Ausgrabung: «Mit Grabungserfahrung bevorzugt»
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Ausgrabung«Mit Grabungserfahrung bevorzugt»

Zürich sucht mit Hochdruck über 30 Archäologen für die Mega-Ausgrabung beim Parkhaus Opéra. Stadtarchäologin Ursula Hügi erklärt, wer mitbuddeln kann und wer nicht.

von
Joel Bedetti
Arbeitsplatz Erdboden: Die Ausgrabungsstätte beim künftigen Parkhaus Opéra.

Arbeitsplatz Erdboden: Die Ausgrabungsstätte beim künftigen Parkhaus Opéra.

Bei den Bauarbeiten zum Parkhaus Opéra bei der Zürcher Sechseläutenwiese sind Reste einer Pfahlbauersiedlung zum Vorschein gekommen. Die Stadt Zürich hat beschlossen, im Mai eine neunmonatige Ausgrabung zu starten - und sucht nun 30 Archäologen.

20 Minuten Online hat Ursula Hügi, die Leiterin der Unterwasserarchäologie der Stadt Zürich, zum Stellenprofil befragt.

20 Minuten Online: Frau Hügi, die Stadt Zürich sucht eine ganze Armee von Archäologen für die Grabungen beim Parkhaus Opéra. Das ist auch für Sie nicht Alltag, oder?

Ursula Hügi: In der Schweiz gibt es so ein grosses Projekt etwa einmal im Jahr, in Zürich ist etwas in dieser Grössenordnung aber 30 Jahre her. Damals war es eine Grabung beim Bernhard-Theater.

Sie haben letzte Woche die Stelleninserate geschaltet. Haben Sie ihre Equipe schon zusammen?

So kann man das nicht sagen. Aber bei mir stapeln sich die Dossiers, und weit über hundert Leute haben angerufen und sich erkundigt.

Waren das alles Profi-Archäologen?

Nein, da gab es alles – Profis, Stellensuchende, Studenten – auch Journalisten. Weil wir innerhalb kurzer Zeit ein grosses Team aufstellen mussten, haben wir den Stellenbeschrieb offen gestaltet. Mit so vielen Anfragen können wir aber eine gute Auswahl treffen.

Also wird es nichts mit dem Ferienjob für die Studis?

Unter Umständen schon. Gerade Studenten aus den betreffenden Fachrichtungen nehmen wir gerne. Allerdings bevorzugen wir natürlich Leute mit Grabungserfahrung. Es gibt freischaffende Archäologen, die sich von Grabung zu Grabung hangeln.

Haben externe Bewerber manchmal ein falsches, romantisches Bild vom Archäologen-Dasein?

Ja, einige Leute haben mal einen Film gesehen und haben völlig falsche Vorstellungen, wie es auf einer Ausgrabung aussieht.

Was macht man denn so auf der Ausgrabung?

Erst mal muss man die oberen Erdschichten, die keine Schätze bergen, abtragen. Das ist mässig spannend. Bei den sensiblen Erdschichten muss man dann mit den Händen graben. Hat man einen Gegenstand gefunden, muss man ihn reinigen, beschreiben und in ein Verzeichnis eintragen.

Und was sind die schönen Momente?

Wenn man einen intakten Gegenstand findet und in den Händen hält, beispielsweise einen Korb, den jemand vor 5000 geflochten hat.

Juckt es den Archäologen nicht, ein Fundstück als Erinnerung mitzunehmen?

Jetzt haben Sie aber ein völlig falsches Bild von Archäologie. Jeder Gegenstand, sei er auch noch so unspektakulär, ist ein Puzzleteil der Siedlung, die wir zu rekonstruieren versuchen. Als Archäologe denkt man nicht daran, ein Teil mitgehen zu lassen. Das wäre so, wie wenn Sie in einem Radiogeschäft arbeiten und jeden Abend noch ein Radio mitlaufen liessen.

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