Neues Gleissystem : Mit Gummi ist auch Velofahren safe
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Neues Gleissystem Mit Gummi ist auch Velofahren safe

Basel soll als erste Stadt Europas ein velofreundliches Tramgleissystem bekommen. Dank eines Gummiprofils sollen Haltestellen sicherer gemacht werden. Doch der Gummi muss noch zwei Prüfungen bestehen.

von
Elodie Kolb

In Basel werden zurzeit velofreundliche Gleise mit Gummifüllung getestet.

20 Minuten 

Darum gehts

  • In Basel sollen als europaweit erste Stadt velofreundliche Gleise eingeführt werden.
  • Dank einer Gummifüllung sollen Kaphaltestellen für Velofahrer sicherer werden
  • Bis die Gleise in Betrieb genommen werden, sollen noch diverse Tests durchgeführt werden.

Gleise sind für Velofahrer Sturzfallen und in Basel sind insbesondere die behindertenfreundlichen Kaphaltestellen mit den hohen Kanten gefährlich. Der enge Korridor zwischen Haltekante und Gleis beschleunigt auch erfahrenen Velofahrern den Puls. Um dagegen vorzugehen und das Velofahren sicherer und einfacher zu gestalten, testet Basel, als erste Stadt in Europa, velofreundliche Gleise mit Gummifüllung .

Vor knapp einem Jahr ging die Testphase in Füllinsdorf (BL) in die erste Runde. Auf dem Areal einer Baufirma konnten Velofahrer die Teststrecke befahren und mit verschiedenen Velos, sowie E-Bikes, Liege- und Faltvelos und auch mit Kinderanhängern auf ihre Rutschfestigkeit Prüfen. Dies teilte das Bau- und Verkehrsdepartement am Donnerstag mit.

«Rückmeldungen sind durchweg positiv»

Um die Gleise velofreundlicher zu gestalten, soll in der Schienenrille ein Gummiprofil montiert werden. Dadurch werde die Rille des Tramgleises verschlossen. Aufgrund des leichten Gewichts könne ein Velofahrer darüber fahren ohne einzusinken, ein Tram hingegen würde die Gummifüllung nach unten drücken, so die Mitteilung (siehe Bild unten).

Die Testgleise in Füllinsdorf wurden bei verschiedenen Witterungen und auch mit Laub auf der Fahrbahn getestet. Die Testpersonen hätten sich beim Befahren der Gleise sicherer gefühlt und «das erste Fazit fällt durchweg positiv aus», heisst es weiter in der Mitteilung. Nach diesem erfolgreichen Start beginne diesen Herbst eine zweite Testphase, in der untersucht wird, «ab wann die Abnutzung der Gummifüllung von Velofahrern als unsicher empfunden wird», so das Bau- und Verkehrsdepartement.

Ende 2021 soll bei der Tramhaltestelle Bruderholzstrasse in Fahrtrichtung Bruderholz eine erste Stelle eingerichtet werden, wo Velofahrer unter realen Bedingungen das neue Gleissystem testen können und die Funktionstüchtigkeit und Akzeptanz im täglichen Verkehr geklärt werden könne. Voraussichtlich könne Ende 2022 über den definitiven Einsatz an sämtlichen Kaphaltestellen entschieden werden.

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Als europaweit erste Stadt werden in Basel zurzeit velofreundliche Tramgleise getestet. Die erste Testphase habe «durchweg positive Rückmeldungen» geliefert, teilt das Bau- und Verkehrsdepartement am Donnerstag mit.

Als europaweit erste Stadt werden in Basel zurzeit velofreundliche Tramgleise getestet. Die erste Testphase habe «durchweg positive Rückmeldungen» geliefert, teilt das Bau- und Verkehrsdepartement am Donnerstag mit.

Bau- und Verkehrsdepartement Basel 
Die velofreundlichen Tramgleise basieren auf einer Gummifüllung, welche die Rille der Gleise verschliesse. Aufgrund ihres leichten Gewichts könnten Velofahrer darüber fahren, ohne einzusinken. Trams hingegen würden die Füllung nach unten drücken, heisst es in der Mitteilung.

Die velofreundlichen Tramgleise basieren auf einer Gummifüllung, welche die Rille der Gleise verschliesse. Aufgrund ihres leichten Gewichts könnten Velofahrer darüber fahren, ohne einzusinken. Trams hingegen würden die Füllung nach unten drücken, heisst es in der Mitteilung.

Bau- und Verkehrsdepartement Basel 
Bis dieses Gummi flächendeckend zum Einsatz kommen kann, muss es aber noch zwei Prüfungen bestehen. Im Herbst wird nun die Abnutzung getestet und Ende 2021 soll die erste Test-Haltestelle damit ausgerüstet werden.

Bis dieses Gummi flächendeckend zum Einsatz kommen kann, muss es aber noch zwei Prüfungen bestehen. Im Herbst wird nun die Abnutzung getestet und Ende 2021 soll die erste Test-Haltestelle damit ausgerüstet werden.

20 Minuten

80 Prozent teurer als normales Gleis

Auch die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) hätten das velofreundlichen Gleis bereits getestet und erste Erfahrungen zeigten, dass dies auch für den öffentlichen Verkehr sicher und zuverlässig funktioniere. Allerdings koste sowohl der Einbau, wie auch der Unterhalt und die Wartung der Gleise um 80% mehr als bei herkömmlichen Gleisen. Falls das neue System an sämtlichen Kaphaltestellen im Kanton eingeführt würde, beliefen sich die Mehrkosten auf 20 bis 30 Millionen Franken, so die Mitteilung.

Deine Meinung

265 Kommentare
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Gluggzi

07.08.2020, 13:50

Durch dieses System kommen noch mehr Velofahrer auf die Strasse, welche den Drahtesel nicht beherrschen können und wollen.

Phil Krill

07.08.2020, 08:09

... und wieso sind die Mehrkosten 80%. Das kann doch nicht sein und wenn doch, dann bitte auch die Velofahrer an den Infrastrukturkosten beteiligen - Gratis geht so nicht mehr ...

Rösli Tell dazu

07.08.2020, 07:20

und wer schützt die Randsteine vor den Velofahrer?