Rücksichtslose Neureiche: Mit Ferrari über Rot gebrettert – drei Tote
Aktualisiert

Rücksichtslose NeureicheMit Ferrari über Rot gebrettert – drei Tote

In Singapur kam ein Ferrari 599 GTO mit 180 Stundenkilometer auf eine Kreuzung zugeschossen und prallte in ein Taxi – gefilmt von geschockten Autofahrern. Der Fall löste heftige Reaktionen aus.

von
kub

(YouTube/
<a href="http://www.youtube.com/watch?v=8JfAaOABk4g" target="_blank">TheMockymocky</a>)

Es ist einer der schnellsten Sportwagen der Welt: der Ferrari 599 GTO. Gewöhnliche Strassen sind kein Ort für diesen superteuren Flitzer. Doch diese Einsicht kommt zu spät für die drei Toten eines der wohl schrecklichsten Unfälle, die je gefilmt wurden.

Der tödliche Unfall auf einer Strasse in Singapur ereignete sich bereits vor zehn Tagen. Ein roter Ferrari kam wie ein Blitz – nachträglich wurden bis zu 180 Stundenkilometer auf dem Tacho eruiert – auf die Kreuzung Rochor Road und Victoria Street zugeschossen und prallte in ein Taxi. Der 52-jährige Taxifahrer, ein Vater von drei Kindern, und dessen Gast, eine 41-jährige Japanerin, sowie der 31-jährige Ferrari-Fahrer selber – ein Expat aus China – wurden getötet. Die Beifahrerin des Ferrari und ein ebenfalls involvierter Motorradfahrer überlebten schwer verletzt.

Ehefrau entschuldigt sich

Der Crash wurde von einer Autokamera eines Wagens unmittelbar hinter dem Taxi gefilmt. Die Fahrer und Beifahrer im Auto mit der Kamera waren geschockt. Einer im Auto – es handelte sich ebenfalls um ein Taxi – sagte noch, wie viel Glück sie jetzt gerade hatten.

Ferraris für Superreiche

Die Ehefrau des Ferrari-Fahrers hat sich am vergangenen Wochenende entschuldigt, wie auf «AsiaOne» zu lesen ist. Die schwangere Gattin äusserte sich in einem Blog, dass ihr Mann wohl einen Fahrfehler gemacht habe. Gleichzeitig kondolierte sie den Angehörigen des getöteten Taxifahrers und dessen Gast. Die junge Frau, die ihr Mann im Ferrari ausgeführt hatte und die den Crash überlebte, kannte sie nicht.

Neureiche und Expats am Pranger

Der fatale Ferrari-Unfall hat in Singapur und vor allem in China grosses Aufsehen erregt und die Diskussion um die wachsende Schicht der Neureichen in China angeheizt. Das rücksichtslose Benehmen der meist jungen Superreichen, die ihren Prunk und Wohlstand für allerlei Regelübertretungen missbrauchen, wird in den chinesischen Medien heftig kritisiert.

Video: News-Bericht über den Ferrari-Unfall (YouTube)

Brisant an diesem Unfall ist, dass der Unfallverursacher ein chinesischer Expat war. Diese Tatsache schürte in Singapur Ressentiments gegen reiche Ausländer und Expats, die sich offenbar einen Deut um die Gesetze im Stadtstaat scheren. Auch die chinesische Botschaft hat sich öffentlich für den tragischen Crash entschuldigt. Man hoffe, dass die Chinesen, die in Singapur wohnen, die Werte und das Leben hier respektieren.

Der Horrorunfall wird auch als Metapher für die (zu) schnell wachsende chinesische Wirtschaft gedeutet. «China wird zu schnell reich. Aber andere Dinge wie Anstand und Erfahrenheit brauchen Zeit», schreibt ein chinesischer Gesellschaftskritiker.

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