Aktualisiert

Bezirksgericht DietikonMit geballten Fäusten und «Schwanz» gedroht

In Schlieren hat ein aufgebrachter Fürsorgebezüger den Leiter des Sozialamtes mit geballten Fäusten bedroht. Nun wurde der Portugiese zu einer bedingten Geldstrafe von 21 Tagessätzen zu 30 Franken verurteilt.

von
Attila Szenogrady

Der eingeklagte Vorfall geschah am 16. Januar 2008. Am Nachmittag hatte sich ein portugiesischer Familienvater auf dem Sozialamt in Schlieren eingefunden und führte mit dem Amtsleiter sowie einer Sozialarbeiterin ein Gespräch. Dieses drehte sich um eine Arbeitsstelle, die der Fürsorgebezüger nicht angetreten hatte.

Plötzlich explodiert

Als der Leiter dem späteren Angeklagten die Empfehlung machte, sich in eine psychiatrische Behandlung zu begeben, eskalierte die Situation. Die Sozialarbeiterin gab später als Zeugin zu Protokoll, dass der Besucher plötzlich explodiert sei. Laut Anklageschrift schoss er mit geballten Fäusten hoch und sagte dem Leiter, dass dieser aufpassen müsse, wenn er das Stadthaus verlassen würde und er werde ihm den Schwanz in den Mund stecken, drohte er. Dann verliess er den Raum.

Anklage wegen Drohung

Der heute 51-jährige Leiter nahm die Drohung sehr ernst. Aus Angst vor dem Sozialhilfeempfänger entschied er sich, mit diesem nur noch schriftlich zu verkehren. Zudem erstattete er eine Strafanzeige, welche die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis ins Spiel brachte. Nach einem längeren Strafverfahren erhoben die Untersuchungsbehörden im November vor einem Jahr Anklage wegen Drohung. Der Antrag des Staatsanwaltes lautete auf eine bedingte Geldstrafe von 14 Tagessätzen zu 30 Franken sowie eine Busse von 500 Franken.

Unschuld beteuert

Am Strafprozess im letzten April beteuerte der heute 44-jährige Angeklagte am Bezirksgericht Dietikon seine Unschuld und drehte den Spiess um. So habe ihn der Geschädigte nicht nur persönlich verletzt, sondern habe sich ihm auch in den Weg gestellt, sagte er aus. Sein Rechtsanwalt verlangte ebenfalls einen Freispruch und stellte die ernsthaften Nachteile für das Opfer in Abrede. So habe sich sein Mandanten vielleicht zu einer Beschimpfung hinreissen lassen, aber sicher nicht gedroht, plädierte der Verteidiger.

Klarer Schuldspruch

In seinem am Freitag eröffneten Urteil ist das Dietiker Gericht zu einem klaren Schuldspruch gekommen. Es stufte die Aussagen des Geschädigten als unmissverständlich, widerspruchsfrei und schlüssig ein. Im Gegensatz zu den teils schwankenden Darstellungen des Angeklagten. Der zuständige Einzelrichter stufte das Verschulden als nicht mehr leicht ein. Der Beschuldigte habe mit seinem unberechenbaren Verhalten den Geschädigten mit einem derart unguten Gefühl zurückgelassen, dass dieser Angst bekommen habe, steht im schriftlich begründeten Entscheid. Die bedingte Strafe wurde auf 21 Tagessätze zu 30 Franken festgesetzt. Zudem soll der Angeklagte die Gerichtsgebühr von 800 Franken sowie die Anwaltskosten in noch unbekannter Höhe tragen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.