Madame Gil: Mit Käse-Kosmetik hat sie alle übers Ohr gehauen
Publiziert

Madame GilMit Käse-Kosmetik hat sie alle übers Ohr gehauen

Prominente wie Michael Jackson liebten ihren «Zauberkäse», sagte eine Französin und knöpfte Tausenden Geld ab. Jetzt steht sie vor Gericht.

von
kle
Gilberte Van Erpe legte 5500 Menschen in Chile mit ihrem Käse-Trick herein. (Screenshot Titelblatt Le Parisien Magazine)

Gilberte Van Erpe legte 5500 Menschen in Chile mit ihrem Käse-Trick herein. (Screenshot Titelblatt Le Parisien Magazine)

Seit Montag steht die 74-jährige Gilberte Van Erpe vor einem Gericht in Paris. Die Französin, die sich auch Madame Gil nennt, soll zusammen mit drei Komplizen rund 5500 Menschen in Chile mit einem Trick insgesamt 15,2 Millionen Franken aus der Tasche gezogen haben. Van Erpe hatte im Dezember 2005 ein Schneeballsystem kreiert und ihren Investoren einen Gewinn von hundert Prozent der ursprünglichen Einzahlung versprochen.

Der Plan von Madame Gil klang verlockend: In öffentlichen Konferenzen liess sie die Leute glauben, dass sie Käseproduzenten werden könnten. Die europäische Kosmetikindustrie, unter anderem die Firma L'Oréal, sei verrückt nach einem «Zauberkäse», erkärte die Französin. Das Produkt könne über Kongo nach Frankreich exportiert werden und die damit hergestellten Kosmetika würden von Stars wie Michael Jackson verwendet, meinte Van Erpe.

2008 in Nizza verhaftet

Wie «Le Figaro» berichtet, verkaufte Madame Gil den Chilenen ein Starter-Kit mit Milchfermenten für 386 Franken. Sie selbst hatte die Sets aus Polen und Frankreich importiert und dafür 42 Franken bezahlt. In den ersten Wochen lief alles noch gut und die Investoren verdienten mit der Käse-Kultivierung tatsächlich Geld. Nur: Der «Zauberkäse» verliess nie das Land und verschimmelte in einem Lager. Im Juli 2006 brach Van Erpes System zusammen.

Zunächst ermittelte die chilenische Justiz. Von den insgesamt 5500 Teilnehmern, die zwischen 400 und 176'000 Euro investiert hatten, machten 711 tatsächlich einen Gewinn. Die mehr als 4700 restlichen verloren alles. Viele von ihnen hatten sogar einen Kredit auf ihr Haus aufgenommen und sich schwer verschuldet.

Gilberte Van Erpe wurde schliesslich im Jahr 2008 im südfranzösischen Nizza festgenommen. Weil sie nicht ausgeliefert werden konnte, übergaben die chilenischen Behörden den Fall an die französische Justiz. Das Urteil im Prozess dürfte bereits am Dienstag erfolgen.

Deine Meinung