Aktualisiert 29.04.2008 13:50

Mit Fantasie-Autos Millionen ertrogen

Ein Winterthurer Kaufmann hat mit frei erfundenen Leasing-Autos die «GE Money Bank» um rund zwölf Millionen Franken betrogen. Heute gab der Profibetrüger vor Gericht alles zu. Über den unerklärlichen Verbleib von rund zweieinhalb Millionen Franken schwieg er sich allerdings aus.

von
Attila Szenogrady

Das Treiben des heute 45-jährigen Kaufmanns blieb über mehrere Jahre hinweg unentdeckt. Zwischen Ende 1997 bis März 2001 kassierte er von der Zürcher «GE Money Bank» rund zwölf Millionen Franken ein. Als Kredite für den angeblich regelmässigen Einkauf von Leasing-Autos für über 240 Kunden. Der Schönheitsfehler des lukrativen Geschäfts: Die «eingekauften» Fahrzeuge gab es in Wirklichkeit gar nicht.

Über 240 Personen eingespannt

Um nicht aufzufliegen, spannte der einschlägig vorbestrafte Profibetrüger über 240 Personen für seine Pläne ein. Diese Leute unterzeichneten jeweils fingierte Übergabeprotokolle der angeblichen Personenwagen. Im Gegenzug erhielten sie vom gediegen gekleideten Angeklagten Provisionen bis zu 1800 Franken. Eine «fürstliche» Entlöhnung für eine einzige Unterschrift. Die aber ihren Zweck voll erfüllte. Das geschädigte Kreditinstitut ging von tatsächlichen Leasing-Geschäften aus. Die zahlreichen Mitläufer glaubten, dass sie mit der Unterzeichnung bloss den Import der Personenwagen in die Schweiz ermöglichen hätten. «Nur ich wusste, dass es keine Autos gab», erklärte der Angeklagte heute bei der Prozesseröffnung vor dem Bezirksgericht Winterthur.

Fünf Jahre Freiheitsstrafe gefordert

Die am Prozess nicht anwesende Staatsanwältin verlangte für den italienischen Staatsangehörigen wegen gewerbsmässigen Betrugs sowie mehrfacher Urkundenfälschung eine hohe Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Der Angeklagte gab alle Vorwürfe restlos zu. Er hatte sich bereits im März 2001 freiwillig gestellt und mehrere Monate in Untersuchungshaft verbracht. Zuerst habe er bloss einigen Personen zu Krediten verhelfen wollen. Als er aber bemerkt habe, wie leicht es gehe, sei er selber auf den Geschmack gekommen, sagte er und stand den Tränen nahe.

Geld in Solarium versteckt

Eine Hochrechnung des Gerichtspräsidenten ergab, dass der Angeklagte über 7,2 Millionen Franken der Beute für sich persönlich verwendet hatte. Vorwiegend für einen luxuriösen Lebensstil. Am Prozess kam heraus, wie der Familienvater zum Autosalon nach Genf das Flugzeug nahm oder sich eine Luxuskarosse für rund 400 000 Franken leistete. Der Angeklagte erklärte hingegen, dass er unter schlaflosen Nächten gelitten habe. Er habe sogar aus Angst grössere Bargeldbeträge in seinem Solarium versteckt. Über den bis heute nicht geklärten Verbleib von rund 2,5 Millionen Franken konnte er allerdings keine Auskunft geben.

Urteil nächste Woche erwartet

Gegen den Angeklagten sprach, dass er bereits vor 17 Jahren wegen Veruntreuung von rund 320 000 Franken eine bedingte Gefängnisstrafe von 18 Monaten kassiert hatte. Auch damals hatte sich der Täter vor Gericht reumütig gezeigt und von schlaflosen Nächten gesprochen. Untermalt vom inzwischen gebrochenen Versprechen, so etwas nie wieder zu tun.

Der Verteidiger ging von einer starken Opfermitverantwortung aus und setzte sich für eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren ein. Zwei davon auf Bewährung.

Das Gericht zog sich zur geheimen Urteilsberatung zurück und wird den Entscheid voraussichtlich nächste Woche eröffnen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.