Zürich: Mit «Geisterarbeitern» Geld gescheffelt

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ZürichMit «Geisterarbeitern» Geld gescheffelt

Mit frei erfundenen Angestellten haben drei mazedonische Bauunternehmer aus Zürich diverse Personalvermittlungsfirmen um rund 777 000 Franken betrogen. Nun drohen der Täterschaft Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren.

von
Attila Szenogrady

Die Machenschaften der drei ursprünglich aus Mazedonien stammenden Angeklagten setzten im Sommer 2005 ein. Die Bauunternehmer aus Zürich-Altstetten und Winterthur gründeten mehrere Gipsergeschäfte und boten in der Folge bei diversen Personalvermittlungsfirmen Stellen für Gipser an. Zum grössten Teil mit Erfolg. Allerdings mit dem Schönheitsfehler, dass die vermittelten Angestellten in Wahrheit gar nie zum Einsatz kamen.

Für «Geisterarbeiter» bezahlt

Zum Nachteil der geschädigten Vermittlungsfirmen, welche die Löhne für die vermeintlichen Arbeiter ausbezahlten und nie mehr wieder sahen. Die Berufsbetrüger gingen dabei raffiniert vor, indem sie jeweils fingierte Einsatzrapporte erstellten und mit den «Geisterarbeitern» bis zum Herbst 2006 ein ansehnliches Vermögen machten. Zu den Opfern zählten prominente Unternehmen wie die «Manpower AG» oder die Winterthurer «Optima Personal». Laut Staatsanwaltschaft betrug der ansehnliche Deliktsbetrag rund 777 000 Franken. Die Angeklagten betätigten sich zusätzlich als Bestellungs- und Versicherungsbetrüger.

Spielcasinos, Alkohol und Frauen

Von den ertrogenen Geldern ist heute nichts mehr übrig. In der Anklageschrift ist von einem ausschweifenden Lebenswandel der Täterschaft die Rede. Sprich: Spielscasinos, Alkohol und Frauen. Zudem gab es Hinweise, dass grössere Summen der Beute per Flugzeug in den Balkan verschoben wurden.

Der zuständige Staatsanwalt forderte für die knapp über 30-jährigen Angeklagten Freiheitsstrafen von zwei Jahren und 18 Monaten, jeweils bedingt, sowie drei Jahre teilbedingt für den Dritten im Bunde. Zwölf Monate soll der zusätzlich wegen einer Schlägerei angeklagte Familienvater absitzen. Hinzu kommen Geldbussen von zwei Mal 10 000 Franken sowie ein Mal 5000 Franken. Nicht zuletzt soll das Trio dem Staat Ersatzforderungen von je zwei Mal 50 000 Franken sowie ein Mal 20 000 Franken abliefern.

Milde Strafen verlangt

Vor Gericht zeigten sich die Beschuldigten weitgehend geständig, machten aber geltend, dass sie um die Strafbarkeit ihres Vorgehens gar nichts gewusst hätten. Die Verteidiger setzten sich für Teilfreisprüche sowie milde Strafen ein und lenkten die Verantwortung von den Angeklagten ab. Einerseits auf einen Schweizer Treuhänder, der eine zentrale Rolle gespielt haben soll. Aber auch auf die geschädigten Firmen, die sich naiv und unvorsichtig verhalten hätten.

Urteil erfolgt demnächst

Das Gericht kam am Mittwoch noch zu keinem Urteil. Es wird den Entscheid aber demnächst eröffnen.

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