Angeklagte im Oktober 2005 aufflog und für über ein Jahr in der Untersuchungshaft verschwand, war der Deliktsbetrag von über 164 000 Franken beträchtlich. Hinzu kamen weitere 45 000 Franken an ertrogenen Arbeitslosengeldern.

Eine «Kettenreaktion»

Am Mittwoch legte der Täter am Bezirksgericht Zürich ein umfassendes Geständnis ab. Er sprach von einer «Kettenreaktion», die durch eine Ueberschuldung seiner Firma entstanden sei. Sein Verteidiger Valentin Landmann bezeichnete seinen Mandanten als einen hervorragenden Pfleger, aber auch als einen miserablen Unternehmer. Die Staatsanwaltschaft verlangte wegen gewerbsmässigen Betrugs sowie mehrfacher Urkundenfälschung eine teil bedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren. Davon sollte der Familienvater 16 Monate verbüssen. Die Verteidigung setzte sich dagegen für eine bedingte Strafe von zwei Jahren ein.

Strafe bereits verbüsst

Wegen des umfassendes Geständnisses setzte das Gericht eine teil bedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten fest. Die Hälfte davon auf Bewährung. Was bedeutet, dass der Angeklagte die Sanktion bereits verbüsst hat und nicht mehr hinter Gitter muss. Für das Gericht war auch wichtig, dass sich der Angeschuldigte heute wieder gefangen hat und einer regelmässigen Arbeit als angestellter Pfleger nachgeht. Wobei er für den angerichteten finanziellen Schaden aufkommt.

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