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Flaute im FerienlandMit Gratis-Ferien gegen die Tourismus-Krise

Der Bündner Tourismus ächzt wegen dem starken Franken. Eine neue Kampagne soll das Schlimmste verhindern. Im Zentrum stehen Gratis-Ferien für Kinder.

von
Alex Hämmerli
Das Bündnerland setzt auf junge Steinböcke.

Das Bündnerland setzt auf junge Steinböcke.

Die Frankenstärke hat Graubünden hart getroffen: Verglichen mit März 2011 kamen im März dieses Jahres 17 Prozent weniger Gäste in die Tourismusregion. Die Zahl der Logiernächte sank um saftige 121 000. Damit leidet das Bündnerland mehr als jede andere Schweizer Region. Das zeigen die neusten Zahlen von Schweiz Tourismus. Für den Kanton, dessen Wirtschaft zu einem Drittel vom Fremdenverkehr abhängig ist, ist der Einbruch «dramatisch», wie es der Bündner Regierungsrat Hansjörg Trachsel ausdrückt. Kaum irgendwo sonst habe der Tourismus eine derart grosse Bedeutung.

Auch für diesen Sommer sieht es für die Bündner Hoteliers nicht gerade rosig aus: Die Konjunkturforschungsstelle BAK Basel sagt für die Region punkto Logiernächte ein Minus von 2 Prozent voraus. «Die aktuellen Herausforderungen verlangen ausserordentliche Massnahmen», sagt Andreas Wieland, Präsident von Graubünden Ferien.

Im Kampf gegen die Flaute bei den Feriengästen lanciert Graubünden Ferien daher den «Bündner Bergsommer». Kern der Kampagne sind neue Werbespots mit den beiden sprechenden Steinböcken Gian und Giachen. Sie werben dafür, dass Kinder bis 12 Jahre in 160 Bündner Hotels vom 16. Mai bis 31. Oktober gratis übernachten, sofern sie mit den Eltern anreisen. Für 13- bis 15-Jährige gibt es immerhin einen Rabatt von mindestens 50 Prozent.

Deutsche bleiben trotzdem fern

Die Werbekampagne kostet den Dachverband Graubünden Ferien rund eine Million Franken, verrät Sprecher Gieri Spescha. Konkret dazu äussern, welche Wirkung man sich im Bündnerland davon erhofft, mag er sich indes nicht. Mit der Kampagne wolle man vor allem Schweizer Familien anlocken. Denn «dass die Deutschen wegbleiben, dagegen können wir angesichts des starken Frankens kaum etwas ausrichten», gibt Spescha resigniert zu.

«Die traditionellen grossen Gästemärkte von Graubünden - wie z.B. Deutschland - brechen weg», sagt Marco Hartmann, Leiter des Instituts für Tourismusforschung ITF an der Hochschule für Technik in Chur. Man wird nicht darum herumkommen, an ihrer Stelle mehrere neue, zusätzliche Gäste aus Europa und aus Fernost anzulocken. Das lasse sich aber weder in einem Sommer noch einem Winter stemmen, auch nicht mit einem Werbebudget in der Höhe von einer Million Franken: «Grosse Investitionen sind erforderlich - in neue Vertriebskanäle, in die Erlebnisgestaltung, ins Marketing - man könnte sagen, es bräuchte dafür einen touristischen Marshallplan.»

Flankierend zur Familien-Kampagne lancieren die Rhätische Bahn und Graubünden Ferien mit «Webwandern.ch» eine Weltneuheit: Auf dem Online-Portal können Naturfans in einem insgesamt 36-stündigen Video die zehn Etappen der vor zwei Jahren fertig gebauten Via Albula/Bernina in Echtzeit «durchwandern». Doch ist das nicht kontraproduktiv? Bleiben die Wanderer nicht fern, wenn Sie das Erlebnis auch von der Couch aus haben können? Martin Sturzenegger von der Rhätischen Bahn verneint: «Ich bin überzeugt, dass die Videos neue Wandervögel anlocken werden.»

Webwandern im Graubünden (Video: Youtube/rhaetischebahn)

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